Hinter dem Nutzen der sozialen Medien stehen für die Unternehmer in der Region oft noch viele Fragezeichen: Seit knapp fünf Jahren hat der Begriff „Social Media“ einen eigenen Eintrag im Duden mit folgender Deutung: „Gesamtheit der digitalen Technologien und Medien wie Weblogs, Wikis, soziale Netzwerke und ähnliches, über die Nutzer miteinander kommunizieren und Inhalte austauschen können.“ Die sozialen Medien wachsen ungebremst weiter. Im August 2017 gab es mehr als drei Milliarden Social-Media-Nutzer quer über den Globus verteilt, das sind 40 Prozent der Weltbevölkerung. 70 Millionen Unternehmen sind mit einem eigenen Auftritt auf Facebook vertreten. Was bringt ihnen Social Media und welche Kanäle nutzen sie neben Facebook noch? Das Business Lounge Magazin hat sich bei Entscheidern aus der Region umgehört.

Ganz oben bei den wichtigsten Plattformen steht Facebook mit zwei Milliarden Nutzern, YouTube kommt auf rund eineinhalb Milliarden aktive Nutzer im Monat, gefolgt von den beiden ebenfalls zum Hause Zuckerberg gehörenden Messengern WhatsApp und Facebook Messenger mit über einer Milliarde Nutzer. Das Business Lounge Magazin hat zunächst zwei Experten befragt, die sich von Berufswegen mit Social Media befassen:

Achim Wagner, Inhaber Conamed

Achim Wagner, Inhaber Conamed

Conamed, Ansbach
Das Online-Praxismarketing hat die klassische Branchenbuchwerbung längst überholt. Immer mehr Patienten suchen ihren Arzt heute über Google und vertrauen zunehmend den Bewertungen medizinischer Portale. Conamed in Ansbach ist eine inhabergeführte Agentur für Praxismarketing, die Zahnärzte und Fachmediziner aus ganz Deutschland in erster Linie online aber auch zunehmend offline betreut. Zu den Kernkompetenzen des Unternehmens mit zehn Mitarbeitern zählen die Konzeption und Positionierung, um nachhaltig Patienten zu gewinnen, Praxishomepages, Monitoring von Arztbewertungen, Suchmaschinenoptimierung und Suchmaschinenmarketing sowie individuelles Content-Marketing und Pressearbeit. „Soziale Medien sind heute ein ganz normaler Teil der Kommunikation geworden, wie beispielsweise die ganz klassische Homepage“, stellt Inhaber Achim Wagner fest, der Conamed im Jahr 2009 gegründet hat. „Die Webseite ist für Unternehmen die digitale Präsenz, doch jeder Bereich für sich gehört zu einem guten Kommunikationsmix dazu“, erklärt der Experte. Das Ziel des bereitgestellten Inhalts (Content) ist. informieren, beraten und unterhalten, und zwar möglichst einfach. Ein weiterer wichtiger Punkt für Arztpraxen sei, sich mit den Bewertungen der Patienten auf den unterschiedlichsten Portalen auseinanderzusetzen, sagt der Inhaber. Die Agentur coacht Mitarbeiter von Kunden, damit diese selbst lernen, wie Inhalte in den verschiedensten Kanälen gepflegt werden. „Über eine Agentur alleine funktioniert das nicht“, erläutert Achim Wagner. Auch habe sich das Verhalten der Nutzer geändert, die Inhalte überwiegend über das Smartphone abzurufen, so Wagner. Deswegen dürfe kein Nutzer ausgeschlossen werden. Mitarbeiter, wie beispielsweise Sprechstundenhilfen, suchen häufig bei Facebook nach einem neuen Job, Fachkräfte eher über das soziale Netzwerk XING, stellt der Social-Media-Experte fest. Deswegen sei es wichtig, möglichst breit aufgestellt zu sein, so Achim Wagner abschließend.

