Bio, Regional oder Fix & Fertig – für die Region sind die unterschiedlichen Lebensmittelproduzenten ein wichtiger Wirtschaftszweig*. Wenn der Hunger kommt, greifen viele Menschen zu Fertigprodukten, weil es bequem ist und schnell geht. Andere Verbraucher entscheiden sich dagegen bewusst für Produkte aus der Region oder für Biolebensmittel. Die Bandbreite an Lebensmittelherstellern in der Region ist riesig. „Es gibt eine ganze Reihe von großen und kleinen Unternehmen; zusammen sind es rund 40 mit etwa 2.000 Arbeitsplätzen bei uns im Landkreis Ansbach“, erklärt Thomas Merkel von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Ansbach. „Und natürlich gibt es noch einen ganz wichtigen Bereich hier im ländlich geprägten Raum: die landwirtschaftlichen Betriebe.“

 Rudolf Fähnlein, Direktor des bayerischen Bauernverbands

Rudolf Fähnlein, Direktor des bayerischen Bauernverbands

Die Landwirtschaft
Rund 10.000 landwirtschaftliche Betriebe gibt es in Mittelfranken, rund 360 von ihnen sind Biobauern. Ganz klar die Nummer eins sind die Milchviehbetriebe, stellt Rudolf Fähnlein, Direktor des Bayerischen Bauernverbands, fest. Rund 30 Prozent des Geschäfts der Landwirte läuft über die Milch. 165.000 Milchkühe stehen in den Ställen der mittelfränkischen Landwirte. Den Schwerpunkt bilden die Landkreise Ansbach, Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Weißenburg-Gunzenhausen. „Jeder zweite Liter Milch geht raus aus Bayern“, sagt Fähnlein. Und die Steigerungsraten in der Produktion sind hoch: Ernährte ein Landwirt in den 1950er Jahren zehn Menschen, sind es heute 155 Menschen. Früher war die Dichte an Molkereien in der Region groß – heute gibt es nur noch die beiden Genossenschaftsmolkereien in Windsbach (Landkreis Ansbach) und Langenfeld (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim). Viel Milch aus der Region fließt an die großen Hersteller wie beispielsweise Danone im unterfränkischen Ochsenfurt, Zott in Mertingen im Landkreis Donau-Ries oder an die Privatmolkerei Bechtel im oberpfälzischen Schwarzenberg, die unter anderem hinter „Grünländer Naturkäse“ und der Lidl-Marke „Milbona“ steht. Wer als Verbraucher zu Milchprodukten aus Bayern greifen möchte, dem empfiehlt Rudolf Fähnlein auf die Kontrollnummer auf der Verpackung zu achten, denn wenn „DE-BY“ darauf steht, dann kommt die Milch aus dem Freistaat. Zum Glück für die Milchviehbauern hat sich der Markt in China erholt, so der Direktor des Bauernverbands, doch die Sanktionen gegen Russland sind nach wie vor im Geldbeutel der Landwirte spürbar. „Immer wenn die Politik eingreift, wird es schwierig“, stellt Rudolf Fähnlein fest.

