Oskar Schlag ist ein gebürtiger Stuttgarter, doch in Nürnberg hat er den Grundstein für sein Familienunternehmen gelegt, das heute fünf Hotels in Nürnberg, Bayreuth, Bad Windsheim und Rothenburg umfasst. Mehrere Bundespräsidenten, Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Backstreet Boys, Königen Silvia aus Schweden oder Zauberer David Copperfield – die Liste der VIPs in seinen Häusern ist lang.

Auch Sänger Udo Lindenberg verewigte sich in Oskar Schlags Gästebuch

Auch Sänger Udo Lindenberg verewigte sich in Oskar Schlags Gästebuch

Pünktlich zur Spielwarenmesse 1976 eröffnete sein erstes Hotel an der Nürnberger Messe – die Zimmer waren sofort ausgebucht. Zuvor hatte die Stadt vergeblich einen Betreiber für ein Messehotel gesucht, und auch die Bank hat den mutigen Unternehmer zuerst ein bisschen zappeln lassen. Doch mit seinem Unternehmergeist und dem richtigen Riecher hat er es geschafft, das Messehotel zu verwirklichen und sein Unternehmen um weitere vier Hotels zu erweitern. Oskar Schlag feiert 2016 gleich mehrere runde Jubiläen: Sein erstes Hotel wird 40, sein zweites 30 und das Hotel Eisenhut ist seit zehn Jahren in der Arvena Gruppe. Das Business Lounge Magazin hat mit ihm über seine spannende Hotelkarriere in Franken gesprochen.

MAGAZIN: „Wollten Sie immer Hotelier werden?“

Oskar Schlag: „Nach meiner kaufmännischen Lehre bin ich in die Industrie gegangen, war erst in einer Handelsvertretung für Kupferrohre und elektrische Widerstandsdrähte, dann bin ich zu Saarstahl nach Stuttgart gegangen und schließlich in den Stahlgroßhandel nach Frankfurt. Von dort hat mich der Onkel meiner Frau in die Büromöbelbranche geholt. Da war ich im Außendienst für ganz Süddeutschland tätig, bis ich mich dann mit einem eigenen Büroeinrichtungshaus 1967 in Nürnberg selbstständig gemacht habe. Dass ich parallel in die Hotellerie gekommen bin, ist ein Zufall. Aber bei der NürnbergMesse fehlte damals ein Hotel, und hier habe ich gemeint, ich müsste die Initiative ergreifen, um der Stadt Nürnberg ein Hotel zu geben. Zu der Zeit waren in der Stadt verschiedene Hotelprojekte in der Planung. Doch der Baukunstbeirat der Stadt Nürnberg wollte ein besonderes Objekt und genehmigte viele Planungen nicht, so dass die großen Konzerne mit ihren Bewerbungen rausfielen.“

MAGAZIN: „Was haben Sie besser gemacht?“

Oskar Schlag: „Wir haben eine avantgardistische Architektur vorgestellt, die einfach Anklang gefunden hat. Und das war dann für mich der Einstieg in das Hotelgeschäft.“

MAGAZIN: „Wie ging Ihr Werdegang dann weiter?“

Mit dem Messehotel in Nürnberg fing alles an

Mit dem Messehotel in Nürnberg fing alles an

Oskar Schlag: „Ich habe das erste Hotel neben meinem Beruf als Büroeinrichter betrieben. Das waren rund zehn Jahre, bis ich von einem Makler angesprochen wurde, dass die Firma Siemens für ihren neuen Nürnberger Standort ein Hotel suchte. Hier habe ich Kontakt mit dem Unternehmen aufgenommen und wir sind uns dann innerhalb von sechs Wochen einig geworden. Mit einem Vertrag hatte ich eine fünfjährige Zimmerauslastung bekommen, und das war die Basis für dieses zweite Hotel. Eigentlich gab es für jedes meiner Hotels so einen Anlass, und langsam habe ich mehr Erfahrungen in dieser Branche bekommen. Ich wollte eigenständig einen Betrieb haben, der preislich unabhängig ist. In der Hotellerie hat man den Preis besser im Griff und kann ganz anders gestalten als im Handel, wo es in der Regel mehrere Wettbewerber für das gleiche Produkt gibt. Da geht vieles nur über den Preis.“

MAGAZIN: „Wie muss man die Hotelbranche einschätzen?“

Weitere Persönlichkeiten, die bei Oskar Schlag zu Gast waren: der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler, ...

