Mittelstand benötigt Innovationen – selbst entwickeln oder von außen holen? Vier mal jährlich findet die Veranstaltungsreihe Business Lounge THEMA mit wechselnden Informationsschwerpunkten statt: Technik, Personal, Marketing sowie Steuern und Recht. In der Maschinenbauschule in Ansbach ging es um Ideenmanagement und Innovationen. Entwickler, Techniker und Ingenieure diskutierten verschiedene Ansätze, wie Innovationen und Ideenmanagement im Unternehmen erfolgreich umgesetzt werden können.

Dr.-Ing. Bruno Scherb von der Schaeffler Technologies AG  & Co. KG aus Herzogenaurach stellte eine Innovationsstrategie aus der Praxis vor. Der Senior Expert war vor seinem Studium selbst einmal an der Maschinenbauschule in Ansbach. Die Schaefller AG mit rund 84.000 Mitarbeitern an 74 Standorten rund um die Welt ist ein weltweit führender Automobil- und Industriezulieferer, der Präzisionskomponenten und Systeme in Motor, Getriebe und Fahrwerk sowie Wälz- und Gleitlagerlösungen für eine Vielzahl von Industrieanwendungen produziert. Insgesamt 16 Forschungs- und Entwicklungszentren hat das Unternehmen. Scherb stellte die Open-Innovation-Strategie mittels „Broadcast Search“ vor. Die Methode basiert auf der Idee einer Ausschreibung von technischen Problemen an ein großes, interdisziplinäres Netzwerk als offener Aufruf, anstatt die Lösungen bei bekannten Partnern in Auftrag zu geben oder selbst nach Lösungen zu suchen. „Wir haben uns geöffnet und das Wissen von außen zu uns geholt“, beschrieb Scherb. Er empfahl den Zuhörern, „branchenfremde Innovationsideen gezielt zu nutzen“. Und: Netzwerken stellt für den Ingenieur die optimale Lösung dar, um mit diesen branchenfremden Unternehmen in Kontakt zu kommen. „Netzwerken ist das A und O“, erklärte der Ingenieur aus Herzogenaurach. Scherb selbst sieht die Spannung eines Unternehmens in der Frage: „Selbst forschen, Kooperationen eingehen oder Lösungen im Broadcast Research suchen?“. 2011 bekam das Unternehmen den Best Open Innovator Award der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen. Open Innovation bezeichnet die Einbindung von Kunden, Lieferanten, Partnern oder Dienstleistern bei der Produkt- und Prozessentwicklung. Schaeffler sei eng mit seinen Kunden verbunden und binde deren Wünsche und Anregungen möglichst früh in den Innovationsprozess ein, so Bruno Scherb.

Matthias Bäuerles ging der Frage nach, ob Ideenmanagement eine Schatzsuche sei. Für den Geschäftsführer der Creadis GmbH, die mit 300 Ingenieuren und Technikern Mittelständler bei Innovationen unterstützt, ist William Painter Beispiel für eine gelungene Idee. Der Amerikaner hatte 1892 den Kronkorken zum Patent angemeldet. Der Erfinder hatte sich über die zu der Zeit üblichen Bügelverschlüsse bei Bierflaschen geärgert, weil sie häufig undicht waren und ausliefen. Der Bügelverschluss wurde bald größtenteils von der neuen Erfindung verdrängt. „Es braucht zunächst einen Impuls, die Suche nach etwas Neuem, einen festen Willen und Faszination“, fasste Matthias Bäuerle die Entwicklung einer Idee zusammen. Als Beispiele, wie Unternehmen neue Ideen finden können, nannte er Workshops oder Brainstorming. „Aber das Risiko ist, dass nur ein paar Münzen gefunden werden, nicht aber der ganze Schatz“, sagte der Geschäftsführer. Als einen möglichen Weg erklärte Bäuerle die TRIZ-Methode. Dafür sichtet man eine große Anzahl von Patentschriften, wählt daraus einige aus und bewertet diese. So können allgemeingültige innovative Prinzipien und sogar Gesetze des Erfindens entdeckt werden. Mit Hilfe dieser Methode versuchen Erfinder, ihre Tätigkeit zu systematisieren, um schneller und effizienter zu neuen Problemlösungen zu kommen. Die Hürden in der Entwicklung neuer Ideen seien unter anderem die Angst, als Spinner abgestempelt zu werden sowie der „Killersatz“: Das war schon immer so. Matthias Bäuerle empfahl den Zuhörern: eine Firmenkultur mit Fehlerakzeptanz, Offenheit, einem weiten Blick und den Ideen, Zeit zu geben.

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Im Bild oben: Dr.-Ing. Bruno Scherb (Schaeffler Technologies AG  & Co. KG) und Matthias Bäuerle (Creadis GmbH, v.l.)