In der Region kommen nach der Milch Schweinefleisch, Weizen und Braugerste. Rund 2.180 Betriebe halten in Mittelfranken Schweine – zusammen macht das 255.000 Mastschweine. „Die Zahlen sind rückläufig, was vor allem an der Wirtschaftlichkeit liegt“, erklärt Fähnlein. Die Tiere finden unter anderem im Schlachthof in Crailsheim, der zur Vion-Gruppe gehört, ihr Ende. Die Schlachttiere kommen aus einem Umkreis von maximal 200 Kilometern – von Crailsheim gehen die Waren vorrangig zu Partnern aus Süddeutschland. Zu den Kunden gehören neben bekannten Handelsketten auch größere mittelständische Metzgereien. In Schwäbisch Hall hat die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft im Jahr 2001 den ehemals kommunalen Schlachthof erworben, um eine drohende Schließung abzuwenden. Heute schlachten dort die Mitgliedsbetriebe der Erzeugergemeinschaft selbst und einige Haller Metzger. Und auch in den Schlachthof nach Fürth-Burgfarrnbach liefern die Landwirte aus der Region ihre Tiere. Daneben gibt es noch einige kleinere Metzgereischlachthöfe, so Fähnlein. Der Schwerpunkt des Gemüseanbaus in der Region liegt im sogenannten Knoblauchsland, einem der größten zusammenhängenden Anbaugebiete Deutschlands rund um die Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen. 1989 schlossen sich 44 Bauern aus dem Knoblauchsland zum „Gemüseerzeugerring Knoblauchsland e.V.“ zusammen. Zwiebelzuchten haben diesem Landstrich zu seinem Namen verholfen. Heute bewirtschaften rund 130 Betriebe 2.100 Hektar landwirtschaftliche Nutzflächen, die Gemüsefläche beträgt 1.500 Hektar. 100 Hektar sind unter Glas. Angebaut werden vor allem die klassischen Gewächshauskulturen wie Gurken, Tomaten, Paprika, Salate, Feldsalat und Kräuter. „Der Verbraucher möchte immer öfter das ganze Jahr über regionale Produkte kaufen. Deshalb nimmt bei uns auch die Zahl der Gewächshäuser zu“, sagt Rudolf Fähnlein. So hat ein Gemüsebauer aus dem Knoblauchsland in Dinkelsbühl (Landkreis Ansbach) ein hochmodernes Gewächshaus für Tomaten errichtet und beliefert damit die Supermärkte der Region. Was für das Städtedreieck der Metropolregion der Gemüseanbau ist, bedeuten für den Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim der Meerrettich und die Zuckerrübe. Rund hundert Krenbauern pflanzen die scharfe schwarze Wurzel an. In Unter- und Mittelfranken rund um das Werk von Südzucker in Ochsenfurt bauen im Bereich des „Rings Fränkischer Zuckerrübenbauer“ rund 3.500 Landwirte auf 25.000 Hektar die Zuckerrübe an.

Geschäftsführer Otto Kupfer

Geschäftsführer Otto Kupfer

Hans Kupfer & Sohn GmbH & Co. KG, Heilsbronn
Im Jahr 1906 beginnt die Geschichte eines Traditionsunternehmens in Heilsbronn: Hans Kupfer gründet eine Metzgerei. Nach dem Zweiten Weltkrieg nimmt das Unternehmen seinen Betrieb wieder auf. Im Jahr 1981 steigt sein Enkel Otto Kupfer in die Geschäftsleitung ein und erobert den spanischen sowie französischen Markt. Heute hat die Hans Kupfer & Sohn GmbH & Co. KG knapp 1.000 Mitarbeiter, am Stammsitz in Heilsbronn sind es rund 700 Beschäftigte. Sie fertigen jedes Jahr 28.000 Tonnen Wurstwaren wie Leberkäse, Bierschinken, Geflügelaufschnitte, Wiener oder Minisalamis. Die Produkte finden sich im deutschen Lebensmitteleinzelhandel und in 25 Ländern in Europa. Ab August wird sich Salami aus dem fränkischen Unternehmen auf den Weg in den US-amerikanischen Markt machen. Am Produktionsstandort in Nürnberg stellt das Unternehmen mit rund 250 Mitarbeitern pro Tag rund eine Million Original Nürnberger Rostbratwürste unter geschützter Herkunft her: Das Rezept dafür stammt aus dem 15. Jahrhundert. Das Geheimnis hütet der Betrieb – nur soviel: Schweinefleisch wird mit Majoran gewürzt und dann in einen Schafssaitling gefüllt. Bei der Frage nach seiner Lieblingswurst zeigt sich Unternehmer Otto Kupfer ganz diplomatisch: „Eigentlich schmeckt mir die Nürnberger Bratwurst besser, aber die Ansbacher ist natürlich auch ganz hervorragend.“ Im thüringischen Günthersleben fertigen knapp 60 Mitarbeiter unter geschützter Herkunftsbezeichnung unter anderem Thüringer Rostbratwürste, Rotwürste und Leberwürste. Alle drei Produktionsstätten erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 180 Millionen Euro im Jahr.

