1949 wurde das Transportunternehmen Herz in Wehlmäusel gegründet und vertrieb zunächst Sand aus eigenen Gruben. Von Beginn an vergrößerte sich das Unternehmen kontinuierlich. Mitte der 1960er Jahre zog das Unternehmen nach Feuchtwangen um. 1983 kam der Bereich Entsorgung und Recycling hinzu. Heute bedient die Herz Entsorgung und Logistik GmbH sowie die Herz Transporte-Erdbau GmbH die Sparten Erdbau, Entsorgung und Transport. 170 Mitarbeiter sind für das wirtschaftlich stabile und unabhängige Familienunternehmen tätig. Das Business Lounge Magazin hat mit Elke und Friedrich Herz sowie dem Geschäftsführer Lothar Ziegler und dem Prokuristen Ulrich Traxel über das Geschäft mit dem Müll gesprochen.

MAGAZIN: „Wie ist die Firma Herz entstanden?“

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Friedrich Herz

Friedrich Herz: „Mein Vater hat sich nach dem Krieg von der Verwandtschaft einen Eisenbahnwaggon voll Kartoffeln geliehen, um seinen ersten Lastwagen kaufen zu können. Der Werkleiter beim Vorgänger von MAN in Nürnberg wollte wegen der Inflation kein Geld, sondern benötigte Nahrung für seine Arbeiter. Und so hat mein Vater mit Kartoffeln bezahlt. Bei dem LKW waren aber noch keine Reifen dabei, die musste er beim Continental-Vorgänger in Stuttgart organisieren. Die Firma begann dann mit dem Sandabbau im Raum Haslach an der Sulzach. Der Sand wurde für Bauzwecke ausgegraben. Das ging am Anfang alles per Hand mit der Schaufel. Der LKW fuhr zum Beladen an eine Böschung, weil es weder Bagger noch Kipper gab. Mit dem ersten Seilbagger wurden dann die Lastwagen beladen. Später wurden die Fahrzeuge im Wegebau, zu Aufgaben der Flurbereinigung oder des Wasserwirtschaftsamtes eingesetzt. Die Behörden haben einfach gute Baggerfahrer im Stundenlohn gesucht und da war unsere Firma federführend im Landkreis.“

MAGAZIN: „Warum hat Ihr Vater ausgerechnet ein Transportunternehmen gegründet?“

Friedrich Herz: „Im Krieg war er beim Nachschub und hatte daher Erfahrungen mit LKW und wusste, worauf es ankommt. Der Großvater hatte eine Ziegelei, da mussten Ziegel befördert werden. Nach dem Krieg gab es auch keinen Treibstoff; viele Lastwagen fuhren mit Holzgas und dazu benötigte man Holzkohle, die herangeschafft werden musste. Da ergab sich ein Geschäft.“

MAGAZIN: „Können Sie sich noch daran erinnern, wie Sie in das Unternehmen gekommen sind?“

Friedrich Herz: „Als Kind habe ich vom Geschäft wenig mitbekommen, es hat mich auch nicht interessiert. Aber mein Vater war sehr schlau und hat vom Nachbarn ein Motorrad gekauft. Da habe ich Benzin gerochen und begann mich für Maschinen zu interessieren. Das war der Beginn, mich für die Firma zu begeistern, wobei ich immer die Freiheit hatte, auch etwas anderes zu machen. Aber es wäre Unsinn gewesen, ein blühendes Geschäft nicht weiter zu führen. Das Geschäft war damals wesentlich kleiner. Die ersten zehn Jahre habe ich alles gemacht, vor allem Disposition. Sonntagabend ab 18:00 Uhr setzte sich mein Vater ins Büro und nahm die Anrufe der Mitarbeiter entgegen, die krank geworden waren. Wenn das Wetter schlecht war, gab es einen Rundruf an alle und man hat sie neu eingeteilt. Mit den damaligen Kommunikationsmitteln war das gar nicht so einfach. Nicht jeder hatte ein Telefon, aber wir wussten, dass der eine Mitarbeiter sonntags immer im Gasthaus zwischen 20:00 und 21:00 Uhr zu erreichen war. Bei anderen haben wir die Nachbarn angerufen. Mit dem ersten Betriebsfunk ging es dann schon besser, obwohl wir uns die Frequenz mit dem Tierarzt und dem Besamer geteilt haben – da hat man den Funkverkehr von denen auch mitbekommen. Aber wir konnten die Maschinenführer und Bauleiter leichter erreichen.“