Weitere Persönlichkeiten, die bei Oskar Schlag zu Gast waren: der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler, …

Oskar Schlag: „Im Grunde ist die Branche sehr einfach, wenn man vernünftige Gedanken entwickelt. Zu schaffen machen uns eher die vielen Auflagen, wie Nichtraucherschutz, Allergenverordnung oder Arbeitszeitaufzeichnungen. Gute Kenntnisse sind die Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit. In der Nebensaison kommt ein starker Preiswettbewerb hinzu. Da sind keine Messen und die Hotels unterbieten sich gegenseitig. Wir gehen zwar auch runter, aber nicht so weit wie mancher Mitbewerber. Unser Vorteil gegenüber einigen Hotels ist, dass wir Betreiber und Investor in einem sind und so flexibel reagieren können. Wir investieren jedes Jahr einen hohen Betrag in unsere Häuser.“

... Fernsehmoderator Günther Jauch und...

… Fernsehmoderator Günther Jauch und…

MAGAZIN: „Wie war Ihre Anfangszeit in der Hotellerie? Haben Sie alles selbst gemacht?“

Oskar Schlag: „Die ersten zehn Jahre hat die Schwester meiner Frau das Hotel geführt. Doch dann wuchs die Arbeit im Hotel immer mehr an, so dass ich hier gebraucht wurde. Mein ältester Sohn hat daraufhin 1991 das Büroeinrichtungshaus übernommen, und ich habe mich fortan voll und ganz der Hotellerie gewidmet.“

... die bereits verstorbene Unternehmerin Henriette Schmidt-Burkhardt

… die bereits verstorbene Unternehmerin Henriette Schmidt-Burkhardt

MAGAZIN: „Was machen Sie anders als andere Hoteliers?“

Oskar Schlag: „Mir wird nachgesagt, dass ich rechnen kann. Es hilft in vielen Situationen, seine Zahlen zu kennen.“

MAGAZIN: „Haben Sie es jemals bereut, ins Hotelgeschäft eingestiegen zu sein?“

Oskar Schlag: „Nein, denn ich hatte Erfolg in dieser Branche, und warum sollte ich es bereuen? Ich habe ja zuvor Einblicke in verschiedene Berufe bekommen.“

MAGAZIN: „Was war Ihre wichtigste Entscheidung in Ihrem Unternehmerleben?“

Oskar Schlag: „Die wichtigste war natürlich, das erste Hotel zu bauen. Unternehmerisch war das gar nicht so schwer, weil wir es als Hotel Garni verwirklicht haben. Aber ich musste zwei Jahre auf die finanzielle Unterstützung durch die Bank warten, weil im Vorstand keine Übereinstimmung erzielt wurde. Das zweite Hotel war schon deutlich anspruchsvoller mit Gastronomie, Küche, Service usw. Damals waren rund 17 Millionen Mark zu investieren, die mit Fremdmitteln aufgebracht wurden. Heute bin ich von den Banken völlig unabhängig.“

„Mir wird nachgesagt, dass ich rechnen kann. Es hilft in vielen Situationen, seine Zahlen zu kennen.“ Oskar Schlag

MAGAZIN: „Wenn Sie zurückblicken, wie hat sich Ihr Geschäft verändert?“

Oskar Schlag: „Was sich stark verändert hat ist der Vertrieb, und da ist mein Sohn Jörg zum Glück sehr gut. Früher gab es nur einen Hotelpreis, dann kamen Haupt- und Nebensaison hinzu und schließlich noch die Messepreise. Alles das, was man von den Airlines schon kennt, gibt es jetzt auch in der Hotellerie. Die Preise sind flexibel geworden, bei großen Ketten ändern sich diese computergestützt sogar mehrmals am Tag – je nach Nachfrage. Auch die Last-Minute-Preise kommen daher, mit denen sich die Hotellerie schwer tut. Einerseits gibt es günstige Preise, wenn man möglichst spät bucht, andererseits benötigt man aber eine gute Planbarkeit und deshalb langfristige Buchungen.“
 
MAGAZIN: „Sind Sie abhängig von großen Internetportalen wie Booking.com oder HRS?“

kg8_0276Oskar Schlag: „Die Systeme sind wichtig geworden, aber letztlich ist es die Frage, ob man es sich erlauben kann, nicht mitzumachen. Natürlich haben wir einen Homepageauftritt, betreiben Facebookseiten und sind ein bisschen bei Instagram dabei. Für die Buchungsportale müssen wir eine hohe Vermittlungsprovision zahlen, die wir nicht auf den Zimmerpreis aufschlagen können. Wettbewerber sind da oft forscher und bieten zur Messezeit teilweise überteuerte Zimmerpreise an, das geht gegen mein Verständnis als seriöser Hotelier. Wir setzen, wo es geht, lieber auf den eigenen Vertrieb und auf Stammgäste, die seit vielen, vielen Jahren zu uns kommen. Etwa eine Wiener Firma, die seit unserer Eröffnung jedes Jahr zur Spielwarenmesse kommt. Oftmals ist unser Haus mit zwei bis drei Stammfirmen zur Messe bereits ausgebucht.“