Produkte von Kupfer

Produkte von Kupfer

Im Jahr 2006 kommt der Schock für das Unternehmen – kurz vor den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum zerstört ein Großbrand die Produktionsstätte in Heilsbronn fast vollständig. Trotz verschiedener Subventionsangebote aus anderen Regionen entscheidet sich Otto Kupfer, „in der Heimat“ zu bleiben. Innerhalb nur eines Jahres gelingt es, den Standort nach modernsten Maßstäben wieder aufzubauen. Für das Engagement gibt es im Jahr 2008 den Jobstar der Metropolregion Nürnberg. Aktuell arbeitet die vierte Generation der Familie Kupfer an der Eröffnung eines neuen Metzgermarktes in Heilsbronn – Jakob Kupfer, der Urenkel von Hans, tritt damit in die Fußstapfen seiner Väter. Das Unternehmen setzt auch auf aktuelle Trends: Seit eineinhalb Jahren gibt es Produkte für Vegetarier – rund ein Prozent des Umsatzes macht das Unternehmen damit. Und auch beim Thema Bio ist der Betrieb aktiv und bezieht Fleisch von Landwirten aus Schwäbisch Hall. „Mit unserem Veggie- und Bio-Sortiment runden wir unser traditionelles Wurstangebot ab. Auch weiterhin werden wir den Markt beobachten und für uns entscheiden, welche Trends zu uns passen“, so Otto Kupfer.

Triesdorfer Molkerei
Eine Kooperation mit der Molkerei in Crailsheim hat es möglich gemacht: Zwei Käsesorten entstehen rein aus Triesdorfer Milch nur einen Steinwurf vom Milchgewinnungszentrum entfernt: Es sind der Camembert „Triesdorfer Silber“ und der „Wilde Markgraf“. Mittelfrankens Bezirkstagspräsident Richard Bartsch freut sich über den Schulterschluss von Milchgewinnungszentrum und dem Milchwirtschaftlichen Verein Franken (MVF) als Betreiber der Triesdorfer Molkerei. „Es ist schwierig, eine konstante Menge und Qualität an Milch zu liefern, die wirtschaftlich vertretbar ist“, räumt er ein. Dank einer separaten Kammer im Tanksammelwagen kann die Triesdorfer Milch über die kurze Strecke befördert werden, ohne sich mit anderer Milch zu vermischen. „Wenn man von Regionalität spricht, meint man normalerweise 50 Kilometer, hier sind es 100 Meter“, freut sich Molkereimeister Rudolf Raith. Die Geschichte einer Triesdorfer Molkerei ist historisch verbrieft. Schon 1737 wurden zwei Meierei-Scheunen errichtet, 1931 entstand die Molkerei schließlich an ihrem heutigen Standort.

Martin Bihlmaier, Geschäftsführer Bürger

Martin Bihlmaier, Geschäftsführer Bürger

Bürger GmbH & Co. KG, Crailsheim
Seit über 80 Jahren produziert das 1934 von Richard Bürger gegründete Unternehmen regionale und überregionale Teigwarenspezialitäten. Zunächst als Feinkosthersteller von Mayonnaise und Salaten, entwickelte sich das Unternehmen stetig weiter. Im Jahr 1960 übernahm Erwin Bihlmaier, der 1947 ins Unternehmen eingetreten war, die Geschäfte. 1963 begann er mit der händischen Produktion von Maultaschen. Schon ein Jahr später erfand sein Sohn Richard Bihlmaier eine Maschine zur industriellen Herstellung. Auch die Entwicklung der Schupfnudelmaschine in den 1970er Jahren sorgte für Aufsehen. Immerhin rettete sie die schwäbische Spezialität vor dem Aussterben. Mittlerweile führt Geschäftsführer Martin Bihlmaier Bürger in der dritten Generation. Heute produzieren rund 800 Mitarbeiter an den beiden baden-württembergischen Standorten Ditzingen und Crailsheim 330 Tonnen Lebensmittel pro Tag. Etwa zweieinhalb Millionen Maultaschen verlassen täglich die Produktionsstätten des Maultaschenmarktführers.

