Die Dinzl-IT aus Schillingsfürst ist aus der Dinzl-Unternehmensgruppe entstanden. 2007 wurde dieser Bereich outgesourct und Markus Dinzl hat das Unternehmen kontinuierlich aufgebaut. Als IT-Dienstleister für Firmen von einem bis zu fünfhundert EDV-Arbeitsplätzen hat er seine Marktposition erfolgreich ausgebaut. Zu seinen bekanntesten Kunden gehören beispielsweise das Schuh-Label Gabor oder die Modemarke Esprit. Die strategische Ausrichtung liegt bei der konzeptionellen Begleitung von Unternehmen, öffentlichen Ausschreibungen an Schulen und der Zukunftstechnik WLAN, bei der es vor allem um Sicherheitsfragen geht. In den letzten Jahren hatte das Unternehmen Wachstumsraten von 20 bis 30 Prozent. Heute ist Markus Dinzl ein gefragter Experte, wenn es beispielsweise um Datensicherheit und Complience geht, ein Thema, das auch viele kleinere und mittlere Unternehmen betrifft, das aber zu oft noch stiefmütterlich behandelt wird.

MAGAZIN: „Wie ist es zur Gründung von Dinzl IT gekommen?“

Markus Dinzl: „Ganz klassisch habe ich Betriebswirtschaft studiert und war im elterlichen Betrieb tätig. Eher zufällig bin ich dann in der IT gelandet, mit dem ersten Großrechner 1998 in der Dinzl-Gruppe habe ich mich in das Thema eingearbeitet und Schulungen besucht. Nach und nach habe ich gemerkt, dass ich über die IT wesentlich mehr Einflussmöglichkeiten auf die Betriebsorganisation habe als in anderen Abteilungen. Schließlich ging in der Dinzl-Gruppe kein Prozess mehr ohne die IT, das ist immerhin ein Netzwerk mit 300 Arbeitsplätzen. Zuerst hatte ich diese zusammen mit zwei externen Dienstleistern allein betreut, 2007 habe ich mich dann selbstständig gemacht, zuerst im Bereich IT-Dienstleistungen. Inzwischen sind Consulting, Projektbetreuungen, Hard- und Software hinzugekommen. 2008 kam der erste Auszubildende, heute haben wir sieben Mitarbeiter. Die Dinzl-Gruppe ist zwar noch ein großer Kunde, macht aber heute nur noch 20 bis 30 Prozent vom Umsatz aus.“

MAGAZIN: „Was machen Sie bei diesen jährlichen Zuwachsraten besser als die Konkurrenz?“

Markus Dinzl: „Es gibt in unserer Branche drei Größenordnungen: Das sind riesige Firmen wie die Telekom, die Großkunden betreuen, dann gibt es viele kleine sogenannten ‚Hüttenschrauber‘, und wir haben uns im professionellen Bereich dazwischen positioniert. Unsere Zielgruppe geht vom kleinen Handwerker bis zum Großunternehmer. Unser kleinster Kunde hat zwei Rechner, der größte Kunde 500 im Netzwerk. Für diese Zielgruppe rechnet sich eine eigene IT-Abteilung nicht oder sie benötigt gezielt Unterstützung zu einzelnen Prozessen oder Spezialprojekten.“

MAGAZIN: „Wo benötigt der typische Mittelständler in der Region Unterstützung bei IT-Dienstleistungen?“

Markus Dinzl: „Ein Beispiel aus der Praxis ist, dass der Chef einen günstigen Computer in einem Elektro-großmarkt gekauft hat, die Mitarbeiter diesen aber nicht im Firmennetzwerk integrieren können. Am Ende stellt sich heraus, dass er das falsche Betriebssystem erwischt hat und dieser Einkauf viel teurer war. Unsere Dienstleistung ist die individuelle Beratung, denn jeder Unternehmer benötig etwas anderes, speziell auf sein Unternehmen abgestimmt. Das fängt beim Kauf an, wo wir bei Hard- und Software beraten. Wird beispielsweise an einem Switch gespart, und diese relativ einfache Netzwerkkomponente fällt aus, kann im Hintergrund die komplette EDV der ganzen Firma ausfallen. Die einzelnen Komponenten haben viele gar nicht im Blick. Hinzu kommt, dass wir auch eine effektive Hintergrundstruktur aufbauen. Diese sieht zwar keiner, vereinfacht aber unseren Wartungsaufwand, und gerade das rechnet sich langfristig, denn hier kommen schnell viele Stunden zusammen. Das meiste können wir über Fernwartung erledigen, zusätzlich versuchen wir Prozesse mit Sensoren zu automatisieren und Endgeräte zu überwachen. Mit dieser Struktur können wir dann auch eine Wartungsflatrate anbieten, und der Kunde hat seine Kosten im Griff. Wir unterstützen aber auch zum Beispiel bei der Einführung von SAP, bieten Schulungen für Mitarbeiter an oder führen bei Firmenzukäufen die IT-Landschaften zusammen. Gerade beim Thema WLAN bieten wir einige Speziallösungen, hier geht es um Sicherheit. Momentan begleiten wir fast wöchent-
lich Schulen in Baden-Württemberg auf dem Weg in Richtung multimediale Klassen. Mit Hilfe von Funkausleuchtungen können wir eine zielgerichtete Konzeption erstellen. Eine Grundschule haben wir komplett mit WLAN ausgestattet, da die im Unterricht für integrative Klassen viel mit dem iPad arbeiten. Also auch der öffentliche Bereich, gerade bei Schulen, hat sich gut entwickelt. Wir können uns auf die Fahne schreiben: Aus Schillingsfürst kommt das Konzept für die Vorzeigeschule Bayerns.“

