Mit einer Betrieblichen Altersversorgung können Unternehmen die Rentenlücke ihrer Angestellten im Alter abmildern – viele Betriebe sind unsicher im Spagat zwischen sozialer Verantwortung und Rechtsanspruch der Mitarbeiter. Das Thema Rente ist ein Dauerbrenner. Fast jedem zweiten Deutschen, der im Jahr 2030 in den Ruhestand geht, droht ein Leben unter der Armutsgrenze – das besagt zumindest eine Studie des Westdeutschen Rundfunks (WDR) aus diesem Jahr. Doch was sind die Auswege aus der Nullzinspolitik und einem Rentenniveau im Sinkflug? Eine Alternative ist die betriebliche Altersvorsorge (bAV). Seit dem Jahr 2002 hat jeder Arbeitnehmer, der in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, einen Rechtsanspruch auf eine betriebliche Altersversorgung in Form einer Gehaltsumwandlung. Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, diese finanziell aufzustocken, kann es aber freiwillig. Es gibt nur Wenige, die sich bei diesem komplexen Thema in der Tiefe sehr gut auskennen. Einer von ihnen ist der bAV-Experte Anton Wittmann, der zahlreiche Unternehmen in ganz Deutschalnd berät. Mit ihm hat das Business Lounge Magazin über die verschiedenen Möglichkeiten gesprochen.

MAGAZIN: „Warum haben viele Unternehmer das Thema betriebliche Altersversorgung noch nicht auf ihrem Schirm?“

Anton Wittmann: „Vielen Arbeitgebern ist nicht bewusst, dass die betriebliche Altersversorgung in das Arbeitsrecht eingreift und keine vertraglich vereinbarte Versicherungsleistung ist. Dabei handelt es sich ausschließlich um eine Versorgungszusage des Arbeitgebers an den Arbeitnehmer, die in einem ergänzenden Arbeitsvertrag geregelt ist. Grundlage ist das Betriebsrentengesetz, ein Arbeitnehmerschutzgesetz. Der Arbeitnehmer schließt also keinen Versicherungsvertrag ab, auch wenn es vielleicht so scheint. Das wird allerdings von vielen Arbeitgebern häufig anders wahrgenommen, die sich dann fragen, warum sie eine Haftung haben sollen, wenn der Arbeitnehmer einen Versicherungsvertrag abschließt.“

MAGAZIN: „Was sind die größten Missverständnisse?“

Anton Wittmann: „Viele Arbeitgeber argumentieren, dass der Arbeitnehmer in die Versorgung einzahlt. Das ist allerdings nicht richtig, der Arbeitnehmer gibt vielmehr sein Geld dem Arbeitgeber im juristischen Sinne nach Treu und Glauben, damit dieser für ihn eine vernünftige betriebliche Altersversorgung gewährleistet. Der Arbeitgeber spart also gewissermaßen für den Arbeitnehmer. Das ist der Kern der betrieblichen Altersversorgung, und nicht etwa ein Versicherungsvertrag, den der Arbeitnehmer mit einem Versicherer abgeschlossen hat.“

MAGAZIN: „Jeder Arbeitnehmer hat ein Recht auf betriebliche Altersversorgung. Beruft sich ein Mitarbeiter auf dieses Recht, dann muss der Arbeitgeber darauf reagieren. Warum ist es für Unternehmen wichtig, sich schon vorab mit dem Thema zu befassen?“

Anton Wittmann: „Um ihr eigenes Risiko bei der betrieblichen Altersversorgung besser managen zu können. Nehmen wir als Beispiel einen Arbeitnehmer, dessen Nachbar nebenberuflich Versicherungen verkauft und dem Arbeitnehmer einen Versicherungsvertrag ausstellt, den er seinem Arbeitgeber vorlegen soll. Wenn dieser den Vertrag unterschreibt, geht er eine arbeitsvertragliche Verpflichtung ein, ohne unter Umständen genau zu wissen, was er arbeitsrechtlich zugesagt hat. Der Arbeitgeber haftet dann für die vertraglich vereinbarten Inhalte. Trägt zum Beispiel der Arbeitnehmer oder der Versicherungsberater einen falschen Hinterbliebenen, als die in der Verwaltungsvorschrift genannten, als Erben ein, handelt es sich nicht mehr um eine betriebliche Altersversorgung und es können demzufolge auch keine Sozialversicherungs- und Steuerersparnisse geltend gemacht werden. Der Arbeitgeber ist aber allein dafür verantwortlich, dass die Sozialversicherungsbeiträge überwiesen werden. Wenn er sich rechtzeitig um das Thema betriebliche Altersvorsorge kümmert, kann er die ganzen Haftungsfelder eliminieren.“