Die Maultaschenproduktion bei Bürger in Crailsheim

Die Maultaschenproduktion bei Bürger in Crailsheim

Zu den fast 200 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2016 trug aber auch das starke Geschäft mit frischen Spätzle, Schupfnudeln und Co bei. Neben den Frischeprodukten für den Lebensmitteleinzelhandel stellt das Unternehmen tiefgekühlte Ware für Großverbraucher her. Für diese gibt es nicht nur schwäbische Teigwaren, sondern auch italienische Pasta und internationale Fertiggerichte. Als einer der größten baden-württembergischen Lebensmittelhersteller fühlt sich Bürger stark mit der Region verbunden. Das äußert sich beispielsweise in besonderen Produktentwicklungen wie der „Kloster-Maultasche“. Mit Bier der Alpirsbacher Klosterbrauerei verfeinert, geht diese zu den Ursprüngen zurück, welche der Legende nach im Kloster Maulbronn erfunden wurde. Die Mönche erhielten während der Fastenzeit ein großes Stück Fleisch, das sie genießen wollten ohne Anstoß zu erregen. Deshalb hackten sie es klein und mischten es mit Kräutern und Spinat um den Eindruck eines fleischlosen Mahles zu erwecken. Als zusätzliche Tarnung versteckten die Geistlichen die Mischung in einem Nudelteig. So entstand die legendäre Maultasche, im Ländle auch „Herrgottsbscheißerle“ genannt.

Krautfeld bei Merkendorf

Krautfeld bei Merkendorf

Merkendorfer Kraut GmbH & Co. KG
Die Geschichte des Krautanbaus rund um Merkendorf im Landkreis Ansbach geht weit zurück: Im 18. Jahrhundert erlebte die Stadt eine Blütezeit. Die Krautbauern belieferten die Märkte in Gunzenhausen, Spalt, Schwabach, Ellingen und Weißenburg. Sie waren Hoflieferanten im Markgrafenschloss in Ansbach und in der Sommerresidenz in Triesdorf – ja, auch die feine Gesellschaft liebte den Geschmack des säuerlichen Gemüses – bis nach Baden-Württemberg fuhren die Krautwagen im Jahr 1790. Und auch heute lebt die Tradition in der Stadt mit knapp 3.000 Einwohnern.

Jürgen Reuter, Geschäftsführer Merkendorfer Kraut GmbH & Co. KG

Jürgen Reuter, Geschäftsführer Merkendorfer Kraut GmbH & Co. KG

„Für rund 80 Prozent aller Tätigkeiten vom Pflanzen bis zum fertigen Sauerkraut ist bei uns Handarbeit erforderlich“, sagt Jürgen Reuter, Geschäftsführer der Merkendorfer Kraut GmbH & Co. KG. Er ist sich sicher: Erst die Nähe zum Produkt schafft die besondere Qualität. Rund 60.000 Krautköpfe verarbeitet der Familienbetrieb jedes Jahr zu den beiden markengeschützten Qualitätsprodukten „Merkendorfer Sauerkraut“ und „Merkendorfer Kraut“. Auf einer Fläche von zwei Hektar baut das Familienunternehmen mit Sitz in Heglau – einem Ortsteil von Merkendorf – Weißkraut, Blaukraut, Wirsing und Spitzkraut an. Als Krautbauern hat die Familie Reuter über 30 Jahre Erfahrung im Geschäft. In den Anfangsjahren lieferten sie ihr frisch geerntetes Gemüse an eine Sauerkrautfabrik, die ihren Betrieb jedoch im Jahr 1989 einstellte. Doch die Reuters steckten den Kopf nicht in den Sand und starteten selbst mit der Vermarktung ihrer Produkte. Das Merkendorfer Kraut findet sich über Regional-agenturen in vielen Supermärkten, Bauernläden und in den Regalen von bäuerlichen Direktvermarktern und Interessengemeinschaften wie beispielsweise Regionalbuffet, Original Regional oder Hofschmecker. „Die komplette Wertschöpfung bleibt in der Region“, stellt Jürgen Reuter fest. Auf seinen festen Verkaufstouren beliefert der Geschäftsführer viele Gaststätten, Restaurants und Metzgereien im Umkreis von rund 60 Kilometern. Die Herstellung des Sauerkrauts ist ganz traditionell: Das Einsäuern findet nur unter Zugabe von Salz statt. Dazu wird im Gärbehälter das Weißkraut mit Salz vermischt und gepresst. Unter Luftabschluss kommt der Gärungsprozess in Gang, der je nach Temperatur und gewünschtem Säuregrad ein bis drei Wochen dauert. Wenn das Sauerkraut fertig vergoren ist, wird es frisch aus dem Fass abgepackt. Die ersten Sorten erntet das Familienunternehmen bereits Mitte Juni. Ab Oktober wird das Sauerkraut auch in Dosen abgefüllt. „Das ist aber nur ein Nebenprodukt für uns – Hauptprodukt ist das Sauerkraut aus dem Fass“, erklärt Jürgen Reuter. Im Betrieb in Heglau können Privatpersonen im Hofladen einkaufen; wer außerhalb der Öffnungszeiten kommt, für den gibt es einen 24-Stunden-Verkaufsautomaten mit Produkten aus der Region.