„Ich bin ein aktiver Netzwerker, das ist extrem wichtig für mich.

MAGAZIN: „Wie schnell müssen Sie bei Problemen beim Kunden reagieren?“

Markus Dinzl: „Wir haben einen fleischverarbeitenden Betrieb als Kunden, die Firma Haspel. Mit denen haben wir eine Stundenvereinbarung, das heißt, wenn dort ein IT-Problem auftritt, sind wir spätestens innerhalb einer Stunde an der Problemlösung.“

MAGAZIN: „Vertrauen Ihre Kunden der Fernwartung? Sind Firmendaten dabei wirklich sicher? “

Markus Dinzl: „Die Daten sind sicher, und die Kunden akzeptieren die Fernwartung. Für manche ist es sogar Voraussetzung für einen Auftrag, denn sie wissen, dass das Zeit und Geld spart. IT ist auch immer ein Thema, das mit Vertrauen zu tun hat, im Normalfall regeln wir das immer über eine Geheimhaltungsvereinbarung. Bei vielen Kunden haben wir für den Ernstfall Zugriffe auf Netzwerk und Server.“

MAGAZIN: „Hat das Thema Cloud, also das Auslagern von Daten ins Netz, für Firmen eine Zukunft?“

Markus Dinzl: „Die Zahlen gehen definitiv nach oben, aber es herrscht noch viel Unwissenheit, was die Sicherheit betrifft. Das fängt mit E-Mails an – manche Unternehmer möchten diese nicht aus der Firma geben. Aber wenn man keine Punkt-zu-Punkt-Verschlüsselung hat, verschickt man doch nur eine Postkarte. Im Alltag erlebe ich immer wieder, dass Unternehmer mit ihrer Bank oder ihrem Steuerberater per E-Mail kommunizieren und auch schon mal eine BWA verschickt haben oder dem Vertriebsmitarbeiter ein Angebot weiter geleitet haben. Da ist zum einen die strenge Geheimhaltung im Unternehmen, man nutzt aber E-Mails ohne zu bemerken, damit im öffentlichen Raum zu sein. Die klassische Post ist definitiv sicherer, verlangsamt aber die Kommunikation. Bei einer Cloud muss man sich vorher im Klaren sein, welche Daten nach außen gegeben werden. Hier hat Datev schon ein sicheres System für Unternehmen entwickelt. Der Markt ist gerade sehr im Wandel, es wird derzeit eine deutsche Cloud entwickelt, wo die Daten zumindest nicht das Land verlassen. Man muss aber auch bedenken, dass eine Cloud auf dem Land auch nur mit einer vernünftigen Bandbreite funktioniert. Mit DSL-Light brauche ich über Cloud-Lösungen nicht nachdenken.“

Dinzl7MAGAZIN: „Das Thema IT-Sicherheit beschäftigt ja viele Firmen. Wo müssen Unternehmen besonders aufpassen?“

Markus Dinzl: „Das fängt bei den Passwörtern an, die Hitliste führen immer noch ‚geheim‘, ‚123456‘ und als Variante ‚654321‘ an. Wenn ich Arbeitsplätze kontrolliere, finde ich immer noch unter der Tastatur oder direkt am Monitor Passwörter. Aufgrund der Berichterstattung über den Virus Locky im letzten Jahr ist es zwar besser geworden, aber nicht ausreichend geschützte Passwörter sind immer noch der Hauptgrund, wie Viren oder Hacker ins Firmennetz kommen. Manchmal wird gar nicht bemerkt, dass Hacker im System sind, sondern erst, wenn das Netzwerk immer langsamer wird. Auch mit Fernwartungsclients wird manchmal laissez-faire umgegangen und einfach irgendeine Software installiert. Damit sind natürlich Tür und Tor geöffnet.“

MAGAZIN: „Können sich kleinere Firmen entspannt zurücklegen, oder werden die auch bespitzelt?“

