Teil 2 der neuen Serie: Pensionskassen werden durch Niedrigzinsen zum Problem –  Um eine betriebliche Altersversorgung (bAV) zu finanzieren, benötigt man einen Versorgungsträger. Hier haben viele auf Pensionskassen gesetzt, die in der aktuellen Niedrigzinsphase zum Problem werden können. Deckungslücken müssen die Unternehmen aus eigener Tasche zahlen. Außerdem zeigt die Roadshow des Netzwerks Fachkräfte deutlich: Viele Unternehmen begeben sich bei einer bAV grundlos in Gefahr. Deshalb klärt der Experte Anton Wittmann in einer Serie über einzelne Sachverhalte auf. Heute: Wie baut man ein eigenes Konzept auf?

Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung, der Welt oder dem Handelsblatt versuche die Bundesregierung in der Krise mit den Pensionskassen Rentenkürzungen zu vermeiden. Auch die Verbraucherzentrale meldet, dass etwa jede dritte Pensionskasse unter verschärfter Beobachtung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) steht. Schon jetzt haben einige Pensionskassen ihre Leistungen reduziert – die Differenz zahlt der Arbeitgeber. In der Vergangenheit hatten viele Pensionskassen eine besonders hohe Verzinsung geboten. Doch sie haben eine Ausstiegsklausel, wenn sie dieses Versprechen nicht mehr erfüllen können. Diese Ausstiegsklausel hat der Arbeitgeber aber nicht; das haben viele Unternehmen übersehen und müssen daher die Differenz selbst ausgleichen. „Noch schlimmer ist, dass viele Pensionskassen nicht im Sicherungsfonds sind“, erklärt der Netzwerk Fachkräfte-Experte Anton Wittmann. „Fällt so eine Pensionskasse aus, ist das gesamte Geld weg und das Unternehmen bleibt auf der Zahlungsverpflichtung sitzen. Im Gegensatz dazu sind Versicherungen in dem Sicherungsfonds.“ Das Fatale ist nämlich ein Dreiecksverhältnis bei der bAV: Der Arbeitgeber schließt letztlich einen Vertrag mit dem Arbeitnehmer und garantiert auch für die Bezahlung und Verzinsung der Altersversorgung, die im Vertrag festgehaltenen ist. Der Versorgungsträger finanziert „nur“. Wählt man einen nicht solventen Versorgungsträger, kann es ein Unternehmen hart treffen, denn das Versorgungsversprechen aus dem bAV-Vertrag muss das Unternehmen einhalten und im Zweifelsfall aus eigenen Mitteln bezahlen. Es sind schon Unternehmen in die Insolvenz geraten, die die Altersversorgung nicht mehr finanzieren konnten. Und ein Ausfall eines Versorgungsträgers ist gar nicht so abwegig, wie das Frühjahr 2018 beweist.

Unternehmen haben es selbst in der Hand
Um das Risiko einer Haftung auf ein Minimum zu begrenzen, benötigt ein Unternehmen ein arbeitsrechtliches Konzept, das auf den eigenen Betrieb abgestimmt ist. Wer sich selbst aktiv um die bAV kümmert, kann alles selbst gestalten und festlegen. „Im Gesetz gibt es einige Schutzmechanismen für den Arbeitgeber, die man nutzen kann“, so Wittmann. „Man muss sie eben aktiv einsetzen.“ Das eigene Konzept regelt alle arbeits-, steuer- und wirtschaftsrechtlichen Fragen. So kann man, wie mit einer Firewall in der EDV, das Risiko der Haftung minimieren. Es reicht nicht nur einzelne Bausteine aufzugreifen, das Konzept sollte ineinandergreifen. Die Basis muss immer das Betriebsrentengesetz sein.

Danach benötigt man eben eine Versicherung oder Pensionskasse als Versorgungsträger, der das Geld der Mitarbeiter anspart, um später die betriebliche Altersversorgung zahlen zu können. „Hier muss man sehr genau hinschauen und Weitsicht beweisen“, mahnt Wittmann. „Das Unternehmen geht schließlich einen Vertrag über fünf bis sechs Jahrzehnte ein, eine wirklich lange Zeit. Der Versorgungsträger muss so stark sein, dass er in der gesamten Zeit in der Lage ist, die Altersversorgung bezahlen zu können.“

To-do-Liste des Experten

  • Konzept erstellen, das zur Firma passt
  • Versorgungsträger finden, der „solvent“ ist
  • Richtige Überschussbeteiligung wählen, um Erleichterungen für Arbeitgeber nutzen zu können
  • Im laufenden Betrieb alle Vorgaben umsetzen, u. a. Beratungsprotokolle (Personaler sind die Schnittstelle zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer!)

Unseren Spezialisten Anton Wittmann ist:

  • Betriebswirt für betriebliche Altersversorgung (bAV)
  • Dozent und Projektmanager bAV der deutschen Maklerakademie (DMA)
  • Gründer von SAVE – dem Kompetenznetzwerk für Sichere AltersVErsorgungskonzepte
  • Unabhängiger Berater und Geschäftsführer der Wittmann Finanzgruppe
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netzwerk-fachkraefteNetzwerk Fachkräfte
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Neigenfind kleinAutor: Mathias Neigenfind
Chefredakteur Business Lounge Magazin
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