Die Regierung von Mittelfranken ist eine von sieben Regierungen in Bayern und hat ihren Amtssitz in Ansbach. Sie setzt die Politik der Staatsregierung vor Ort um. Zuständig ist sie für viele Bereiche der Infrastruktur – hier gibt es enge Berührungspunkte mit der Wirtschaft. Seit 1. Januar 2008 ist Dr. Thomas Bauer Regierungspräsident.

MAGAZIN: „Sie sind als Regierungspräsident der höchste Repräsentant der Staatsregierung für Mittelfranken. War das immer schon Ihr Berufswunsch?“

Dr. Thomas Bauer: „Was mich immer fasziniert hat war das Recht, waren Fragen von Schuld und Freiheit oder wie man den Staat am besten organisiert. Deswegen bin ich Jurist geworden und wollte in die Verwaltung gehen. So gesehen mache ich jetzt genau das, was mein ursprünglicher Berufswunsch war. Dass ich heute Regierungspräsident bin, hängt von vielen Zufälligkeiten ab, das kann man nicht unbedingt als Berufswunsch bezeichnen.“

MAGAZIN: „Es gibt Kritiker, die die Regierungen abschaffen wollen. Was sagen Sie diesen Kritikern?“

Bauer2Dr. Thomas Bauer: „Natürlich benötigen wir die Regierungen, und selbst diejenigen, die einmal der Meinung gewesen sind es bräuchte sie nicht, wie das Land Niedersachsen, kehren inzwischen zu den Regierungen zurück. In Rheinland-Pfalz sucht man nach Ersatzkonstruktionen, dort heißen sie Aufsichts- und Sicherheitsdirektionen oder tragen ähnliche Wortungetüme. Aber das zeigt zeigt mir, dass ein Flächenland ohne eine Behörde auf mittlerer Ebene nur schwer organisierbar ist. Ich sage immer: Wir als Regierungen sind nahe genug an den Problemen, aber weit genug entfernt von den Interessen.“

MAGAZIN: „Wie ist Mittelfranken für die Zukunft aufgestellt?“

Dr. Thomas Bauer: „Ich glaube, die Region ist gut aufgestellt. In allen internationalen Rankings sind wir auf einem der führenden Positionen bei Fragen der Wirtschaft, der Innovationskraft, des Fachkräftebedarfs und der Infrastruktur, insofern wird Mittelfanken das zweite wichtige Kraftzentrum in Bayern bleiben. Aber wir dürfen nicht selbstgefällig werden und uns ausruhen. Klar, dass der Freistaat Bayern darauf achten muss, dass wir in Fragen der Infrastruktur weiterhin wettbewerbsfähig bleiben. Das ist für mich zum einen die Frage des Verkehrs. Wir müssen erkennen, dass die Autobahnen an ihre Grenzen stoßen, die A3 muss weiter ausgebaut werden, und für mich führt auch kein Weg am sechs-streifigen Ausbau der A6 bis zur Landesgrenze Baden Württemberg vorbei. Natürlich brauchen wir eine wettbewerbsfähige Breitbandversorgung, und was für mich am Wichtigsten ist: Wir benötigen auch in zehn Jahren gut ausgebildete Menschen. Wir müssen darauf achten, dass wir bei all der demografischen Entwicklung weiterhin ein flächendeckendes Grundschul- und Mittelschulsystem erhalten können. Auch unsere Hochschulen in Westmittelfranken gilt es weiterzuentwickeln. John F. Kennedy hat mal den schönen Satz gesagt, dass nur eins teurer ist als Bildung, nämlich nicht in Bildung zu investieren. Unsere Aufgabe ist es, die Zukunftsthemen zu besetzen.“

MAGAZIN: „Wie sieht der typische Tag eines Regierungspräsidenten für Mittelfranken aus?“