24-Stunden Tankstelle: Das Milchhäuschen bei Leutershausen

24-Stunden Tankstelle: Das Milchhäuschen bei Leutershausen

Der Milchautomat von Wiedersbach
Mitten auf dem Land, in Wiedersbach mit rund 400 Einwohnern, einem Ortsteil von Leutershausen im Landkreis Ansbach, steht das Milchhäuschen. Direkt vor dem Bauernhof der Familie Hörber können Verbraucher rund um die Uhr Milch melkfrisch aus dem Automaten zapfen. Die Idee zum Milchhäuschen hatten die beiden Brüder Johannes und Markus Hörber, die auf dem elterlichen Hof mitarbeiten. Auf einer Landwirtschaftsmesse vor ein paar Jahren entdeckte Markus einen Milchautomaten, doch das Thema war für ihn zunächst erledigt. Erst vor knapp zwei Jahren wurde es konkreter. „Die Lage unseres Betriebs ist sehr gut. Der Verkehr von Leutershausen nach Ansbach geht nur wenige Meter an unserem Hof vorbei. Und regionale Produkte sind im Moment voll im Trend“, erzählt er. 6.500 Euro hat der Milchautomat gekostet. Für einen Euro gibt es eine Glasflasche, für einen weiteren Euro den Liter frische Milch; die Gefäße zum Abfüllen kann der Kunde aber auch selbst mitbringen. Im Inneren des Häuschens steht der Automat mit zwei 50 Liter-Edelstahlkannen voll Milch. Das Gerät arbeitet wie ein Kühlschrank, die Temperatur beträgt konstant vier Grad. „Außerdem sorgen Rührwerke, dass die Milch jede halbe Stunde umgerührt wird“, erklärt Johannes Hörber. „Dadurch kann sich der Rahm nicht absetzen und die Milch bleibt immer schön gleichmäßig.“ Insgesamt 55 Kühe sorgen im Stall der Familie Hörber an einem Melkroboter bis zu viermal am Tag für Nachschub im Milchhäuschen.

Günter Gabsteiger, Vorstand des Fischerzeugerrings Mittelfranken

Günter Gabsteiger, Vorstand des Fischerzeugerrings Mittelfranken

Fischerzeugerring Mittelfranken
Egal ob blau oder knusprig gebacken: „Der Karpfen ist das gesündeste Lebensmittel der Welt“, davon ist Günter Gabsteiger aus Cadolzburg im Landkreis Fürth überzeugt. Der ehemalige Landtagsabgeordnete ist Vorstand des Fischerzeugerrings Mittelfranken, der rund 450 Mitglieder hat. Die Teichwirtschaft in der Region blickt auf eine jahrhundertealte Tradition zurück: Den Karpfen brachten die Römer nach Deutschland. Schon im Mittelalter entstanden in Franken die ersten Teiche. Ein Kilo Karpfen kostete damals so viel wie sechs Kilogramm Rindfleisch oder 24 Maß Bier. Neben der Bratwurst gilt das Schuppentier als das Gericht der Franken. Bis der Speisefisch auf dem Teller landet, dauert es drei Jahre, dann bringt er am Ende zwischen 1.200 und 1.500 Gramm auf die Waage. OLYMPUS DIGITAL CAMERAKarpfenfans müssen sich noch ein wenig gedulden, denn die Saison startet in den Monaten mit „R“, sie geht also von September bis April. Rund 20.000 Teiche gibt es in Mittelfranken, die von knapp 3.500 Teichwirten bewirtschaftet werden, meist im Nebenerwerb. Die Karpfenzucht sieht Günter Gabsteiger in der Krise, da immer mehr ältere Teichwirte aufhören und nur wenige der nachfolgenden Generation übernehmen möchten. „Es ist viel Arbeit, aber wir müssen die Karpfenzucht in Nordbayern erhalten. Es ist eine unglaubliche Vielfalt, die sich da in den Teichen bewegt“, so Gabsteiger weiter. Der Aischgrund ist eines der bekanntesten Teichgebiete Deutschlands, rund 1.200 Teichwirte kümmern sich hier um 7.185 Teiche. Der hochrückige Spiegelkarpfen ist der wichtigste Fisch und trägt seit 2012 ein EU-Gütesiegel. Aus dem Aischgrund stammt etwa ein Drittel der bayerischen Produktion. Die Karpfen sind eine wichtige und identitätsstiftende Spezialität des Landkreises. 1,2 Millionen Karpfenportionen lassen sich die Verbraucher pro Jahr schmecken – ein Motor für die Region.