MAGAZIN: „Es kann also nur im Interesse des Arbeitsgebers sein, von sich aus aktiv zu werden, um zu verhindern, dass jeder Arbeitnehmer sein eigenes Süppchen bei der betrieblichen Altersvorsorge kocht?“

Anton Wittmann: „Genau, das ist das sogenannte Direktionsrecht des Arbeitgebers, das bereits mehrfach vom Bundesarbeitsgericht bestätigt wurde. Da der Arbeitgeber haftet, obliegt ihm allein die Gestaltung der betrieblichen Altersversorgung. Der Arbeitnehmer hat kein Mitspracherecht, außer der Arbeitgeber handelt nicht. Dann kann der Arbeitnehmer über die Versorgung bestimmen.“

MAGAZIN: „Welche verschiedenen Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung gibt es?“

Anton Wittmann: „Es gibt fünf Möglichkeiten für den Arbeitgeber, die betriebliche Altersversorgung für den Arbeitnehmer zu gestalten: die Direktversicherung, die Pensionskasse, den Pensionsfonds, die Unterstützungskasse und die Pensionszusage. Das sind die fünf Möglichkeiten, wo der Arbeitgeber Geld anspart, um seine arbeitsrechtliche Zusage zu erfüllen. Diese verschiedenen Durchführungswege haben aber sehr individuelle Unterschiede, die der Arbeitgeber kennen sollte.“

MAGAZIN: „Bei dem Wohl der Arbeitnehmer im Alter geht es auch um eine soziale Verantwortung. Sehen Sie den Arbeitgeber hier in der Pflicht?“
Anton Wittmann: „Absolut – eine betriebliche Altersversorung einzurichten, die dem Arbeitnehmer eine Förderung von ungefähr 65 Prozent ermöglicht, kostet den Arbeitgeber nur die Bereitschaft, sich  mit dem Thema auseinanderzusetzen. Bei einem Beitrag von 100 Euro gibt es rund 40 Euro staatlichen Zuschuss. Der Arbeitgeber gibt ca. 25 Euro hinzu, die er bei der Sozialversicherung einspart. Für ihn ist es also ein Nullsummenspiel. Somit bekommt der Arbeitnehmer 65 Euro Förderung. Das ist gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ein wichtiger Aspekt für den Arbeitgeber.“

Das Business Lounge Magazin hat eine ganze Reihe Unternehmen befragt, wie sie die betriebliche Altersversorgung umsetzen und ob es für sie auch ein Marketinginstrument ist. Einige Praxisbeispiele sind im Folgenden zusammengefasst.

Marion Matuschowitz, Personalverantwortliche der GVE Viehbeck Engineering + Systemtechnik GmbH

Marion Matuschowitz, Personalverantwortliche der GVE Viehbeck Engineering + Systemtechnik GmbH