Bauer3Dr. Thomas Bauer: „Als Behördenleiter und Vertreter der Staatsregierung kommen natürlich sehr viele repräsentative Aufgaben auf mich zu. Das ist nicht nur Vergnügen, sondern auch harte Arbeit, denn es gibt die Möglichkeit, mit den Entscheidungsträgern in Mittelfranken in Kontakt zu bleiben, das eine oder andere Problem zu besprechen und vielleicht auch wesentlich schneller zu lösen als wenn man das schriftlich versucht.“

MAGAZIN: „Das heißt, netzwerken ist auch für Sie sehr wichtig?“

Dr. Thomas Bauer: „Das ist eine der wichtigsten Tätigkeiten, und das ist einer der entscheidenden Faktoren, warum ich die Business Lounge schätze. Hier kommen Menschen zusammen, um netzwerken zu können. Zu meinen Aufgaben gehört es auch, Entscheidungen zu treffen, etwa bei wichtigen Bescheiden und Personalangelegenheiten. Hinzu kommt das Aktenstudium, damit ich in vielen Punkten als Ansprechpartner auf dem Laufenden bin.“

 

MAGAZIN: „Wie unterstützen Sie Unternehmen?“

Dr. Thomas Bauer: „Die Unternehmer verwalten sich in Deutschland selbst, sie haben aber die Möglichkeit, etwa im Rahmen der Regionalförderung eine finanzielle Unterstützung zu bekommen. Außerdem haben sie einen Anspruch darauf, Infrastrukturvoraussetzungen vorzufinden, um wirtschaftlich erfolgreich agieren zu können.“

MAGAZIN: „Einige Kritiker sagen, wenn man alles wie in der freien Wirtschaft organisieren würde, würde vieles besser klappen!“

Dr. Thomas Bauer: „Ich gebe unumwunden zu, dass wir manchmal in unserem Staat Fettpolster haben, auch in der staatlichen Organisation, und vielleicht auch an manchem festhalten, was nicht unbedingt nötig ist. Das kann die Freiheit der Bürger und Unternehmer einschränken. Deshalb muss man reagieren und beispielsweise Bürokratie verschlanken. Das ist in vielen Fällen auch geschehen, etwa als die Regierung vor kurzem das Konjunkturpaket II durchgeführt hat. Da ist in wenigen Monaten über ein Investitionsvolumen von fast 200 Millionen entschieden worden. So stelle ich mir die Verwaltung der Zukunft vor. Aber im Leben ist nicht alles ökonomisierbar und durch Wirtschaftsunternehmen zu erfüllen. Zum Beispiel gehört bei der Unterbringung von Asylbwerbern mehr dazu als nur Unterkünfte zu errichten. Es geht um den Umgang mit Menschen, und da bin ich froh, dass es nicht nur erfolgreiche Wirtschaftsunternehmen gibt, sondern auch einen Staat, der so etwas organisiert und Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren.“

MAGAZIN: „Wie sehen Sie die Herausforderungen des demografischen Wandels für Mittelfranken?“

Bauer5Dr. Thomas Bauer: „Unsere Gesellschaft wird sich verändern, auch in Mittelfranken werden wir weniger, älter und bunter. Aber im Vergleich zu vielen anderen Regionen Deutschlands können wir mit unserer demografischen Entwicklung sehr zufrieden sein. Wir werden zwar weniger, aber ich glaube nicht in einem Umfang, der grundlegende Probleme oder gar eine Entvölkerung von Westmittelfranken zur Folge hätte.“

MAGAZIN: „Das klingt deutlich positiver als bei vielen anderen.“

Dr. Thomas Bauer: „Wenn in Deutschland Herausforderungen auf uns zukommen, habe ich den Eindruck, dass wir uns erstmal den schlimmsten Fall vorstellen, statt auf diese Herausforderungen zu reagieren. Wenn ich mir die Prognosen des statistischen Landesamtes anschaue, dann wird Bayern bis 2031 um 2,8 Prozent wachsen, selbst Mittelfranken wird noch um 1,9 Prozent wachsen und Westmittelfranken um 5,9 Prozent zurückgehen. Das sind 24.000 Menschen weniger, und da denke ich, das werden wir kompensieren können.“