Mario Köhler, Content-Spezialist TRIALTA GmbH

Mario Köhler, Content-Spezialist TRIALTA GmbH

TRIALTA GmbH in Feucht
Einer der Pioniere im Bereich Inbound- und Content-Marketing ist Adriano Tagliarina. Er hat vor knapp sieben Jahren den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und sein Unternehmen TRIALTA GmbH in Feucht bei Nürnberg gegründet – eine der ersten Inbound-Marketing Agenturen in Deutschland. Die Inbound-Marketingmethode basiert darauf, dass ein Unternehmen vom Kunden gefunden wird. Die TRIALTA GmbH hilft B2B-Unternehmen bei der Leadgenerierung. Unter Lead versteht man einen qualifizierten Interessenten, der sich bereits für ein Unternehmen oder Produkt interessiert. Dieser ist durchaus bereit, dem suchenden (werbenden) freiwillig seine Kontaktdaten zu überlassen. Daher ist hier die Wahrscheinlichkeit höher, dass eine neue Kundenbeziehung entsteht. Dazu wird die Website auf Leadgenerierung getrimmt und Content (qualitativ hochwertiger Inhalt, keine Werbung) werden Interessenten auf die eigene Homepage gelenkt, um deren Leads zu generieren. Mario Köhler arbeitet als Content-Spezialist in dem Unternehmen mit insgesamt neun Mitarbeitern. Zu den fünf wichtigsten sozialen Medien zählen laut Köhler Facebook, Twitter, Google+, LinkedIn und XING. Die beiden letztgenannten sind Business Netzwerke. „Unternehmen sollten diese fünf Kanäle bespielen, ansonsten verzichten sie auf Reichweite“, sagt Köhler. Für emotionalere Inhalte können Betriebe zusätzlich auch Instagram oder Pinterest nutzen. „Aber: Wenn Unternehmen soziale Netzwerke nutzen, dann muss es kontinuierlich sein. Und auf Kommentare sollte schnellstmöglich reagiert werden.“ Sein Tipp: Entweder ein Mitarbeiter aus dem Unternehmen selbst kümmert sich um die Pflege der Inhalte, oder eine Agentur übernimmt das. „Soziale Netzwerke sind relevante Medien, die in der Gesellschaft genutzt werden, und sie sind wichtige Mittel als transformierende Instrumente für die Unternehmens-PR“, erklärt der Experte. Zwei weitere Vorteile sind, dass Unternehmen selbst Einfluss auf die Inhalte hätten, so Köhler. Anders als beispielsweise bei Pressemitteilungen, die Journalisten umschreiben oder kürzen. Und die sozialen Netzwerke sind gratis. „Wer keine polarisierenden Inhalte postet, der braucht auch keine Angst vor einem Shitstorm und Hemmungen gegenüber der Nutzung sozialer Netzwerke haben“, erläutert Mario Köhler. „Soziale Medien sind eine Riesenchance, ohne groß Geld aufwenden zu müssen.“ Außerdem empfiehlt der Content-Spezialist Unternehmen, einen eigenen Blog zu betreiben. Ein Blog ist ebenfalls ein soziales Netzwerk und außerdem ein Effizienz-Treiber, um die sozialen Kanäle zu bedienen. „So steigt die Reichweite und Unternehmen können mit einem selbst kontrollierten Medien-Mix auf Ihren Content aufmerksam machen“, stellt Köhler abschließend fest.

Die anwendenden Unternehmer haben ganz unterschiedliche Sichtweisen über das Thema Social Media – sicherlich auch geprägt von der Kunden-klientel. Entsprechend wird auch der Nutzen sehr unterschiedlich beurteilt: Kundengewinnung, Imageaufbau, aber auch das Finden von neuen Mitarbeitern. Gerades letzteres steht nicht immer im Fokus.

Jörg Schlag, Geschäftsführer Arvena Hotels

Jörg Schlag, Geschäftsführer Arvena Hotels

Arvena Hotels, Nürnberg
Die Arvena Hotels sind eine privat geführte Hotelgruppe mit fünf Hotels in Franken: in Bayreuth, Bad Windsheim, in Rothenburg ob der Tauber sowie zwei in Nürnberg, wo sich auch der Firmensitz befindet. Rund 190.000 Gäste entscheiden sich pro Jahr für eines der Hotels, unter anderem prominente Übernachtungsgäste wie der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog, Königin Silvia aus Schweden oder Gerd Fröbe. In Sachen soziale Netzwerke ist das Hotel-Unternehmen vor allem auf Facebook unterwegs. „Wir posten aber nur Themen, die für unsere Gäste relevant sind und die sich auch für uns rentieren“, sagt Geschäftsführer Jörg Schlag, der 2003 in das Unternehmen eingestiegen ist. Während auf der Messe Nürnberg Veranstaltungen laufen, ist Arvena deutlich häufiger auf Facebook aktiv, wie Jörg Schlag feststellt. Ansonsten nutze das Unternehmen das Netzwerk, um für kulinarische Spezialitäten zu werben oder auch nach geeigneten Mitarbeitern zu suchen. Auch sei es für das Unternehmen wichtig, auf Hotelbewertungen im Internet zu reagieren. „Wenn wir auf Einträge von Nutzern stoßen, die wir auch offen kommentieren dürfen, dann ist es wichtig, dass wir darauf auch im Netz eine Antwort geben“, erläutert der Geschäftsführer.