Eckhard Voth, Geschäftsführer Hans Henglein & Sohn GmbH

Eckhard Voth, Geschäftsführer Hans Henglein & Sohn GmbH

Hans Henglein & Sohn GmbH, Wassermungenau
Mehr als 100 Produkte hat das Unternehmen aus dem Landkreis Roth im Sortiment. Die frischen Lebensmittel des fränkischen Herstellers sind in fast allen Kühlregalen der Supermärkte quer durch Deutschland zu finden. Besonders beliebt bei den Verbrauchern: Eierspätzle, Schupfnudeln, Pizza- und Blätterteige, wie Geschäftsführer Eckhard Voth feststellt. Daneben fertigt der Betrieb unter anderem Knödel- und Kloßteig, Bandnudeln, Gnocchi oder Reibekuchenteig. Hinter allen Produkten steckt die Idee des Selbstgemachten – ohne Aufwand. „Wir wollen den Verbraucher unterstützen und ihm den eher unangenehmen, langweiligen Teil abnehmen, damit er sich ums Kreative kümmern kann”, so Voth weiter. „Unsere Produkte werden von Menschen gekauft, die gute Küche lieben, aber keine Zeit haben, jeden einzelnen notwendigen Kochschritt zu Hause in Eigenregie zu machen.“ Aber nicht nur den deutschen Verbrauchern schmecken die Frischeprodukte: Sie gehen mit den eigenen leuchtend-gelben Kühltransportern auch unter anderem nach Polen, Spanien, Österreich, Portugal, Großbritannien und Tschechien. Die Exportquote liegt bei knapp 45 Prozent. Am Produktionsstandort in Wassermungenau beschäftigt Henglein knapp 400 Mitarbeiter, in Klosterhäseler in Sachsen-Anhalt sind es rund 660 Arbeitnehmer. Henglein KlossteigMehr als 100.000 Tonnen Kartoffeln und 60.000 Tonnen Mehl verarbeitet das Unternehmen Jahr für Jahr – daraus entstehen rund 250 Millionen Packungen. „Wir legen sehr großen Wert darauf, dass die Kartoffeln aus deutschem Anbau stammen“, erklärt Eckhard Voth. Doch eine Sorge treibt ihn um, wie viele andere Unternehmer in der Region auch: Es fehlen Fachkräfte und geeignete Bewerber für die Ausbildungsplätze. Und der Bedarf steigt, denn im Moment tut sich etwas am Standort im fränkischen Wassermungenau: Ein neues Werk entsteht, das Anfang des kommenden Jahres fertig sein soll. Eckhard Voth geht davon aus, dass dadurch 200 neue Arbeitsplätze entstehen. Johann Henglein gründete das Unternehmen 1936 als Fuhrunternehmen für Kartoffeln und Vieh. Ein Meilenstein war das Jahr 1986. Hans Hengleins Sohn Norbert hatte die Idee, den Kloßteig seiner Mama Maria mit dem Bau der ersten Anlage im großen Stil auf den Markt zu bringen. Kurz darauf verließen die ersten Beutel mit Kloßteig das Werk. Heute führen Norbert Henglein und Eckhard Voth das Unternehmen.