MAGAZIN: „Frau Herz, wann sind Sie ins Unternehmen eingestiegen?“

Elke Herz

Elke Herz

Elke Herz: „Ich bin 1999 in das Unternehmen eingestiegen, als gerade der Neubau aufgestockt wurde. Anfangs war mein Aufgabengebiet nicht ganz klar. Wie bei vielen Mittelständlern in der Region gab es noch alte Strukturen; Marketing oder eine strategische Personalentwicklung gab es nicht, auch unser Erscheinungsbild nach außen war noch nicht einheitlich. So habe ich dieses Aufgabengebiet übernommen und angefangen, moderne Betriebsabläufe einzuführen. Stück für Stück habe ich die Personalentwicklung aufgebaut und dafür bewusst den Kontakt zu den Mitarbeitern gesucht. Bei uns haben sich die meisten nicht beworben, sondern sie standen vor der Tür und haben nach Arbeit gefragt. Da hat keiner Bewerbungsunterlagen gehabt, und auch heute stoßen wir da manchmal an Grenzen. Aber die Lebenserfahrung sagt, dass gerade in unserer Branche solche Menschen gute und zuverlässige Arbeiter sind.“

MAGAZIN: „In Ihrer Branche arbeiten vor allem viele Männer – war das schwer für Sie?“

Elke Herz: „Damals war ich fast die einzige Frau im Unternehmen und gerade für gewerbliche Mitarbeiter war es ungewohnt, dass eine Frau etwas zu sagen hat. Einen guten Kontakt zu den Mitarbeitern aufzubauen war für mich sehr wichtig; trotzdem hat es rund zehn Jahre gedauert, bis meine Führungsrolle bei allen angekommen ist.“

MAGAZIN: „Wie ist Ihr zweites Standbein, die Entsorgung, entstanden?“

Elke Herz: „1983 haben wir mit der Müllabfuhr angefangen, und dann kamen in relativ kurzer Zeit Containerdienste, Recycling und der Wertstoffhof hinzu. Unser Vorteil war, dass wir schon Lastwagen zum Transport hatten. Der Landkreis hat damals die Bewirtschaftung der Hausmülldeponie ausgeschrieben. Wir haben den Zuschlag bekommen und so haben wir diese mehr als zwei Jahrzehnte bewirtschaftet.“

MAGAZIN: „Ist die Entsorgung ein interessantes, weiteres Standbein?“

Ulrich Traxel

Ulrich Traxel

Ulrich Traxel: „Bis 1986 war es eine einfachere Branche. Dann kam das damalige Abfallwirtschaftsgesetz, in dem die Abfallwirtschaft geordnet und in umweltorientierte Bahnen gelenkt wurde. Mittlerweile gab es mehrere Nachfolgegesetze. Damit ist die Durchführung schwieriger geworden, denn die Anforderungen sind sehr hoch. Alles ist genauestens geregelt, egal ob es um Verwertungsmaßnahmen oder die noch zu deponierenden Abfallmengen geht. Ein Ende der gesetzlichen Verschärfungen ist noch nicht in Sicht. Insofern müssen wir ein entsprechendes Fachwissen und die entsprechende Ausrüstung besitzen. Gerade das Know-how des Personals macht die Entsorgung natürlich auch kostenintensiv.“

MAGAZIN: „Ist denn im Gegenzug durch das Recycling nicht eine höhere Wertschöpfung zu erzielen?“

Ulrich Traxel: „Es gibt Abfallfraktionen, mit denen Werte zu erzielen sind, etwa beim Altpapier oder bei bestimmten Kunststoffen. Das ist mittlerweile ein stabiler Markt. Probleme gibt es beispielsweise, wo in Sandwichbauweise produziert wird, etwa in der Automobilindustrie. Dort sind so viele unterschiedliche Stoffe verbunden, dass entgegen der gesetzlichen Intention ein sinnvolles Recycling immer schwieriger wird.“

MAGAZIN: „Wer nimmt Ihre Entsorgungsdienstleistung in Anspruch

 