MAGAZIN: „Wie sieht Ihr Alltag aus?“

Oskar Schlag: „Ich komme derzeit um 9:00 Uhr ins Büro. Als erstes kümmere ich mich um die Tagespost. Es gibt für mich eigentlich immer weniger Entscheidungen zu treffen, denn mein Sohn Jörg und langjährige Mitarbeiter stehen mir zur Seite. Für das Gewinnen neuer Gäste gibt es den Verkauf, das machen drei weitere Mitarbeiter. Der Einkauf ist eine eigene Abteilung, die selbstständig arbeitet, ebenso Empfang, Housekeeping, Küche und Service. Wenn alles gut eingespielt ist, dann geht vieles automatisch.“

MAGAZIN: „Wie ist Ihr Führungsstil?“

Oskar Schlag: „Ich würde sagen, sehr teamorientiert, denn ich setzte auf die Verantwortung meiner Mitarbeiter. Alle Abteilungen arbeiten sehr selbständig. Ein Beispiel: Meine Stellvertreterin ist seit Beginn dabei, heute ist sie 73 und arbeitet immer noch gerne bei uns. Die Verwaltung leitet sie vollkommen selbstständig. Wenn man sein Unternehmen so aufgestellt hat, gibt es nur noch wenige Grundsatzentscheidungen, die man selbst treffen muss.“

MAGAZIN: „Wie oft haben Sie Kontakt zu Ihren Mitarbeitern?“

Oskar Schlag: „Jeden Tag bin ich zwischen acht und zehn Stunden im Haus, da haben die Mitarbeiter reichlich Gelegenheit, mich anzusprechen. Allerdings halte ich mit den Mitarbeitern im persönlichen Gespräch dennoch einen gewissen Abstand. Gut ist die Konstellation zusammen mit meinem Sohn, den sprechen eher die jüngeren Mitarbeiter an, zu mir kommen dann eher die dienstälteren.“

MAGAZIN: „Wie wichtig ist Ihnen interne Kommunikation?“

Oskar Schlag: „Das ist ein sehr wichtiges Thema, und ich versuche natürlich immer, das Beste daraus zu machen. Die Abteilungsleiter treffen sich regelmäßig, um gemeinsame Probleme zu besprechen und Lösungen zu finden. Bei diesen Besprechungen bin ich eigentlich schon seit Jahren nicht mehr dabei. Zum einen bin ich ja auch nicht schlauer als ein komplettes Team, zum anderen hat es sich bewährt, dass die Mitarbeiter Verantwortung übernehmen. Wichtig ist aber, dass mein Sohn und ich keine Grundsatzentscheidungen treffen, ohne miteinander gesprochen zu haben.“

MAGAZIN: „Man sagt, Sie sind sehr gut vernetzt und haben viele gute Kontakte.“

Eine historische Aufnahme aus dem berühmten Hotel Eisenhut in Rothenburg, das seit 2006 zum Familienunternehmen gehört

Eine historische Aufnahme aus dem berühmten Hotel Eisenhut in Rothenburg, das seit 2006 zum Familienunternehmen gehört

Oskar Schlag: „In der Branche kennt man mich, so war ich viele Jahre im Präsidium des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes als Schatzmeister tätig. In der Hotellerie kann man schnell viele Menschen kennenlernen, leichter, als im Büromöbelgeschäft. So hatten wir schon viele prominente Gäste im Haus, etwa drei Bundespräsidenten. Netzwerke sind aber nur so gut, wie man sie selbst nutzt. Ich war in vielen Vereinen auch ehrenamtlich tätig. Nur so kann man etwas bewirken und verändern.“

MAGAZIN: „Machen Sie alles selbst oder nutzen Sie auch externe Dienstleister oder Dienstleistungen?“