Imker Harald Beck

Imker Harald Beck

Imker Harald Beck, Wernsbach
Im Garten von Harald Beck in Wernsbach, einem Ortsteil von Weihenzell (Landkreis Ansbach), fliegen in einen Nebenschuppen tausende Bienen jeden Tag ein und aus. „Sind Sie allergisch auf Bienenstiche?“, fragt er gleich zu Beginn des Interviews die Business Lounge Magazin-Redakteurin. „Das werden wir rausfinden“, so die scherzhafte Antwort. Sieben richtige Völker hat der Hobbyimker. In den anderen Bienenstöcken, übereinander gestapelte Holzkästen mit einer entsprechenden Öffnung zum Ein- und Ausfliegen, sind schwächere Völker oder Ableger. Auf bis zu 60.000 Bienen schafft es ein starkes Volk. „Wenn alles stimmt, dann legt die Königin am Tag bis zu 2.000 Eier“, erklärt Harald Beck. „Eine Biene braucht ungefähr drei Wochen, bis sie schlüpft und hat eine Lebensdauer von 30 bis 35 Tagen.“ Seit elf Jahren kümmert sich der Systemadministrator um seine Bienen. Zuvor hat er einen Lehrgang in Triesdorf besucht. 28.500 Imker gibt es im bayerischen Landesverband, weniger als ein Prozent arbeiten im Vollerwerb. Auch Enkel Stefan ist schon Feuer und Flamme. „Bienen stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Sie sind nicht so lästig wie Wespen, die auf alles drauf gehen“, stellt Harald Beck fest. Rund 100 Kilogramm Honig bringen seine Bienenstöcke ein. Ein Problem für den Hobbyimker ist die Varroa-Milbe, die Bienenvölker in den Wintermonaten zum Schwinden bringt. Der kleine Bösewicht ernährt sich vom Blut der Bienen. „Die alten Imker haben diese Probleme noch nicht so gehabt. Die haben zum Teil dreimal im Jahr Honig schleudern können“, so Beck. Er selbst schleudert nur noch einmal pro Jahr. Ende Juni ist es so weit. „Der Honig sollte trocken sein und nicht zu viel Wasser haben, sonst fängt er das Gären an. Optimal ist es, wenn der Honig nur noch 17 Prozent Feuchtigkeit hat.“

Dr. Knut Köhler, Werkleiter Jack Link´s LSI-Germany GmbH, Ansbach

Dr. Knut Köhler, Werkleiter Jack Link´s LSI-Germany GmbH, Ansbach

Jack Link´s LSI-Germany GmbH, Ansbach
Sie ist wohl die bekannteste Wurst Deutschlands und seit dem Jahr 1972 aus den Regalen der Lebensmittelmärkte und Tankstellen nicht mehr wegzudenken: BiFi – die herzhafte Salami mit Biss. Hergestellt wird die Kultwurst im Jack Link‘s Werk in Ansbach, das auf eine lange Tradition im Metzgerhandwerk zurückblickt: Emil Schafft produzierte ab 1868 seine Wurstwaren in Nürnberg, 1937 verlagerte er das Unternehmen in die mittelfränkische Bezirkshauptstadt. Seit drei Jahren ist Jack Link’s Eigentümer der Marke und des Werkes. Jack Link’s ist ein 1886 gegründetes Familienunternehmen mit weltweit 4.500 Mitarbeitern. Das US-Unternehmen mit Hauptsitz in Minong im Bundesstaat Wisconsin gehört mit seinem Beef Jerky, einem Trockenfleisch aus dünngeschnittenem Rindfleisch, zu den weltweit größten Herstellern bei Fleischsnacks. Mit der EMEA-Zentrale in Amsterdam und dem Werk in Ansbach arbeiten zusammen rund 500 Beschäftigte für das Unternehmen. Die Integration des Werkes in eine neue Organisation und Kultur war eine anspruchsvolle Aufgabe, die sehr gut gemeistert wurde. Im Werk in Franken entstehen alle Produkte der Marken BiFi und Peperami. „Der Vorteil unserer Produkte: Sie passen überall rein und bleiben immer frisch, anders als beispielsweise ein Schokoriegel, der im Sommer gerne mal schmilzt“, erklärt Werkleiter Dr. Knut Köhler schmunzelnd. Unvergessen und wohl nicht ganz unschuldig am Erfolg ist der Werbeslogan der 1980er Jahre: „Die BiFi muss mit.“ Zwischen 170 und 250 Tonnen Fertigprodukte stellt der Betrieb pro Woche her, wie Knut Köhler verrät. „Wir investieren kräftig und erneuern unsere Technologien ständig“, sagt der Werkleiter. Das Ziel sind noch mehr Qualität und höhere Kapazitäten. Und auch sonst tut sich viel: So wird beispielsweise durch die Inbetriebnahme eines zweiten Blockheizkraftwerkes der Strombedarf am Standort zu 70 Prozent selbst gedeckt. Insgesamt ist das Werk in vielen Technologie-Feldern sehr gut aufgestellt. „Da wir uns intensiv mit diesen Technologien im Werk beschäftigen, spricht das auch junge Menschen und Bewerber an, die in diesen Bereichen arbeiten wollen“, so Köhler. „Der Aha-Effekt kommt bei den Bewerbern immer, wenn wir durch das Werk laufen. Denn da steckt mehr drin als so mancher vermutet.“ Für die Zukunft will das Unternehmen noch weiter wachsen und sein Produktportfolio mit neuen Produktideen erweitern. Neueste Produkte sind beispielsweise die BiFi-Turkey aus 100 Prozent Geflügelfleisch oder die BiFi-Beef aus 100 Prozent Rindfleisch.