Lothar Ziegler

Lothar Ziegler

Lothar Ziegler: „Das sind zum einen die Privathaushalte, da wir mit unserem Angebot eine sehr gute Ergänzung zu den landkreiseigenen Wertstoffhöfen bieten. Zum anderen nehmen selbstverständlich auch Kommunen und Firmen unsere Dienstleistung in Anspruch. Wir sammeln kommunale Abfälle im Landkreis wie etwa Kunststoffabfälle über den Gelben Sack sowie Dosen und Glas über unsere Containerstandorte, die im gesamten Landkreis verteilt sind. Darüber hinaus entsorgen wir Gewerbemüll und beraten die Unternehmen bei fachlichen Fragen zur Entsorgung. Der Unterschied liegt in der Ausschreibung. Bei öffentlichen Ausschreibungen geht es nur nach dem Preis und da gibt es auch kein Nachverhandeln. Der Konkurrenzkampf ist entsprechend groß. Der Landkreis vergibt für sechs Jahre eine Konzession. Bekommt man sie zugesprochen, werden kurzfristig fünf neue Müllfahrzeuge benötigt. Bekommt man sie nach sechs Jahren nicht mehr wieder, hat man plötzlich fünf Müllfahrzeuge übrig. Das macht es schwierig. Bei einem Unternehmer kann man im persönlichen Gespräch die Preisfindung gestalten.“

MAGAZIN: „Wo sind Sie besser als der Wettbewerb?“

Lothar Ziegler: „Im Hinblick auf fachliche Umsetzung sollten wir alle gleich sein, aber wir sind als Dienstleister vor allem zuverlässig. Wir halten Zusagen und Termine ein, das ist für unsere Kunden ganz wichtig. Wir finden darüber hinaus wirtschaftliche Entsorgungswege; damit können wir auch ganz klar punkten und diesen Preisvorteil können wir dann an unsere Kunden weitergeben.“

MAGAZIN: „Bei der hohen Fachkompetenz benötigen Sie entsprechend Fachkräfte. Wie bekommen Sie diese nach Feuchtwangen?“

Friedrich und Elke Herz

Friedrich und Elke Herz

Elke Herz: „Es ist nicht einfach, Fachkräfte in allen Bereichen zu finden. Sehr schwer ist es auch, gut ausgebildete Fachkräfte wie beispielsweise Bauingenieure für Feuchtwangen gewinnen zu können. Unsere Lebensqualität hier ist von außen offensichtlich nicht gut zu erkennen. Im gewerblichen Bereich kann es vorkommen, dass wir Aufträge und Fahrzeuge haben, aber uns die Fahrer fehlen. Früher sind alle Männer zur Bundeswehr gegangen. Sehr viele haben dort ihren LKW-Führerschein gemacht. Viele von ihnen haben anschließend als Berufskraftfahrer gearbeitet. Wir bilden Berufskraftfahrer aus, um dieser Lücke entgegenzuwirken. Es gibt aber viel zu wenige junge Menschen, die sich für diesen Beruf interessieren, obwohl man hier viel besser verdienen kann als in anderen Berufen. Zudem ist es ein krisensicherer Job, denn es gibt immer weniger Fahrer. Das ist aber nicht bekannt oder die Eltern wollen, dass ihre Kinder etwas ‚Besseres‘ lernen. Darüber können wir lamentieren, aber unsere Aufgabe ist es, für die Zukunft Aufklärungsarbeit zu leisten. Hier haben wir in den letzten Jahren einen Quantensprung gemacht. Aktuell entsteht ein spezieller Werbefilm für Auszubildende; dann stellen unsere Auszubildende in der Schule ihren Beruf selbst vor. Das ist die beste Werbung, wenn sie erzählen, dass es ihnen bei uns gefällt. In naher Zukunft soll auch noch eine Facebook-Seite für die Auszubildenden entstehen. Gern würden wir auch mehr ausländische Arbeitskräfte einstellen, aber die Mitarbeiter müssen einfach der deutschen Sprache in Grundzügen mächtig sein. Gerade bei der Entsorgung geht es um Dokumentation, und da muss man verstehen, was man aufschreibt.“

MAGAZIN: „Wie empfinden Sie die politische Situation für Ihr Unternehmen?“

Friedrich Herz: „Wir sehen Probleme bei der Kalkulierbarkeit der politischen Ausrichtung. Viele Unsicherheiten gibt es derzeit mit einer Rekommunalisierungswelle; da sind wir quasi machtlos. Stromnetze kaufen Kommunen bereits zurück. Nun sehen viele ein Geschäft darin, Wertstoffe wie Papier und Kunststoffe wieder selbst zu sammeln. Das mag in Großstädten funktionieren – dort kommt auch die Idee her. Auf dem Land kann die öffentliche Hand nicht günstiger entsorgen; sie wird wahrscheinlich bis zu 30 Prozent mehr ausgeben.“