Oskar Schlag: „Anfangs haben wir die Zimmerreinigung extern vergeben. Das Ergebnis war, dass schon nach einem Jahr die Böden in den Fluren beschädigt waren. Daraufhin haben wir das Housekeeping selbst übernommen und eigene Mitarbeiter fest angestellt. Das ist deutlich besser, denn die Reinigungsdienste zahlen nur für gereinigte Zimmer. Das ist für Hotelketten interessant, weil sie nur für belegte Räume zahlen müssen. Unsere rund 20 Mitarbeiter stehen dagegen zur Verfügung. Die können wir schulen und in der Folge arbeiten sie gewissenhafter. Einige von ihnen sind bereits seit 30 Jahren fest bei uns und sie wissen was sie tun und wo sie hinlangen müssen. So etwas bekommen Sie bei keiner Fremdreinigung.“

MAGAZIN: „Der Mindestlohn ist in der aktuellen politischen Diskussion. Was halten Sie davon?“

Oskar Schlag: „Diese Diskussion war sicherlich notwendig, weil beispielsweise bei Reinigungsdiensten die Mitarbeiter bei einem Zimmerfestpreis pro Reinigung nicht auf den Mindestlohn gekommen sind. Wir hatten damit nie Probleme, weil wir oberhalb der Grenze liegen. Im Moment ist der Mindestlohn der richtige Weg.“

MAGAZIN: „Was halten Sie vom Unternehmertum in Deutschland?“

Oskar Schlag: „Der Mittelstand ist ganz wichtig für Deutschland. Er wird leider von der Politik nicht ernst genommen, und wenn die den Mittelstand nicht ein bisschen fördern, bekommen wir Schwierigkeiten. Letztlich ist das hohe Steueraufkommen in Deutschland durch den Mittelstand gegeben. Hier muss dringend etwas passieren.“

MAGAZIN: „Haben Sie Ihre Nachfolge schon geregelt?“

Oskar Schlag: „Ich würde mich sehr schwer tun, wenn die Sache nicht geregelt wäre. Dann müsste ich heute verkaufen. Deshalb haben wir schon sehr früh angefangen und bereits vor 21 Jahren dieses Haus auf unsere vier Kinder übertragen.“

kg8_0127MAGAZIN: „Spüren Sie den demografischen Wandel bei der Suche nach Auszubildenden?“

Oskar Schlag: „Den merken wir schon. Zum Glück haben wir einen guten Namen in Nürnberg und investieren viel Zeit in Praktika und Berufsinformationsmessen. Insofern bekommen wir immer noch Auszubildende, wenn auch die Qualifikation teilweise nachlässt. In den vergangenen 40 Jahren haben wir 886 junge Mitarbeiter in den verschiedensten gastronomischen Berufen ausgebildet. Was mir vor allem auffällt: Die Note in Mathematik ist bei vielen Bewerbern die schlechteste. Kaum einer kann mehr drei Zahlen im Kopf zusammenrechnen – grauenhaft. Das ist doch vor allem dann wichtig, wenn man eine größere Aufgabe zu lösen hat. Da benötigt man doch ein Verständnis für Zahlen.“

MAGAZIN: „Die Gastronomie versucht vermehrt mit ausländischen Fachkräften zu arbeiten, welche Erfahrungen haben Sie gemacht?“

Oskar Schlag: „Das ist sicher eine Alternative, wenn man die Richtigen findet. Wir haben einige ausländische Mitarbeiter, die sich sehr stark reinhängen und auch integrieren. Da die Abschlussprüfung der gastronomischen Ausbildungsberufe auf Deutsch ist, ist das vor allem für unsere Auszubildenden sehr wichtig. Allein in diesem Jahr haben Auszubildende aus sieben Ländern bei uns begonnen. Die verschiedenen Nationen haben auch einen Vorteil für die ausländischen Gäste, die sich freuen, wenn jemand ihrer Sprache mächtig ist. Aber für alle Mitarbeiter gilt: Der Wille muss vorhanden sein.“

MAGAZIN: „Gibt es irgendetwas, was Sie auf die Palme bringt?“

Oskar Schlag: „Auf die Palme nicht, aber wenn ich durch mein Haus gehe, dann sehe ich sofort, wo eine Lampe nicht funktioniert und wo vielleicht nicht richtig geputzt wurde. Das sind zwar Kleinigkeiten, aber Dinge, wozu man immer noch einen Unternehmer benötigt, denn alles funktioniert eben doch nicht von allein.“

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arvenahotels-logo-neu_2-5-hotelsOskar Schlag (Inhaber)
Arvena Hotels
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Tel. 0911 / 89 22 – 0 | Fax 0911 / 89 22 – 444
info@arvenapark.de | www.arvena.de

Neigenfind kleinInterview: Mathias Neigenfind
Chefredakteur Business Lounge Magazin

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info@neigenfind.org