Göß Genießer-Gärten, Wernsbach
„Diesen Schuh ziehen wir uns nicht an“, stellt Bernd Göß, Inhaber der Göß Genießer-Gärten in Wernsbach, einem Ortsteil von Weihenzell im Landkreis Ansbach fest. Gemeint sind die sozialen Medien, mit denen der Landschaftsgärtner-Meister so gar nichts am Hut hat. Auch privat nicht. „Wenn ich mir anschaue, was da teilweise für ein Schwachsinn geschrieben wird, dann muss ich feststellen, dass wir das nicht brauchen“, sagt der Inhaber weiter. „Unsere Kunden nutzen diese Medien nicht.“ Denn das Unternehmen mit fünf Mitarbeitern sei vor allem im Bereich Sanierung unterwegs, und die Kunden seien in diesem Bereich 50 Jahre und älter, so Göß. Also nicht die potentielle Zielgruppe von Facebook. Wichtig sei für den Inhaber lediglich eine gut gepflegte Homepage, die eine Übersicht über die angebotenen Leistungen gebe, so der Landschaftsgärtner-Meister weiter. Der Betrieb in Wernsbach plant und gestaltet individuell Gärten, Wege oder Terrassen, kümmert sich um Sichtschutz und übernimmt auch die Pflege von Gärten: gewerblich und privat.

Matthias Bäuerle, Geschäftsführer Creadis GmbH

Matthias Bäuerle, Geschäftsführer Creadis GmbH

Creadis GmbH, Ansbach
Michael Gadeberg hat im Jahr 1997 in Dänemark den Dansk IngeniørService A/S gegründet. Ziel war es, neue Lösungen für technische Herausforderungen zu finden. Seit 2011 hat das Unternehmen im Ansbacher Technologiepark eine Niederlassung. Matthias Bäuerle baute sie auf und leitet die Creadis GmbH als Geschäftsführer. Seit 2016 ist das Unternehmen auch  international in Polen, der Ukraine und in den USA vertreten. Hinter DIS und Creadis stehen heute länderübergreifend über 500 kompetente Mitarbeiter – Maschinenbau-, Software-, Hardware-, Elektronik-, Automatisierungs- und Elektroingenieure, Industriedesigner und Unternehmensberater. Auf den sozialen Netzwerken XING, LinkedIn und dem kostenlosen Online-Dienst Instagram ist Creadis präsent. So postete das Unternehmen beispielsweise im September 2017 von seiner Teilnahme an einem Drachenbootrennen samt Wikingerhelmen in Dortmund. Zum einen diente die Veranstaltung für die Beschäftigten als teambildende Maßnahme, zum anderen aber auch dazu, nach außen als interessanter Arbeitgeber aufzutreten. Denn für Creadis ist es nicht leicht, an geeignetes Personal zu kommen. „Generell ist es schwierig, Elektroingenieure zu bekommen“, sagt Bäuerle. „Der Markt ist leergefegt. Auch bei Menschen aus der IT-Branche ist es schwer. Im Bereich des Maschinenbaus sieht es etwas besser aus.“ Facebook bedeute zu viel Aufwand, so Matthias Bäuerle zu den weiteren Kanälen in den sozialen Netzwerken. Auch einen Blog auf der Homepage betreibt Creadis. Darin geht es um ganz allgemeine Themen, wie beispielsweise um Industrie 4.0.