Norbert Metz vom Landschaftspflegeverband Mittelfranken

Norbert Metz vom Landschaftspflegeverband Mittelfranken

Manufaktur Gelbe Bürg, Dittenheim
Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen prägen mächtige Walnussbäume die Landschaft. Alleine in Sammenheim, ein Ortsteil von Dittenheim, kommen auf 330 Einwohner 220 Nussbäume. Seit rund vier Jahren kümmert sich die Genossenschaft „Manufaktur Gelbe Bürg“, die 130 Mitglieder hat, um die Verwertung und Vermarktung der Walnüsse in der Region. Die Idee für die Genossenschaft kam vom Landschaftspflegeverband Mittelfranken. „Es gibt in diesem Landstrich eine Sortenvielfalt, die man sich nicht vorstellen kann“, erklärt Norbert Metz vom Landschaftspflegeverband Mittelfranken. In den Gemeinden Dittenheim, Markt Berolzheim, Meinheim, Gnotzheim und Heidenheim stehen rund 3.000 Walnussbäume. Kernprodukt der Gelben Bürg ist das Öl, aber es gibt auch Walnüsse in Tüten und Fruchtaufstriche mit zerkleinerten Nüssen. Wie es der Name verrät, kauft die Genossenschaft die Nüsse aus den Gemeinden rund um die „Gelbe Bürg“ beziehungsweise den „Gelben Berg“, einem Ausläufer der Fränkischen Alb. Die Nüsse werden geprüft, von Hand ausgelesen und fertig getrocknet.

Walnussöl der Manufaktur Gelbe Bürg

Walnussöl der Manufaktur Gelbe Bürg

Dann fahren Mitarbeiter der Genossenschaft in die Nähe von Marburg, wo sie in einer angemieteten Presse – eine eigene wäre zu teuer – die Nüsse knacken und das Öl herstellen. „Nur die besten Nüsse gehen in die Presse. Wir pressen kalt. So bringen wir das Öl unverfälscht ins Glas“, sagt Metz. Das Erzeugnis wird nicht gefiltert, sondern ruht zwei Monate. In dieser Zeit setzt sich das Sediment ab. Anschließend füllt das Nussteam das Öl in Flaschen ab. Diese Handarbeit hat aber auch ihren Preis: 100 Milliliter Walnussöl der Manufaktur Gelbe Bürg kosten rund 6,50 Euro. „Der Preis ist dem mittelfränkischen Verbraucher nur schwer zu vermitteln“, erklärt Metz. Aber ein Sternekoch in Nördlingen nutzt das Sediment für seine feinen Gerichte. „Die Rückmeldungen sind wirklich herausragend“, stellt Norbert Metz fest. Zu erhalten sind die Produkte im regionalen Einzelhandel, auf Märkten und über den Online-Shop eines Partners.

* Dies ist eine beispielhafte Auswahl, die dem Business Lounge Magazin von Unternehmern der Region genannt und empfohlen wurden. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit