GERADE DIE WEICHEN STANDORTFAKTOREN SPRECHEN FÜR DEN WIRTSCHAFTSRAUM ANSBACH

Westmittelfranken ist ein guter Standort für Unternehmen und eine lebenswerte Region. Doch manchmal stoßen Unternehmen an ihre Grenzen, gerade wenn es darum geht, Fachkräfte in die Region zu holen. Oft scheint der Charme der Region erst auf den zweiten Blick zu wirken. Dabei ist das westliche Mittelfranken Heimat zahlreicher weltweit agierender Unternehmen, viele Fach- und Führungskräfte lieben die Region und leben bewusst hier. Das Business Lounge Magazin hat mit einigen von ihnen gesprochen.

Harald Wohlfahrt, Käthe Wohlfahrt RothenburgEs steht für Weihnachten, für Tradition und für Romantik: Das Familienunternehmen “Käthe Wohlfahrt“, das im Jahr 1977 in Rothenburg ob der Tauber seine Heimat gefunden hat. Die eigentliche Firmengeschichte begann im Jahr 1964. Wilhelm und Käthe Wohlfahrt hatten durch persönliche Erlebnisse die Geschäftsidee, Weihnachtsartikel auch nach den Feiertagen zu verkaufen. In Herrenberg bei Stuttgart eröffnete das Ehepaar die ersten eigenen Ausstellungsräume, 1977 folgte der Umzug nach Rothenburg in die Herrngasse. “Ein Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens”, so Geschäftsführer Harald Wohlfahrt heute. “Im Nachhinein war Rothenburg in den siebziger Jahren wegen der US-Kasernen in der Umgebung ein beliebter Standort. Ausflüge mit der ganzen Familie waren sehr beliebt und genau darin steckte ein unglaubliches Potenzial”. Das sei auch mit einer der Gründe gewesen, das mittelalterliche Städtchen als Firmenstandort zu wählen. Als einige US-Stützpunkte ab den 90er Jahren geschlossen wurden, gingen die Umsätze zurück. Doch Touristen aus anderen Ländern kamen und kommen nach Rothenburg und Käthe Wohlfahrt lebt nach wie vor von Touristen und Tages-Ausflüglern. “Abgesehen von den guten Standortfaktoren hat Rothenburg viel zu bieten”, meint Wohlfahrt, “kurze Wege, eine hohe Lebensqualität, eine ländlich geprägte Region und viele Freizeitangebote.”

Es gibt Mittelfranken, es gibt Westmittelfranken, es gibt das südliche Westmittelfranken. Man braucht schon ein Navigationsgerät, um da rein und wieder rauszukommen

(Mitte) Prof. Dr. Gerhard Mammen, Hochschule AnsbachEiner, der Westmittelfranken sehr schätzt, ist Professor Dr. Gerhard Mammen, Präsident der Hochschule Ansbach. Er kam 1996 wegen des Jobs nach Ansbach, die Professorenstelle an einer neuen Hochschule reizte ihn. “Ich kann Professor in Ansbach werden”, hat er damals zu seiner Frau gesagt. “Dann hat sie gesagt: Wie ist das da? Weiß ich nicht, ich war noch nie da. Und dann haben wir den alten Schulatlas aufgeschlagen, den Diercke in Leinen gebunden, und ich habe gesagt, schau mal Ansbach liegt zwischen Nürnberg und Würzburg, da kann man nicht viel falsch machen. Das war die Entscheidung.” Als gebürtiger Hamburger sieht Gerhard Mammen alles ein bisschen weiträumiger. Gerade das Kleinteilige macht für ihn den Charme der Region aus. “Es gibt Mittelfranken, es gibt Westmittelfranken, es gibt das südliche Westmittelfranken. Man braucht schon ein Navigationsgerät, um da rein und wieder rauszukommen”, meint Mammen schmunzelnd.
Ansbach findet der Hochschulpräsident schön, weil es eine Stadt mittlerer Größe ist, die alles bietet, was man im täglichen Leben benötigt. “Wenn man das Besondere sucht, dann muss man nicht weit fahren und man ist in Nürnberg, in München oder sogar in der Toskana”, schwärmt der Hochschulpräsident. Viele interessante Highlights gebe es in der Region, die Bachwoche Ansbach zum Beispiel. Auch den Johannitag in Triesdorf und das Weidefestival lässt sich Mammen nicht entgehen: “Die werden zwar nicht so wahrgenommen, aber sie sind sehr beeindruckend.” Seine Kinder kommen regelmäßig, wenn “Rock imPark” oder das Bardentreffen in Nürnberg über die Bühne gehen. “Es ist eine Metropolregion”, sagt Gerhard Mammen. “Nürnberg, München, Prag. Alles ist in greifbarer Nähe.” Seit Oktober 2003 ist Gerhard Mammen Präsident der Hochschule Ansbach. Von 1984 bis 1996 war er als Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Osnabrück – Emsland verantwortlich für den Bereich der Beruflichen Bildung.

(Mitte) Siegfried Müller, PROF-IS DinkelsbühlSiegfried Müller ist Geschäftsführer der PROF-IS GmbH in Dinkelsbühl, die sich auf Automatisierungstechnik spezialisiert hat. PROF-IS wurde 1995 gegründet und stellt Industriesoftware für Unternehmen her. Dinkelsbühl ist für ihn ein optimaler Standort. “Wir haben ein bisschen Industrie, technische Industrie und natürlich eine sehr gute Infrastruktur. Man hat in jede Großstadt knapp eine Stunde Autofahrt”, sagt Müller. “Ich glaube, besser kann man es sich nicht raussuchen.” Trotzdem hat Müller im Moment Schwierigkeiten, technische Fachkräfte zu finden. Ob das am Standort Dinkelsbühl liegt, kann er nicht sagen. “Man muss große Anstrengungen unternehmen, um die paar, die man bekommt, erst mal für sich zu gewinnen und dann zu halten”, stellt Müller fest.

Frank Gutzeit, Hydrometer AnsbachMit rund 450 Mitarbeitern steht in Ansbach das Hauptwerk von HYDROMETER, einem Unternehmen für intelligente Messtechnik. Für Geschäftsführer Frank Gutzeit ist Ansbach ideal. “Wenn wir über Standorte sprechen, dann reden wir über unser Unternehmen. Es geht darum, attraktiv für Fachkräfte und Experten zu sein. In dem Markt, in dem HYDROMETER unterwegs ist, haben wir in Ansbach sehr gute Faktoren. Aber es stößt immer wieder an Grenzen, wenn es darum geht, Leute von außen nach Ansbach anzuziehen.” Er habe das Gefühl, dass Ansbach und die Region das eigene Licht unter den Scheffel stellen. Beim Unternehmen spreche man von mittelständischen Strukturen, und das passe auch zu Ansbach. “Es ist familiärer, es ist persönlicher”, so Gutzeit weiter, “das sind Kriterien, die Ansbach gegenüber Nürnberg stärker herausarbeiten kann.”