Dieter Harth, Mitglied der Geschäftsleitung Möbel-Bohn

Dieter Harth, Mitglied der Geschäftsleitung Möbel-Bohn

Möbel Bohn, Crailsheim
Was 1908 in einer kleinen Möbelschreinerei in Ilshofen (Landkreis Schwäbisch Hall) begonnen hat, entwickelte sich in den vergangenen 110 Jahren zu einem der führenden Möbelhäuser in der Region Hohenlohe-Franken. Die Rede ist von Möbel Bohn in Crailsheim. Die Kunden kommen aus Schwäbisch Hall, Aalen, Feuchtwangen, Würzburg, Bad Mergentheim, Heilbronn und Nürnberg. In dem baden-württembergischen Unternehmen kümmert sich ein Mitarbeiter um die Pflege des Auftritts beim bekanntesten sozialen Netzwerk Facebook. Über 1.000 Nutzern gefällt das, unschwer zu erkennen am nach oben gereckten Daumen. „Es geht uns aber nicht um Werbung, sondern wir wollen einfach nur dabei sein“, erklärt Dieter Harth, Mitglied der Geschäftsleitung. „Natürlich erscheinen Beiträge, wie beispielsweise über Mitarbeiterjubiläen oder Weihnachtsfeiern, nur, wenn die Beschäftigten auch ihre Zustimmung gegeben haben.“ So bekommen Nutzer einen Eindruck davon, wie die Azubi-Weihnachtsfeier auf der Bowling-Bahn lief. Facebook sei einfach ein Instrument, um sich sozial auszutauschen, aber nicht um neue Kunden für Möbel-Bohn zu gewinnen, so Harth weiter. „Unsere Mitarbeiter nutzen Facebook eher, um sich mit anderen Beschäftigten des Unternehmens zu verbinden“, stellt das Mitglied der Geschäftsleitung fest.

Alexander Hanel, Geschäftsführer Stein Hanel

Alexander Hanel, Geschäftsführer Stein Hanel

Stein Hanel, Leutershausen
Alexander Hanel ist gelernter Steinmetz und führt den Familienbetrieb Stein Hanel im Landkreis Ansbach zusammen mit Harald Hanel als Geschäftsführer. Beim Thema Grabsteine geht das Unternehmen ganz ungewöhnliche Wege: Im Februar 2013 brachte es ein eigenes Modelabel für Grabmale heraus: Rokstyle. Die Steine kombinieren Bronze, Edelstahl, Swarovski-Kristalle und Glas. Im Moment überlegt Alexander Hanel, ob es sinnvoll ist, einen Instagram-Account zu eröffnen. „Beim Thema soziale Medien sind wir ansonsten sehr zurückhaltend“, sagt er. „Einen Facebook-Account beispielsweise zu pflegen und auch zu reinigen, ist durchaus eine Herausforderung. Aber wir überprüfen das Thema immer wieder mal, ob es sinnvoll ist oder nicht.“ Mehr Wert legt der Unternehmer auf eine ständig gut gepflegte und aktualisierte Homepage, die von einer Agentur betreut wird. „Das ist die eigentliche Visitenkarte eines Unternehmens“, stellt Hanel fest. Der 40-jährige geht auch als Landtagskandidat für die FDP im Stimmkreis Ansbach-Nord bei der bayerischen Landtagswahl ins Rennen. Aber was für ihn als Unternehmer in Sachen soziale Medien gilt, handhabt er auch als Politiker ähnlich. „Ich bin eher vom alten Schlag und lieber direkt unter den Menschen“, sagt Hanel. „Und ob es den Wähler wirklich so stark interessiert, was ich twittere oder auf Facebook stelle, das ist mit vielen Fragezeichen versehen.“ Aber vor der Landtagswahl sei es wichtig, den Medienmix möglichst breit zu streuen.

Florian Wittmann, Geschäftsstellenleiter von Poll Immobilien

Florian Wittmann, Geschäftsstellenleiter von Poll Immobilien

Von Poll Immobilien, Ansbach
Von Poll Immobilien, die seit knapp vier Jahren in Ansbach vertreten sind, haben sich zum Ziel gesetzt, Objekte in besten Wohnlagen zu vermitteln: Privat-eigentum genauso wie Gewerbe- oder Investment-immobilien. Mit mehr als 300 Shops in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Spanien gehört Von Poll Immobilen mit Hauptsitz in Frankfurt am Main zu den größten Maklerunternehmen Europas. In Ansbach vertritt Florian Wittmann mit seinem Team aus vier Mitarbeitern das Unternehmen. Soziale Medien nutzt das westmittelfränkische Unternehmen, um beispielsweise neue Immobilien vorzustellen oder auch um Personal zu finden. „Wir suchen händeringend im Moment nach neuen Mitarbeitern“, stellt Florian Wittmann fest. Soziale Medien spielten eine immer größere Rolle, so der Immobilien-Fachmann. Auf Facebook zeigt sich das Unternehmen aber auch von seiner sympathischen Seite, beispielsweise mit Posts passend zur Jahreszeit wie „Frohe Weihnachten“ mit Kerzenbildern und ein „gutes, neues Jahr“ mit Sektgläsern als Bild für die freundlichen Wünsche inklusive.

