Unternehmen nutzen immer mehr Marketingmöglichkeiten, um an Azubis zu kommen – Um Schüler und Ausbildungsbetriebe zusammenzubringen, veranstalten das Unternehmernetzwerk Hesselberg AG und das Netzwerk Fachkräfte die CONTACT Ausbildungsbörse in Wassertrüdingen und Dinkelsbühl. Hier zeigt sich, wie immer mehr Unternehmen um den knapper werdenden Nachwuchs ringen.

Fachkräftemangel, immer älter werdende Mitarbeiter und fehlender Nachwuchs hängen über vielen Unternehmen wie dunkle Gewitterwolken. Das Business Lounge Magazin hat mit Personalverantwortlichen gesprochen, welche Themen ihnen momentan am dringendsten auf den Nägeln brennen.

Sabrina Arnold

Sabrina Arnold

Sabrina Arnold, Geschäftsleiterin G & B Bekleidung Gunzenhausen
„Wir führen ganz unterschiedliche Maßnahmen durch, um an geeigneten Nachwuchs zu kommen. Unter anderem haben wir Stellenausschreibungen im Internet, in der Zeitung und haben auch Flyer im Geschäft ausliegen. Aber es ist schwieriger geworden, vor allem die Einstellung der Mädchen hat sich geändert: Wenn sie hören, wie die Arbeitszeiten sind, mit Samstagsarbeit und auch immer wieder mal am Sonntag, zum Beispiel am Marktsonntag, dann schreckt das viele Auszubildende ab. Viele unterschätzen das lange Stehen über den ganzen Tag – das stelle ich auch bei jungen Frauen fest, die ein Praktikum bei uns machen.“

Günter Christoph

Günter Christoph

Günter Christoph, Pflegedienstleiter Arbeiterwohlfahrt Pflegeheim Wassertrüdingen
„Wir profitieren sehr stark vom Bundesfreiwilligendienst. Hierdurch kommen junge Menschen in den Beruf und sehen, dass Altenpflege gar nicht so unattraktiv ist. Ansonsten haben wir viel Kontakt mit den Altenpflegeschulen, die auf uns zukommen. Die Ausbildung geht über drei Jahre, und pro Jahrgang können wir bis zu zwei Auszubildende einstellen. Durch die Zusammenarbeit mit den Schulen haben wir eigentlich kein Problem: Nördlingen und Dinkelsbühl sind nicht weit weg. Die Schulen fragen bei uns nach, weil die Schüler in erster Linie die Schulen kontaktieren, wenn sie sich für eine Ausbildung interessieren. Dann ist die Schule mit im Boot, um einen Platz zu finden. Das einzige Problem ist, dass die Agentur für Arbeit die einjährige Ausbildung nicht mehr fördert. Viele sind danach in die Altenpflege mit reingerutscht, ohne eine mittlere Reife zu haben. Das wird nicht mehr gefördert und ist für uns ein Nachteil.“

Patricia Lessmann

Patricia Lessmann

Patricia Lessmann, kaufmännische Ausbildungsleiterin und Marketingleiterin Lessmann GmbH Oettingen
„Wir machen relativ viel Ausbildungsmarketing: Wir kommen zur CONTACT und gehen auf die Ausbildungsstellenbörse in Harburg im Landkreis Donau-Ries, weil wir von unserer Lage in Oettingen beide Landkreise ansprechen. Wir sind auch in Schulen aktiv und arbeiten mit diesen zusammen. Über unsere Homepage versuchen wir, an Auszubildende zu kommen, und wir nutzen sehr stark das Instrument über Praktika. Auch Facebook gewinnt mehr und mehr an Einfluss. Wir machen also viel mehr als noch vor ein paar Jahren. Die Bewerbungszahlen bei uns sind dadurch über die Jahre relativ konstant geblieben, sowohl bei den kaufmännischen als auch bei den technischen Ausbildungsberufen. Aber das Bekannterwerden als Unternehmen selbst ist absolut notwendig geworden.“

Jürgen Dantonello

Jürgen Dantonello

Jürgen Dantonello, Fertigungsmeister AMM GmbH Merkendorf und Auszubildendenbetreuer
„Wir versuchen ganz klassisch über die Agentur für Arbeit an Auszubildende zu kommen, aber natürlich auch über Azubi-Börsen. Zusätzlich bieten wir Praktika, und auch über das Berufsförderungswerk versuchen wir, Nachwuchs für unser Unternehmen zu bekommen. Der Aufwand, an geeignete Nachwuchskräfte zu kommen, ist definitiv gestiegen, aber das Problem haben wir nicht alleine, es ist in der ganzen Branche dasselbe: Es gibt immer weniger Auszubildende, aber die Unternehmen haben den gleichen Bedarf. Der Kampf um die Azubis ist also entbrannt. Wir haben uns in diesem Jahr leider von zwei Azubis trennen müssen, ansonsten wären wir gut dabei gewesen.“

Jürgen Schauer

Jürgen Schauer

Jürgen Schauer, Leiter Qualitätssicherung Horn & Bauer GmbH & Co. KG Dinkelsbühl
„Wir besuchen im Moment hauptsächlich Ausbildungsmessen, weil das in unseren Augen am meisten bringt. Den Aufwand der Ausbildungsbörsen betreiben wir seit vier Jahren, ohne sie würden wir gar keinen Auszubildenden mehr finden. Wir werden sonst gar nicht wahrgenommen, weil wir hier in der Region sehr klein sind. Bei uns arbeiten nur 25 Mitarbeiter in der Produktion, mit unserem Unternehmen können nur relativ wenige etwas anfangen. Aber wir haben große Kunden – von Aldi über Coppenrath Feingebäck bis Reis-Fit, die auf uns bauen. Und das müssen wir ändern, um nach außen zu zeigen, wie wichtig wir als Arbeitgeber sind.“

Michael Wagner

Michael Wagner

Michael Wagner, Leiter und Vertrieb Schnabel Einfahrts-tore GmbH & Co. KG Wassertrüdingen
„Für uns ist die Ausbildungsstellenbörse sehr wichtig, aber auch die Mund-zu-Mund-Propaganda des Kunden vor Ort. Dadurch bekommen wir viele Praktikanten und auch viele Auszubildende, die bei uns anfangen. Früher hat es keine Ausbildungsbörsen gegeben, das ging ganz automatisch. Das zeigt, wie wichtig es heutzutage geworden ist, aktiv auf Nachwuchssuche zu gehen. Mittlerweile muss man sich als Unternehmen aktiv bemühen, um die ‚Guten‘ aus der breiten Masse herauszuziehen.“

Bastian Winter

Bastian Winter

Bastian Winter, Ausbildungsbeauftragter Rema Fügetechnik GmbH Haundorf
„Bisher greifen wir auf den Weg der Online-Ausschreibungen und der Zeitungen zurück, aber wir nutzen auch zunehmend Azubi-Börsen. Davon erhoffen wir uns, direkt an den potenziellen Nachwuchs zu kommen. Wir müssen definitiv mehr Aufwand betreiben: In Wassertrüdingen waren wir zum ersten Mal dabei, wir haben einen vollkommen neuen Stand entwickeln müssen, aber wir hoffen auf eine gute Bewerberauswahl, denn wir sind dringend auf der Suche nach geeigneten Azubis. Im vergangenen Jahr konnten wir niemanden einstellen, weil wir einfach keinen geeigneten Bewerber gefunden hatten.“