GVE Viehbeck Engineering + Systemtechnik GmbH, Ansbach
Das mittelständische Unternehmen GVE Viehbeck Engineering + Systemtechnik GmbH mit Firmensitz im Technologiepark in Ansbach fördert seine Arbeitnehmer bei der betrieblichen Altersvorsorge mit einem freiwilligen Beitrag zusätzlich zum Gehalt. Außerdem gibt es einen arbeitgeberfinanzierten monatlichen Zuschuss in Höhe eines bestimmten Prozentsatzes des monatlichen Entgeltumwandlungsbetrags. „Die Mitarbeiter bekommen einmal einen festen Betrag von uns und einen Zuschuss“, erklärt Marion Matuschowitz, die sich in dem Unternehmen um die Vorbereitung der Buchhaltung, Personalangelegenheiten und die betriebliche Altersvorsorge kümmert. „Der Arbeitgeber spart sich die Sozialversicherung für den Beitrag, und diesen geben wir selbstverständlich an den Arbeitnehmer weiter.“ Von zwölf Mitarbeitern haben sechs eine betriebliche Altersvorsorge über GVE.
Die bAV ist für das Unternehmen ein wichtiger Vorteil gegenüber den Mitbewerbern. Denn wenn es auf der Suche nach neuen Mitarbeitern ist, kann es dabei mit der bAV punkten. „Die betriebliche Altersvorsorge ist für uns eine Möglichkeit, die Beschäftigten zu motivieren, und sie ist auch ein Instrument zur Mitarbeiterbindung“, sagt Matuschowitz. Aber natürlich liegt dem Unternehmen ebenfalls die finanzielle Zukunft der Arbeitnehmer am Herzen. „Das Rentenniveau sinkt immer weiter – 2030 beträgt es nur noch 43 Prozent – wie aus der Fachpresse bekannt ist. Das ist schon sehr bedenklich“, so die Ansprechpartnerin zum Thema bAV bei GVE. „Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter den Lebensstandard, den sie während ihres Erwerbslebens haben, auch im Alter halten.“ Das Unternehmen arbeitet mit einem Fachanwalt für Steuerrecht und einer Kanzlei für Arbeitsrecht und internationale Vertragsgestaltung zusammen; bei der bAV setzt es auf ein unabhängiges Beratungshaus. 1996 gründete Günther Viehbeck das Unternehmen. Als Systemlieferant der Schienenfahrzeugindustrie beliefert es Siemens, Bombardier, Stadler und die Deutsche Bahn europaweit und ist auch in internationale Projekte eingebunden. Die Produktpalette reicht von Haltestangen-Systemen in Nahverkehrszügen und Straßenbahnen bis zu Sonderlösungen. So stattet das Unternehmen beispielsweise den Führerstand des neuen Gotthardzuges Giruno in der Schweiz aus.

Patricia Hart, Personal- und Finanzleiterin Tikkurila GmbH

Patricia Hart, Personal- und Finanzleiterin Tikkurila GmbH

Tikkurila GmbH, Ansbach
PIGROL als Unternehmen und als Marke hat eine lange und bewegte Geschichte: Seit der Gründung 1934 als Piller & Grau KG in Ansbach sind mehr als acht Jahrzehnte vergangen. Seit 2001 ist PIGROL Teil des finnischen Konzerns Tikkurila, Ende 2013 erfolgte dann auch die Umbenennung in Tikkurila GmbH. Mit seinen innovativen Produkten gilt das Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitern als namhafter Spezialist für Holzanstrich-Systeme und Farben für den Innen- und Außenbereich; zu den Produkten gehören unter anderem Lasuren, Wandfarben, Lacke, Holzschutzmittel und Fassadenfarben. „Bei der betrieblichen Altersversorgung setzt das Unternehmen auf die Pensionskasse“, sagt Personal- und Finanzleiterin Patricia Hart. „Wir haben uns dazu entschlossen, weil wir unsere Mitarbeiter auch im Alter versorgen möchten. Wohin sich die Rente in Zukunft entwickeln wird, ist nicht abzusehen.“

Rund 60 Prozent der Beschäftigten nutzen die Möglichkeit der bAV, die restlichen hatten bei der Einführung der Pensionskasse schon selbst vorgesorgt. Vor allem bei neuen Mitarbeitern und Bewerbern wirbt der fränkische Farbenhersteller mit der betrieblichen Altersversorgung. „Wir sehen die bAV auch als Mittel der Mitarbeiterzufriedenheit“, erklärt die Personalchefin. „Wenn ein Mitarbeiter noch zusätzlich eine Gehaltsumwandlung machen möchte, ist das auch kein Thema.“ Wenn Fragen bei den Beschäftigten zur Pensionskasse auftauchen, dann ist Patrica Hart die erste Ansprechpartnerin im Unternehmen. Aber: „Ich kann nicht alles wissen. Wenn ich nicht weiter weiß, wende ich mich an einen externen Experten.“ Wenn es wirklich kompliziert wird und die Fragen nicht mehr telefonisch abgeklärt werden können, kommen die Berater ins Unternehmen, um mit den Arbeitnehmern persönlich zu sprechen.