Esther Jaksch, Leiterin Unternehmenskommunikation Diakonie Neuendettelsau

Esther Jaksch, Leiterin Unternehmenskommunikation Diakonie Neuendettelsau

Diakonie Neuendettelsau
Mit über 200 Einrichtungen und rund 7.200 Mitarbeitenden ist die Diakonie Neuendettelsau eines der größten diakonischen Unternehmen in Deutschland und der größte Arbeitgeber in der Region. Es bietet Angebote und Dienstleistungen im Gesundheits- und Sozialbereich. Hauptsitz ist Neuendettelsau mit Standorten in ganz Bayern und im europäischen Ausland. Zum Unternehmen gehören fast 40 Schulen und Ausbildungseinrichtungen, vier Kliniken sowie ambulante und stationäre Angebote für Senioren und Menschen mit Behinderung. Als Diakonissenanstalt Neuendettelsau 1854 von Pfarrer Wilhelm Löhe gegründet, prägte sie das diakonische Leben in Deutschland entscheidend mit. Seit vergangenen Mai ist das Sozialunternehmen bei Facebook. „Viele Menschen sagen, dass das soziale Netzwerk auf dem absteigenden Ast ist“, sagt Esther Jaksch, Leiterin des Referats Unternehmenskommunikation. „Aber 30 Millionen Nutzer alleine in Deutschland sprechen eine andere Sprache.“ Die Statistik für die Diakonie Neuendettelsau weist aus: Vor allem Frauen zwischen 24 und 44 Jahren folgen dem Sozialunternehmen. Eine interessante Zielgruppe, da die Diakonie vor allem in diesem Bereich auf der Suche nach Fachkräften ist. Ein Mitarbeiter pflegt Inhalte auf Facebook ein, unterstützt von Beschäftigten der unterschiedlichsten Referate. „Wir schauen gezielt nach, welche Themen unsere Nutzer interessieren, beispielsweise Demenz oder Biografiearbeit“, erklärt Jaksch. „Dazu überlegen wir uns dann Stories, die wir zweimal pro Woche platzieren. Es steckt sehr viel Arbeitsaufwand dahinter.“ Und auch den Sinn und Zweck von anderen Plattformen prüft das Sozialunternehmen ständig. Als Beispiel nennt Jaksch Instagram. Immerhin nutzen in Deutschland 15 Millionen Menschen jeden Monat das Netzwerk.

Susanne Oppel, Geschäftsführerin Autohaus Oppel GmbH

Susanne Oppel, Geschäftsführerin Autohaus Oppel GmbH

Autohaus Oppel GmbH, Ansbach
Die Autohaus Oppel GmbH mit Hauptsitz in Ansbach-Elpersdorf hat in den kommenden ein bis zwei Jahren geplant, noch tiefer in das Thema Facebook einzusteigen, wie Geschäftsführerin Susanne Oppel ankündigt. Das Unternehmen ist schon in dem sozialen Netzwerk aktiv, beispielsweise mit Nachrichten, Mercedes-Themen oder eigenen Projekten. Aber der Ausbau ist fest eingeplant, bisher betreut ein Auszubildender die Facebook-Seite. „Soziale Medien werden immer wichtiger“, davon ist die Geschäftsführerin überzeugt. Das sei sehr wichtig, um das Image des Unternehmens nach außen zu tragen und in Kontakt zu treten, so Susanne Oppel: „Uns geht es in den sozialen Medien nicht ums Verkaufen, sondern darum, dass wir mit dem Unternehmen im Gespräch bleiben.“ Das Autohaus Oppel ist autorisierter Partner von Mercedes-Benz für PKW und Nutzfahrzeuge. Insgesamt beschäftigt die Firmengruppe Oppel mit ihren Autohäusern, der Spedition und der Nutzfahrzeugvermietung an den mittelfränkischen Standorten in Ansbach, Feuchtwangen, Heilsbronn sowie in den sächsischen Orten Aue, Ellefeld und Plauen rund 400 Mitarbeiter.