MAGAZIN: „Was könnte man tun, um junge Menschen in der Region zu halten?“

Dr. Thomas Bauer: „Damit der voraussichtliche Rückgang der Erwerbspersonen nicht zu einem Fachkräftemangel führt, müssen wir dem jetzt schon entgegenwirken. Unternehmen sollten in den guten Zeiten über den Bedarf hinaus ausbilden. Außerdem müssen wir uns für andere attraktiv genug aufstellen. Leider ist die fränkische Mentalität so, dass wir bei unseren Stärken zurückhaltend sind. Darin sehe ich eine Aufgabe der Metropolregion, die Vorzüge unserer Region entsprechend nach außen darzustellen. Im Bereich Familienfreundlichkeit haben wir beste Rahmenbedingungen. Wir haben die Kraft für Veränderungen. Vielleicht müssen wir uns in den Unternehmen auch noch darauf einstellen, dass wir eine ältere Belegschaft haben werden und dass die Arbeitsplätze entsprechend gestaltet sein müssen.“

„Die Energiewende ist eigentlich verkannt.“    

MAGAZIN: „Was halten Sie von der Energiewende, und wie könnte man sie gut gestalten?“

Dr. Thomas Bauer: „Die Energiewende ist eigentlich ein bisschen verkannt. Der Anteil der erneuerbaren Energien ist nach Fukushima 2011 um 13 Prozent gestiegen. Bayern ist Spitzenreiter bei Geothermie, Photovoltaik, beim Wasser, und wir haben die Windkraft seit 2009 verdreifacht. Ich würde jetzt den Fokus auf Energieeinsparungen legen, und da ist aus meiner Sicht in den vergangenen Jahren zu wenig gemacht worden. Ein zweiter wichtiger Fokus ist die Energieforschung. Da müssen wir noch große Anstrengungen unternehmen, um Energien effektiver nutzen zu können. Netzausbau ist aus meiner Sicht unverzichtbar, damit die regenerativen Energien dort hingeleitet werden, wo sie gebraucht werden. Aber im Moment wird die Diskussion ein bisschen zu sehr geprägt von den Energieautobahnen. Wir müssen insgesamt unser Netz ausbauen, und wir werden sehr viel mehr dazu kommen, bestehende Trassen zu nutzen. So können wir die Belastungen für unsere Bevölkerung bündeln und kommen hoffentlich bald zu einem Konsens.“

MAGAZIN: „Ist die Politik noch glaubwürdig oder hat sie an Glaubwürdigkeit verloren?“

Regierungspräsident Dr. Thomas Bauer (li.) im Interview mit Chefredakteur Mathias Neigenfind

Regierungspräsident Dr. Thomas Bauer (li.) im Interview mit Chefredakteur Mathias Neigenfind

Dr. Thomas Bauer: „Ich sehe, dass sich unser Leben sehr viel rascher ändert als in zurückliegenden Jahrzehnten, und dementsprechend muss sich auch Politik verändern und auf diese Herausforderungen reagieren. Manche interpretieren das als mangelnde Glaubwürdigkeit. Ich sehe es dagegen als eine Stärke, wenn Politik schnell reagiert und vielleicht das, was noch vor zehn Jahren „en vogue“ war, nicht mehr vertritt, sondern gegenteilige Thesen. Wir kennen alle den Satz ‚die Demokratie ist eine schlechte Regierungsform, aber wir kennen keine bessere‘. Demokratie hat einen hohen Abstimmungsaufwand, und deswegen kann ich mir vorstellen, dass manche Bürger, die gerade bei den Griechenlanddiskus-sionen genervt sind, wenn sie ständig wechselnde Meinungen hören. Die Diskussionen ziehen sich hin, aber der Vorteil dieses Prozederes sind wirklich gut durchdachte Entscheidungen, die möglichst viele Menschen mitnehmen. Diesen Aufwand muss ich ertragen, wenn ich in einer Demokratie lebe. Wenn ich es anders haben will, dann muss ich zu einer Diktatur zurückkehren und zu jemanden, der entscheidet. Ich möchte das nicht!“