MAGAZIN: „Ist das nicht Wettbewerbsverzerrung?“

Ulrich Traxel: „Kommunen haben es nicht nur bei der Mehrwertsteuer leichter, sie haben oft auch keine Konkurrenz. Der kommunale Betrieb übernimmt den Auftrag ohne Ausschreibung. Es gibt keinen weiteren Wettbewerber als Mitbieter; die Preisgestaltung übernimmt er selbst. Damit wird den privaten Anbietern dieses Geschäftsfeld schon von vornherein entzogen.“
MAGAZIN: „Was halten Sie vom ländlichen Standort Feuchtwangen?“

Elke Herz:  „Dieser Standort ist durchaus positiv für uns. In Großstädten herrscht sicherlich ein größerer Verdrängungswettbewerb. Allerdings würde ich mir ein schnelleres Internet wünschen; hier sind die Rahmenbedingungen in den großen Städten einfach besser. Zwar haben wir in 30 Metern Entfernung ein Glasfaserkabel, der Betreiber möchte aber einen fünfstelligen Betrag für den Anschluss. Und solche Voraussetzungen behindern uns in unserer geschäftlichen Entwicklung. Wir denken derzeit bereits über die Zukunft nach, etwa Cloudlösungen bei der Datensicherheit oder Kommunikation mit den Mitarbeitern auf der Baustelle mittels Tablet – alles Dinge, wofür wir eine schnelle Internetverbindung benötigen.“

kg8_6737MAGAZIN: „Ist da die Politik in der Pflicht?“

Friedrich Herz: „Aus meiner Sicht ist die Politik in der Pflicht. Wir haben in Feuchtwangen einen sehr interessanten Standort mit vielen interessanten Unternehmen und sind gut angebunden an die Autobahn. Wir werben mit Interfranken und schaffen es nicht, in einem angestammten Gewerbegebiet die Infrastruktur herzustellen, damit die Unternehmen zukunftsträchtig investieren und sich entwickeln können.“
MAGAZIN: „Wie sehen Sie Ihren Führungsstiel?“

Elke Herz: „Ich würde behaupten, dass wir jeden Mitarbeiter mit seiner Familiengeschichte kennen. Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht, besonders in den letzten Jahren. Die Nähe zu den Mitarbeitern ist mir besonders wichtig, bei uns stehen die Türen immer offen. Täglich machen wir einen Rundgang durch die Firma, um mit den Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. So kann ich Stimmungen und Meinungen wahrnehmen. Das merkt man zum Beispiel bei Bewerbungen, wenn sich Leute bei uns bewerben, nur weil sie gehört haben, dass Menschlichkeit bei uns groß geschrieben wird. Wir verlangen viel von unseren Mitarbeitern, aber sie bekommen viel zurück. Wir veranstalten Mitarbeiterfeste und haben eine Firmenphilosophie erarbeitet, in der es um Fairness, Menschlichkeit und Respekt geht. Und das versuchen wir auch wirklich vorzuleben.“

MAGAZIN: „Gehen die Mitarbeiter auch alle Veränderungen mit?“

still0711_00013Lothar Ziegler: „Mit meinem Eintreten in die Geschäftsführung hat es einige Veränderungen gegeben. Es gab beispielsweise Lieferverträge seit fast 60 Jahren, die aber nicht mehr wirtschaftlich waren. So mussten wir uns von einigen Bereichen trennen. Das kommt nicht bei allen Mitarbeitern gut an. Man hat mir sogar nachgesagt, dass ich die Firma noch ruiniere. Dadurch gab es eine Unsicherheit bei den Mitarbeitern. Gerade durch die Nähe zu unseren Mitarbeitern haben wir es geschafft, dass alle bis auf ganz wenige bei uns geblieben sind. Bei 170 Mitarbeitern spricht das für die Führungsarbeit, die wir machen.“

MAGAZIN: „Ist der Mindestlohn ein Thema für Sie?“

Friedrich Herz: „Ich bin heilfroh, dass er gekommen ist. Die ganze Misere ging vor 15 Jahren in Nordrhein-Westfalen los, wo sich Firmen mit Dumpinglöhnen Aufträge gesichert haben. Da ging es um absolut nicht vertretbare Löhne, mit denen Menschen ihre Familien nicht mehr ernähren konnten. Mit solchen Firmen muss man dann konkurrieren. Wir zahlen schon immer mehr als den Mindestlohn, denn sonst würden wir gar keine Mitarbeiter bekommen. Insofern haben wir mit der Einführung keine Probleme.“

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herz_logoElke Herz (Geschäftsleitung)
Herz Entsorgung und Logistik GmbH
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elke.herz@herz-feuchtwangen.de | www.herz-feuchtwangen.de

Neigenfind kleinInterview: Mathias Neigenfind
Chefredakteur Business Lounge Magazin

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