Frank Hähnlein, Geschäftsführer Ernst Hähnlein Bau GmbH

Frank Hähnlein, Geschäftsführer Ernst Hähnlein Bau GmbH

Ernst Hähnlein Bau GmbH, Feuchtwangen
„Wir haben uns ganz bewusst dazu entschieden, soziale Medien nicht für unser Unternehmen zu nutzen“, stellt Frank Hähnlein, Geschäftsführer der Ernst Hähnlein Bau GmbH in Feuchtwangen, fest. „Einen Facebook-Account zu pflegen, ist für uns viel zu viel Aufwand und hat wenig Nutzen.“ Auch privat ist Frank Hähnlein nicht bei Facebook unterwegs, sondern nur seine Ehefrau. Für ihn sei eine gut gepflegte Internetseite mit aktuellen Nachrichten über das Unternehmen viel wichtiger, so der Geschäftsführer. In unregelmäßigen Abständen postet der westmittelfränkische Betrieb auf der Homepage unter anderem über aktuelle Bauprojekte oder auch Privates, wie ein Foto der Mitarbeiter in Tracht, um auf den Besuch der Mooswiese in Feuchtwangen einzustimmen. „Es geht darum, unsere Leistungen im Internet als Visitenkarte zu zeigen, und das erreichen wir mit unserer Homepage“, stellt Hähnlein fest. Das Thema habe er auch mit dem Unternehmen besprochen, das den Online-Auftritt betreut. „Es gibt keinen Mehrwert für uns“, ist er sich sicher. Gegründet wurde das Familienunternehmen 1930 in Schopfloch von Ernst Hähnlein. Heute wird es mit rund 200 Mitarbeitern in dritter Generation geführt.

Friederike Baß, Geschäftsführerin Baß Antriebstechnik GmbH

Friederike Baß, Geschäftsführerin Baß Antriebstechnik GmbH

Baß Antriebstechnik GmbH, Gebsattel
Friederike Baß ist Geschäftsführerin der Baß Antriebstechnik GmbH in Gebsattel bei Rothenburg im Landkreis Ansbach. Das Unternehmen nutzt Facebook „rudimentär“, wie sie selbst beschreibt, eine Werbeagentur betreut die Seite. „Das Problem
ist, das wir zwar Menschen erreichen, die bei uns arbeiten wollen, aber was den Verkauf betrifft, nutzen uns die sozialen Medien nichts“, stellt die Geschäftsführerin fest. Die im Jahr 1948 gegründete Baß Antriebstechnik GmbH ist ein Entwicklungs- und Fertigungsbetrieb für technische Sonderlösungen, insbesondere im Bereich Getriebe, die sich unter anderem in Schweißrobotern, Verpackungsmaschinen, Aufzügen, Förderanlagen oder Transporteinrichtungen befinden. An drei Standorten produziert der Betrieb mit über 185 Mitarbeitern und einem umfangreichen Maschinenpark Antriebstechnikprodukte für den allgemeinen Maschinenbau. Auf soziale Medien verzichtet das Unternehmen weitestgehend, da bestimmte Veranstaltungen wichtiger seien, um an geeigneten Fachkräfte zu kommen, so Friederike Baß. So war das Unternehmen beispielsweise im Herbst im vergangenen Jahr auf den „Karrieretagen“ des Unternehmensnetzwerks Fachkräfte im Ansbacher Brückencenter mit einem Stand dabei. „Uns ist es wichtig, dass wir uns in der Region zeigen“, so die Geschäftsführerin. Und das hat scheinbar gut geklappt: Für das Ausbildungsjahr sind alle Stellen schon vergeben. Und das ganz ohne Facebook.