MAGAZIN: „Wie ist Ihr persönlicher Führungsstil?“

Dr. Thomas Bauer: „Zum einen situativ, denn je nach Situation ist ein anderer Führungsstil angebracht. Ich sehe mich als einen kooperativen Menschen, nicht als jemanden, der von oben herab entscheidet, aber auch nicht als jemanden, der Laisser-faire übt und alles laufen lässt. Auf den Tisch hauen ist nicht meine Art, aber wenn mir etwas nicht passt, dann spreche ich es auch ganz klar an und sage dem Betreffenden, wie ich es mir vorstelle. Wichtig sind mir ein gutes Betriebsklima und der Umgang miteinander. Wir treffen unsere Entscheidungen gemeinsam, und dann stehen wir aber auch gemeinsam zu diesen Entscheidungen.“

MAGAZIN: „Gibt es eine Facebook-Seite von der Regierung von Mittelfranken?“

Dr. Thomas Bauer: „Nein, man muss sich nicht alles antun. Meine Erfahrung ist, dass das Internet häufig große Gefahren birgt, weil die Kontrollmöglichkeiten sehr gering sind und damit das Internet nicht immer das Beste des Menschen befördert. Natürlich nutzen wir es, um mit den Bürgern in Kontakt zu kommen oder um Unterlagen zu veröffentlichen, beispielsweise im Planfeststellungsverfahren. Das ist schon ein schneller und bequemer Weg, aber was soziale Netze betrifft, sind wir nicht vertreten.“

MAGAZIN: „Was bringt Sie auf die Palme?“

Dr. Thomas Bauer: „Ich versuche strukturiert zu denken. Wenn jemand ein Dampfplauderer ist, dann muss ich gestehen, werde ich häufig ungeduldig, vielleicht zu ungeduldig.“

MAGAZIN: „Was schätzen Sie an Mittelfranken?“

Dr. Thomas Bauer: „Die Art der Menschen. Wir sind zurückhaltend, nüchtern, aber wenn etwas besprochen ist, gilt das. Was ich auch sehr schätze, ist die Unaufgeregtheit. Wer lange Jahre im Ministerium gewesen ist, der hat miterlebt, dass Themen im Landtag häufig hoch kochen und schon bald wieder vergessen sind. Da sind wir hier in Mittelfranken schon sehr viel bodenständiger und verlässlicher, und das ist gut so.“

MAGAZIN: „Wie wird die Regierung von Mittelfranken in zehn Jahren aussehen?“

Dr. Thomas Bauer: „Sie wird vielleicht andere Personen haben, und sie wird möglicherweise auch andere Themen besetzen. Aber drei wichtige Aufgaben wird sie weiterhin erfüllen: Sie wird die große Förderbehörde in Mittelfranken sein, rund 500 Millionen Euro an Fördermitteln fließen pro Jahr nach Mittelfranken. Sie wird die große Planungsbehörde sein, beispielsweise für Autobahnen, Industrieansiedlungen und dergleichen. Und ich denke, sie wird auch weiterhin die große Aufsichts- und Genehmigungsbehörde sein, etwa im Bereich Schulwesen oder auch bei Haushaltsgenehmigungen. Wenn ich von Kollegen bei bundesdeutschen Treffen erfahre, wie die Haushaltssituation in Nordrhein-Westfalen oder im Saarland ist, dann ist es gut, dass der Freistaat Bayern eine relativ strenge Aufsicht über den Haushalt der Kommunen hat. Wir sind finanziell wirklich hervorragend aufgestellt.“

NETZWERKKONTAKT

Dr. Thomas Bauer (Regierungspräsident)
Regierung von Mittelfranken
Promenade 27 | 91522 Ansbach
Telefon 0981 / 53 – 1201 | Fax 0981 / 53 – 1248
thomas.bauer@reg-mfr.bayern.de | www.reg-mfr.bayern.de

Neigenfind kleinInterview: Mathias Neigenfind
Chefredakteur Business Lounge Magazin

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