Markus Dinzl: „Jede Firma am Markt hat irgendein Know-how, das man schützen sollte. Das geht querbeet durch alle Branchen. Neulich waren wir bei einem Kunden, ein Härtereibetrieb in Nürnberg – Zulieferer der  Automotive-Branche. Da gibt es jede Menge Rezepturen zum Härten, und die kann jeder verwenden. Wichtig ist, dass die Unternehmen regelmäßig ihre Mitarbeiter schulen und auf das Problem aufmerksam machen, ähnlich wie man es in der Arbeitssicherheit macht. Nur so schleicht sich keine Gleichgültigkeit ein. Zu oft gibt es noch die Augen-zu-Mentalität, oder man sitzt es aus. Doch je schneller ich reagieren kann, umso geringer ist der Schaden.“

MAGAZIN: „Haben die Unternehmen hier auf dem Land Nachteile, weil die Internetverbindungen langsamer und die Bandbreiten nicht vorhanden sind?“

Markus Dinzl: „Mittlerweile gibt es mit LTE auf dem Land eine relativ gute Versorgung. Der Breitbandausbau ist in vollem Gange und die Versorgung wird in den nächsten zwei Jahren extrem verbessert. Aber es wird auch in Zukunft immer ein paar weiße Flecken geben, wo es zu wenige Anschlüsse gibt und das Glasfaser-kabel einfach zu teuer ist. Letztlich bleibt auch die Frage, ob das Breitband von heute für die technischen Anforderungen von morgen ausreichen wird?“

MAGAZIN: „Wie ist die Versorgung mit Fachkräften und Auszubildenden im IT-Bereich?“

Markus Dinzl: „In der IT sind wir momentan noch auf der Insel der Glückseligen. Es ist überhaupt kein Problem an Auszubildende zu kommen, obwohl wir keine Werbung machen. Das Thema ist bei den Jugendlichen positiv besetzt. Wir bekommen regelmäßig Praktikanten, von denen in der Regel einige ihre Ausbildung bei uns anfangen. Interessante Auszubildende sind für uns auch junge Menschen, die woanders eine Ausbildung abgebrochen haben. Meist haben die schon einen Führerschein, das ist hier von Vorteil.“

Markus Dinzl (li.) mit Mathias Neigenfind

Markus Dinzl (li.) mit Mathias Neigenfind

MAGAZIN: „Wie ist Ihr Führungsstil?“

Markus Dinzl: „Ich habe einen relativ offenen Führungsstil, das heißt, ich lasse meinen Mitarbeitern relativ große Freiheiten. Wir haben unsere Teambesprechungen im Vorfeld, dann teilen wir die Mitarbeiter für die Projekte ein. Wenn es mal Probleme gibt, kommen die Mitarbeiter zu mir und dann stimmen wir uns nochmal ab. Ich versuche mit kleinen Mitteln gute Rahmenbedingungen zu schaffen, so sind für die Mitarbeiter alle Getränke im Robert-Dinzl-Haus frei. Manchmal gibt es stressige Situationen, wenn gleich bei mehreren Kunden die Server ausfallen oder wenn ein Rollout bevorsteht. Da stehen unsere Mitarbeiter schon ziemlich unter Strom, und ich versuche ihnen den Rücken frei zu halten. Das macht sich insoweit bemerkbar, dass wir eigentlich keine Fluktuation haben, und auch unsere Krankentage sind unter dem Durchschnitt.“

MAGAZIN: „Sie haben mit dem Robert-Dinzl-Haus im Landkreis Ansbach ein Unternehmerzentrum gegründet – welche Idee steckt dahinter?“
Markus Dinzl: „Aufgrund unseres Wachstums waren die Räumlichkeiten im elterlichen Betrieb eingeschränkt. Es gab ein leerstehendes Gebäude, das für uns eigentlich zu groß war, und da kam uns zusammen mit TRUST, dem Marketingnetzwerk, die Idee, weitere Büros auszubauen und diese zu vermieten. Der Austausch untereinander ist wirklich sehr gut, und offensichtlich haben wir damit einen Nerv getroffen, denn mittlerweile bekommen wir monatlich Anfragen – und das nur durch Mundpropaganda. Erst heute war ein Interessent bei mir, der gefragt hat, warum es so etwas eigentlich nicht in Rothenburg gibt.“

MAGAZIN: „Das heißt, Sie nutzen Netzwerke?“

Markus Dinzl: „Ich bin ein aktiver Netzwerker bei TRUST, das ist extrem wichtig für mich. Das war bei meinem Start eine gute Plattform, um den Bekanntheitsgrad zu steigern. Werbung machen wir sonst fast nicht. Durch das Netzwerken auf den TRUST-Veranstaltungen wie der Business Lounge, haben wir viele interessante Kundenkontakte bekommen, denn man kommt direkt mit den Entscheidern in Kontakt.“

NETZWERKKONTAKT

Dinzl IT LogoMarkus Dinzl (Geschäftsführer)
Dinzl IT GmbH
Robert-Dinzl-Weg 1 | 91583 Schillingsfürst
Tel. 09868 / 303 99 – 60
dinzl.markus@dinzl-it.de | www.dinzl-it.de

Neigenfind kleinAutor: Mathias Neigenfind
Chefredakteur Business Lounge Magazin

www.neigenfind.org
info@neigenfind.org