Stefan Denzlinger, Geschäftsführer S-Kultur

Stefan Denzlinger, Geschäftsführer S-Kultur

S-Kultur, Ansbach und Gunzenhausen
Stefan Denzlinger ist Inhaber der Haushaltswaren-Fachgeschäfte S-Kultur in Ansbach und in Gunzenhausen (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen) mit rund 30 Mitarbeitern. Der Diplom-Betriebswirt möchte mit seinen Läden Einkaufserlebnisse schaffen. In beiden Geschäften gibt es eine Kaffeebar. Außerdem bietet das Unternehmen an den beiden Standorten regelmäßige Koch- und Grillkurse an. Über 200 Veranstaltungen gab es im vergangenen Jahr. Außerdem betreibt Denzlinger einen Grill-Shop im Internet. Im November 2017 gab es den wichtigsten Preis der Branche für den Unternehmer: Denzlinger und sein Team haben den sogenannten Passion-Star in der Kategorie „Leidenschaft mit Querdenken, Schatzsuche und Erfindungsgeist“ gewonnen. Was das Thema soziale Medien betrifft, fährt der Inhaber zweispurig, wie er verrät. Jeder der Geschäftszweige hat seinen eigenen Kanal bei Facebook und Instagram. Mitarbeiter machen bei einem Kochkurs beispielsweise ein Bild, schreiben einen kurzen Text dazu und laden ihn dann zusammen mit einem Foto hoch. „Es ist eine sehr zeitgemäße Art, relevante Inhalte den Kunden näherzubringen“, davon ist Denzlinger überzeugt. „Ohne Social Media geht es fast nicht mehr.“ Seinen Mitarbeitern lässt er dabei freie Hand. Jeder wisse, auf was es letztendlich bei den Posts in den sozialen Medien ankomme. Auch für Produkte wirbt das Unternehmen über Facebook und Instagram. Aber: „Preise setzen wir nicht dazu, die guckt sich kein Mensch an“, stellt der Inhaber fest. Eine professionelle Agentur postet Texte über die S-Kultur auf ihrer Homepage und den dazugehörenden sozialen Netzwerken.

Nespoli Deutschland GmbH, Dinkelsbühl
Die Nespoli Deutschland GmbH mit Hauptsitz in Dinkelsbühl gehört zu einem der größten Arbeitgeber in der Pinsel- und Bürstenbranche in Mittelfranken. Mit der Übernahme der ehemaligen Pinselfabrik Schabert im Jahr 2001 hat für die Nespoli Group das Abenteuer Expansion in Deutschland begonnen. Dort entstanden die Zentrale der deutschen Niederlassung und ein modernes Logistikzentrum. Vier Jahre später kam die Firma Friess in Wieseth dazu. Seitdem erweiterte das Unternehmen ständig die Fertigung seiner Produkte. Das weltweit tätige Unternehmen mit über 2.100 Mitarbeitern und Sitz im italienischen Cantù, einer kleinen Stadt in der Nähe des Comer Sees, ist ein führender Designer und Hersteller von Malerwerkzeugen, Metallwerkzeugen, Sprühlacken und Haushaltwaren. „Das Thema soziale Medien betrachtet die Unternehmensgruppe gesamtheitlich“, erklärt Geschäftsführer Bert Bergfeld, der seit September 2017 bei Nespoli ist. Das Unternehmen plant in diesem Jahr eigene Kanäle bei Facebook, Twitter, YouTube. Dabei baue die Unternehmensgruppe auf ein europäisches Konzept, das alle Länder, in denen Nespoli vertreten ist, einheitlich vereint, so Bergfeld weiter. „Diese Kanäle sollen ausschließlich zur Kundensprache und schnellen Informationsvorbereitungen unserer innovativen Produkte und zukünftigen Neuentwicklungen genutzt werden. Getreu dem Motto: Facebook bringt die Informationen zum Kunden, die Website stellt nur bereit“, so der Geschäftsführer weiter.

Bernd Habelt, Geschäftsführer Schmidt Sport und Lifestyle

Bernd Habelt, Geschäftsführer Schmidt Sport und Lifestyle

Schmidt Sport und Lifestyle in Dinkelsbühl
Schmidt Sport und Lifestyle in Dinkelsbühl nutzt regelmäßig Facebook. Seit knapp sechs Jahren hat das Bekleidungsgeschäft auf über 1.200 Quadratmetern in der Nähe der Altstadt einen Account bei dem sozialen Netzwerk, wie Geschäftsführer Bernd Habelt sagt: „Es ist ein weiteres Marketing-Instrument, das wir nutzen“, stellt er fest. Ein Mitarbeiter dreht unter anderem auch Videos und stellt sie auf Facebook, beispielsweise über neue Produkte oder die neue Kinderabteilung. Mindestens einmal in der Woche kommt ein neuer Beitrag dazu. Konstanz sei wichtig, so Habelt. Außerdem wirbt das Bekleidungsgeschäft auf dem sozialen Netzwerk für eigene Aktionen, stellt neue Kollektionen vor, sucht nach neuen Mitarbeitern oder wünscht seinen Nutzern „ein friedvolles und fröhliches Weihnachtsfest“. Eventuell ist noch geplant, einen Kanal bei Instagram zu bespielen, wie Bernd Habelt ankündigt. Schon seit dem Jahr 1891 ist die Unternehmerfamilie Habelt mittlerweile in fünfter Generation in Dinkelsbühl wirtschaftlich aktiv – Wilhelm Schmidt legte mit der Produktion von Korbwaren den Grundstein. Heute hat das Unternehmen, das in der Immobilien- und Bekleidungsbranche erfolgreich tätig ist, über 110 Mitarbeiter.

Andrea Thoma, Geschäftsführerin Elektronic Thoma GmbH

Andrea Thoma, Geschäftsführerin Elektronic Thoma GmbH

Elektronic Thoma GmbH, Dentlein am Forst
Andrea Thoma ist Geschäftsführerin der Elektronic Thoma GmbH in Dentlein am Forst im Landkreis Ansbach. Schon als Kind schraubte sie lieber an Fernsehgeräten herum, anstatt mit Puppen zu spielen. Zusammen mit ihrem Bruder Stefan und Vater Friedrich führt sie das Geschäft, das sich auf zwei Bereiche spezialisiert hat. Das Unternehmen entwickelt und fertigt Medizin-, Mess- und Regeltechnik, zum Beispiel kompakte Steuerungen für die Strahlenmedizin. Es baut Serien von einem Stück bis zu 100 Geräten, in Großserien können es aber auch 10.000 Stück sein. Außerdem installiert der Betrieb unter anderem Brandmelder und Elektronikanlagen für Gewerbe- und Privatkunden. Das Thema soziale Medien lässt das Familienunternehmen mit rund 70 Mitarbeitern ganz bewusst links liegen. „Es ist einfach zu viel Aufwand, und es bringt uns nichts“, sagt Andrea Thoma. Sie selbst sei privat viel in der Vereinsarbeit tätig und wisse, wie viel Gefahrenpotenzial in sozialen Medien stecke. „Wir müssten einen eigenen Mitarbeiter abstellen, der sich um die Inhalte und vor allem um die Kommentare kümmert. Das lohnt sich für uns nicht“, stellt die Geschäftsführerin fest. „Ich kann es verstehen, wenn unbekannte Unternehmen die Kanäle nutzen, um Werbung für sich zu machen. Aber wir haben lange überlegt und entschieden: Uns reicht eine gut gepflegte Homepage. Darauf finden unsere Kunden alle notwendigen Informationen, die unser Unternehmen betreffen.“ Für junge Menschen aber seien sozialen Medien super, um sich untereinander auszutauschen, stellt Thoma abschließend fest.

Herbert Hintz (li.) und Richard Gaugler, Geschäftsführer ESW Luft- und Klimatechnik GmbH

Herbert Hintz (li.) und Richard Gaugler, Geschäftsführer ESW Luft- und Klimatechnik GmbH

ESW Luft- und Klimatechnik GmbH, Ellwangen
Herbert Hintz und Richard Gaugler haben sich im Jahr 1996 mit der ESW Luft- und Klimatechnik GmbH in Ellwangen als Geschäftsführer selbstständig gemacht. Das Unternehmen konzentriert und beschränkt sich ganz bewusst auf seine Kernkompetenzen, nämlich ausschließlich auf Lüftungs- und Klimatechnik – von der Beratung über die Planung und Montage bis zur Wartung. „Wir haben keine Privatkunden, denen wir etwas über soziale Medien mitteilen könnten. Unsere Auftraggeber kommen aus dem Gewerbe, der Industrie oder dem öffentlichen Sektor“, sagt Herbert Hintz. „Deswegen steht der Aufwand für uns in keinem Verhältnis. Wir pflegen mit unseren Kunden eher ein internes Netzwerk.“ Außerdem habe das Unternehmen auch gar kein Interesse daran, sich für Privatkunden breiter aufzustellen, erläutert der Geschäftsführer. „Jedes Stück, das bei uns gefertigt wird, ist ein Unikat. Wir verkaufen nicht irgendwelche Ventilatoren“, so Hintz. Deswegen seien Facebook, Twitter und Co. auch kein Thema für den schwäbischen Betrieb, denn Werbung für Privatkunden ist sinnlos, so der Geschäftsführer weiter. Eine gut gepflegte Homepage reiche aus, und viele Aufträge bekäme das Unternehmen über Mund-zu-Mund-Propaganda, stellt Hintz abschließend fest.

Bildnachweis: BLMAG, S-Kultur, Ernst Hähnlein Bau GmbH,  Diakonie Neuendettelsau, TRIALTA GmbH, von Poll Immobilien und Fancycrave