Susanne Oppel, Autohaus Oppel GmbH

Susanne Oppel, Autohaus Oppel GmbH

Autohaus Oppel GmbH, Ansbach
Die Autohaus Oppel GmbH mit Hauptsitz in Ansbach-Elpersdorf bietet seinen Mitarbeitern bei der betrieblichen Altersversorgung eine Direktversicherung an und bezuschusst auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Für Geschäftsführerin Susanne Oppel ein wichtiges Thema. Denn gerade die jüngeren Mitarbeiter kümmern sich ihrer Meinung nach zu wenig um eine sichere Zukunft im Alter: „Viele haben nur eine geringe Ahnung davon, was sie mal mit 65 oder 70 Jahren als Rente herausbekommen. Deswegen sehe ich es als soziale Pflicht, die Mitarbeiter zu unterstützen.“ 140 Beschäftigte inklusive Auszubildende hat das Unternehmen derzeit, rund die Hälfte nutzt die betriebliche Altersvorsorge, schätzt Susanne Oppel.

Als Marketingmaßnahme nach außen wirbt der Betrieb nicht mit der bAV. Die Leistungen werden nur nach innen oder bei Bewerbungsgesprächen kommuniziert. Bei der Umsetzung arbeitet das Unternehmen mit einem externen Dienstleister zusammen. Susanne Oppel sieht die bAV auch als Instrument der Mitarbeiter-Zufriedenheit und für die Motivation. „Das sind wichtige Punkte, deswegen haben wir uns auch entschlossen, die betriebliche Altersversorgung anzubieten“, erklärt die Geschäftsführerin. Erste Schritte in die Richtung begann das Unternehmen schon im Jahr 2000. Zwei- bis dreimal pro Jahr ist der Dienstleister an den insgesamt sechs Standorten in Bayern und Sachsen unterwegs, falls Fragen bei den Beschäftigten auftreten. Das Autohaus Oppel ist autorisierter Partner von Mercedes-Benz für PKW und Nutzfahrzeuge. Johann und Walburga Oppel gründeten das Unternehmen 1928 als Spedition, seit 1970 ist es am heutigen Firmensitz in Ansbach-Elpersdorf. Die gesamte Firmengruppe Oppel beschäftigt insgesamt rund 400 Mitarbeiter.

Anne Bock, Personalchefin Jack Link’s LSI - Germany GmbH

Anne Bock, Personalchefin Jack Link’s LSI – Germany GmbH

Jack Link’s LSI – Germany GmbH, Ansbach
Die Jack Link’s LSI – Germany GmbH in Ansbach setzt bei der betrieblichen Altersversorgung für seine Mitarbeiter auf drei Bausteine: Zum einen zahlt der Arbeitgeber monatlich einen bestimmten Beitrag an die Beschäftigten, zum anderen unterstützt das Unternehmen die Mitarbeiter bei der Entgeltumwandlung. Das bedeutet, wenn der Arbeitnehmer 1,25 Prozent des Entgelts umwandelt, zahlt der Snackhersteller drei Prozent zusätzlich obendrauf. Außerdem gibt das Unternehmen die Sozialversicherungsbeiträge, die es sich einspart, an seine Arbeitnehmer weiter. „Wir sehen gerade, dass der Markt der potenziellen Mitarbeiter immer kleiner wird“, erklärt Personalchefin Anne Bock. „Die bAV ist ein Instrument, die Beschäftigten an uns zu binden. Aber wir sehen auch die soziale Komponente. Die gesetzliche Rente reicht definitiv nicht, und deswegen wollen wir unsere Mitarbeiter zusätzlich unterstützen.“

Die bAV scheint gut anzukommen. Von insgesamt 457 Beschäftigten haben 99,9 Prozent eine betriebliche Altersversorgung. „Mir fällt kein Mitarbeiter ein, der keine bAV hat“, sagt Anne Bock. Aber das kann auch an der jahrelangen Tradition liegen, denn schon früher, als das Unternehmen zum britisch-niederländischen Konzern Unilever gehörte, war es Pflicht, 1,25 Prozent Entgelt umzuwandeln, so die Personalverantwortliche. „Dadurch haben unsere Mitarbeiter natürlich schon viele Erfahrungen mit der bAV gesammelt“, so Anne Bock weiter. „Als wir von Jack Link’s im Jahr 2014 gekauft wurden, haben wir ein neues Konzept erarbeitet, weil wir bei Unilever mit der bAV nicht mehr bleiben konnten.“ Ein unabhängiger Finanzexperte begleitete den gesamten Prozess und kümmerte sich um individuelle Konzepte, maßgeschneidert auf die Bedürfnisse des einzelnen Mitarbeiters. „Alle haben teilgenommen, selbst Beschäftigte über 50 Jahre, bei denen man sich eigentlich fragt, ob es sich überhaupt noch lohnt“, stellt Anne Bock im Nachhinein fest. Jack Link’s ist ein 1886 in den USA gegründetes Familienunternehmen, das mit 4.500 Mitarbeitern weltweit Fleischsnacks herstellt. Das Werk in Ansbach produziert alle Produkte der Kult-Marke BiFi und Peperami.

Gründer Robert Bosch

Gründer Robert Bosch

Robert Bosch GmbH, Ansbach und Crailsheim
Die betriebliche Altersversorgung hat in Deutschland eine lange Tradition: Schon mit Beginn der industriellen Revolution richteten erste Unternehmen ein Versorgungswerk ein, um Mitarbeiter bei Invalidität oder im Alter finanziell zu unterstützen. Eine noch längere Tradition hat die betriebliche Alterssicherung der Bergleute (Knappschaft). Auch Robert Bosch erkannte sehr früh, wie wichtig es ist, für seine Mitarbeiter im Alter Vorsorge zu treffen. Zum 1. Januar 1927 führte das Unternehmen mit der Bosch-Hilfe eine Alters- und Hinterbliebenenversicherung ein, die die Arbeitnehmer und ihre Angehörigen absichern sollte. Die Gründung des Bosch-Hilfe e. V. markiert den Beginn der betrieblich gewährleisteten Altersversorgung im Unternehmen. Im Jahr 2002 hat die Robert Bosch GmbH den Bosch Pensionsfonds gegründet. Angespart werden eineinhalb Prozent des steuerpflichtigen Einkommens sowie neun Prozent jenes Einkommens, das über der Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung liegt. Zusätzlich können die Mitarbeiter freiwillige Beiträge in den Pensionsfonds zahlen. Nach fünfjähriger Zugehörigkeit zu Bosch kann die Betriebsrente von jedem in Anspruch genommen werden, wenn er im Alter von mindestens 60 Jahren das Unternehmen verlässt. Und der Mitarbeiter hat die Wahl, ob er das angesparte Geld als einmalige Leistung, in Raten oder als lebenslange Rente haben will.

Der Pensionsfonds ist geschlossen: Er steht lediglich Mitarbeitern des Unternehmens und dessen Tochtergesellschaften offen. Auf seinen Karriereseiten wirbt der Konzern aktiv mit seinen Leistungen für die Beschäftigten im Alter. Unter der Internetadresse „www.boschvorsorgeplan.de“ finden Mitarbeiter weitere Informationen zum Pensionsfonds. Robert Bosch gründete das Unternehmen 1886 als „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ in Stuttgart. Es beschäftigt in Deutschland 132.000 Mitarbeiter an 80 Standorten, unter anderem in Ansbach-Brodswinden und Crailsheim. Rund um den Globus sind es 375.000 Beschäftigte. Vergangenes Jahr erwirtschaftete das Unternehmen mit weltweit 70,6 Milliarden Euro den höchsten Umsatz in der Firmengeschichte.

Bettina Wolfarth, Steuerberaterin und geschäftsführende Gesellschafterin, sowie Rechtsanwältin Annemarie Hermann (v.l.), LHP Gruppe

Bettina Wolfarth, Steuerberaterin und geschäftsführende Gesellschafterin, sowie Rechtsanwältin Annemarie Hermann (v.l.), LHP Gruppe

LHP Gruppe, Ansbach, Bad Windsheim und Uffenheim
Die LHP Gruppe – Steuerberatung, Rechtsberatung, Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung baut gerade ein Versorgungswerk auf und lässt sich dabei von einem bAV-Experten beraten. Rund 40 Prozent der Mitarbeiter nutzen im Moment die betriebliche Altersvorsorgung. Viele Mitarbeiter bringen schon einen Vertrag eines vorherigen Arbeitgebers mit, was die bAV betrifft. „Wenn es möglich war, übernahmen wir den Vertrag, erklärt Bettina Wolfarth, Steuerberaterin und geschäftsführende Gesellschafterin. „Viele verschiedene Anbieter und Vertragsarten zu übernehmen bringt jedoch wachsende Risiken für das Unternehmen. Ein einheitliches Angebot im Rahmen eines Versorgungswerkes mit einer klaren Versorgungsordnung und der Festlegung geeigneter Anbieter bringt auch für den Arbeitgeber Haftungssicherheit“, so Annemarie Hermann, Rechtsanwältin und verantwortlich für die arbeitsrechtlichen Belange bei der LHP Gruppe.

„Wir sehen uns als Arbeitgeber in der Fürsorgepflicht, unseren Mitarbeitern eine Möglichkeit zur Altersvorsorge und darüber hinaus auch zusätzliche Vorteile, wie z. B. eine Absicherung der Berufsunfähigkeit und Zusatzleistungen im Bereich der Krankenversicherung zu bieten.“ Über steuerfreie Zuschüsse, die der Arbeitgeber zu den Beiträgen des Arbeitnehmers leisten kann, erhöht sich die Versorgung des Einzelnen. Für die Mitarbeiter des Unternehmens wurden bereits einige Veranstaltungen durchgeführt, um über das Thema bAV zu informieren. „Zur Mitarbeitergewinnung kommunizieren wir die bAV derzeit noch nicht, wollen aber das neue Versorgungswerk künftig als positives Merkmal unseres Unternehmens vorstellen“, so Bettina Wolfarth.

Die LHP Gruppe steht seit mehr als 50 Jahren für Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Rechtsberatung und Unternehmensberatung. Diese vier Bereiche ermöglichen eine optimale Beratung der Mandanten. An den Standorten Ansbach, Bad Windsheim und Uffenheim arbeiten rund 95 Mitarbeiter.

Franken Brunnen GmbH & Co. KG, Neustadt/Aisch
Harald Riegler ist Personalleiter bei der Franken Brunnen GmbH & Co. KG in Neustadt/Aisch. Seit Jahren setzt das Unternehmen auf die „Pensionskasse Ernährung und Genuss“ (PEG), die innerhalb der Hamburger Pensionskasse von 1905 geführt wird. Die Arbeitgeberverbände der Ernährungsindustrie und die Gewerkschaften haben im Jahr 2002 nahezu flächendeckend einen Tarifvertrag zur Altersvorsorge abgeschlossen. Rund 160.000 Arbeitnehmer sind Mitglieder der Pensionskasse Ernährung und Genuss. „Was wir später mal vom Vater Staat bekommen, wird uns hinten und vorne nicht reichen. Deswegen ist die betriebliche Altersvorsorge sinnvoll“, erklärt Harald Riegler. Von den aktuell rund 800 Mitarbeitern sind 750 Mitglieder der PEG. Die Verzinsung liegt momentan bei vier Prozent. „Wenn beratende Unternehmen zu mir kommen, um über das Thema zu reden, erzähle ich ihnen von der Verzinsung. Dann sagen sie zu mir: Danke Herr Riegler für die Zeit. Darf ich meinen Kaffee noch austrinken?“, erklärt der Personalchef.

Die gesamten Gelder fließen vor dem 31. Dezember per Gutschrift an die Hamburger Pensionskasse. „Die Betriebsräte sind voll im Thema drin, und wir halten uns auch wechselseitig auf dem Laufenden“, so Harald Riegler. „Es ist ein flächendeckendes Thema, wo wir alle – Gewerkschaft, Arbeitgeberverband und Betriebsräte – im Schulterschluss endlich mal ein Thema haben, bei dem es keine Gegensätze gibt.“ Franken Brunnen wirbt auch auf seinen Karriereseiten bei den offenen Stellen im Internet mit der Pensionskasse. Mehrmals im Jahr führt die Hamburger Pensionskasse Veranstaltungen durch, wo sie über Updates informiert, und sie versendet regelmäßig Newsletter. „Die Zusammenarbeit läuft ganz hervorragend“, so Riegler weiter. Die Familie Hufnagel gründete das Unternehmen 1932 in Neustadt/Aisch, füllte Mineralwasser ab und vertrieb es in den Anfangsjahren nur lokal. Heute füllt Franken Brunnen pro Jahr rund 610 Millionen Liter Getränke an sieben Standorten ab – insgesamt 19 Marken zählen zu dem fränkischen Unternehmen.

Mondi Wellpappe Ansbach GmbH

Mondi Wellpappe Ansbach GmbH

Mondi Wellpappe Ansbach GmbH
Die Mondi Wellpappe Ansbach GmbH im Industriegebiet von Brodswinden hat schon sehr früh damit begonnen, seinen Mitarbeitern eine betriebliche Altersversorgung anzubieten – und zwar schon in den 1980er Jahren. Das Unternehmen setzt dabei auf die Pensionskasse, auf die ein Beschäftigter Anspruch hat, wenn er fünf Jahre bei Mondi tätig ist. Das Unternehmen zahlt die Beiträge für die Mitarbeiter ein, die Leistungen im Ruhestand fließen über die Pensionskasse. Ein gutes Modell für das Unternehmen, da selbst im Falle einer Insolvenz von Mondi die Beschäftigten weiter ihr Geld im Alter beziehen.

Für Ewald Marquardt, Leiter des Rechnungswesens, zeigt die lange Betriebszugehörigkeit vieler Mitarbeiter den Erfolg der bAV. „Natürlich macht Geld alleine nicht glücklich“, stellt er fest. „Aber unsere betriebliche Altersversorgung ist ein Bonbon obendrauf, denn wir wollen zufriedene Arbeitnehmer und auch, dass sie möglichst lange bei uns im Unternehmen bleiben.“ Von insgesamt 280 Mitarbeitern bauen rund 220 auf die bAV. Dennoch empfiehlt Ewald Marquardt seinen Beschäftigten, dass sie auch privat Geld für die spätere finanzielle Absicherung aufwenden. „Die bAV ist nur eine der drei Säulen der Alterssicherung in Deutschland“, so der Leiter des Rechnungswesens. „Daneben gibt es die staatliche Regelsicherung, aber auch die individuelle Versorgung.“ Das Unternehmen produziert Wellpappenformate, Transport- und Verkaufsverpackungen. Richard Schumacher gründete 1902 in Nürnberg die nach eigenen Angaben erste Wellpappefabrik Bayerns. In den 1970er Jahren trat das Unternehmen der österreichischen Duropack-Gruppe bei, 1977 zog der Betrieb nach Ansbach um. Heute gehört er zur Mondi Gruppe.

Helukabel - das Werk in Windsbach

Helukabel – das Werk in Windsbach

Helukabel GmbH, Windsbach
Karin Skrzynik ist bei der Helukabel GmbH am Stammsitz im baden-württembergischen Hemmingen (Landkreis Ludwigsburg) Leiterin der Gehalts- und Lohnbuchhaltung. Bei ihr laufen die Fäden zusammen, was die betriebliche Altersversorgung für die Werke in Deutschland betrifft. Auch die Produktionsstätte in Windsbach (Landkreis Ansbach) fällt in ihr Aufgabengebiet. Seinen Mitarbeitern bietet das Unternehmen eine bAV über Direktversicherungen, der Klassiker bei der betrieblichen Altersversorgung. „Uns ist es wichtig, dass die Beschäftigten später auf ihre Rente noch etwas zusätzlich obendrauf bekommen“, erklärt Karin Skrzynik. Rund 650 Mitarbeiter hat Helukabel in Deutschland, doch nur ein Drittel davon, hat sich für eine Direktversicherung entschieden. „Wir hatten schon viele Veranstaltungen zum Thema bAV im Haus, aber viele Beschäftigte sind skeptisch, weil sie sich so lange binden und das Geld erst im Alter bekommen“, so Skrzynik.

Das Unternehmen hat einen Rahmenvertrag mit einem der weltgrößten Versicherungskonzerne. Ein Berater steht den Arbeitnehmern bei Fragen zur Verfügung, im Unternehmen selbst ist der Versicherungsberater regelmäßig zu Gast. Vor allem bei neuen Bewerbern wirbt Helukabel mit der Möglichkeit, eine Direktversicherung für sie abzuschließen. Aber auch unter den Mitarbeitern rührt Karin Skrzynik auf Veranstaltungen die Werbetrommel für die Möglichkeit der bAV. „Viele machen auch privat nichts, die wenigsten Beschäftigten machen sich Gedanken darüber, was im Alter finanziell auf sie zukommt“, sagt die Leiterin der Gehalts- und Lohnbuchhaltung. Helmut Luksch gründete Helukabel im Jahr 1978 als Vertriebsunternehmen für Kabel, Leitungen und Zubehör. Mit der Eröffnung des Werks in Windsbach begann die Eigenproduktion von Kabeln. Das Unternehmen hat weltweit rund 1.200 Mitarbeiter und – neben Deutschland – Standorte unter anderem in Vietnam, Portugal, Russland, USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Im Moment wird der Standort in Windsbach erweitert.

Wahlers Forsttechnik GmbH, Uffenheim
Seit 1999 ist Uffenheim-Langensteinach (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) die süddeutsche Zentrale der Wahlers Forsttechnik GmbH, die ihren Hauptsitz in Niedersachsen hat. Vor acht Jahren führte der Familienbetrieb eine betriebliche Altersversorgung ein. „Wir haben die bAV nach den Wünschen der Mitarbeiter angepasst“, erklärt Annegret Wahlers-Dreeke, die sich im Unternehmen um Buchhaltung und Marketing kümmert. „Die Altersvorsorge läuft über viele Versicherungen, wir haben bisher nur Ärger und Arbeit damit gehabt.“ Deswegen prüft das Unternehmen zusammen mit einem Finanzexperten die Altverträge, um die bAV zu vereinheitlichen und das Wirrwarr der verschiedenen Anbieter aufzulösen. Schon mehrere Veranstaltungen hat der Betrieb zum Thema Altersvorsorge angeboten, doch bisher herrscht bei den rund 95 Mitarbeitern eine „gewisse Skepsis“, so Annegret Wahlers-Dreeke. Nur ein Drittel der Beschäftigten haben sich für eine bAV entschieden, obwohl auch Zuzahlungen für die vermögenswirksamen Leistungen und zu Bausparverträgen in die betriebliche Altersversorge miteinfließen könnten. „Da müssen wir noch Überzeugungsarbeit leisten, denn ich finde es wichtig, eine betriebliche Altersversorgung zu haben, damit die Mitarbeiter zufrieden sind und auch eine Bindung an das Unternehmen haben“, sagt sie. Johann Wahlers gründete das Unternehmen 1934 als Schmiedebetrieb in Norddeutschland. Seit über 20 Jahren ist es der deutsche Generalimporteur und Servicepartner von finnischen Forstmaschinen.

Für diesen Artikel wurden insgesamt 35 Unternehmen aus der Region befragt. 15 von ihnen bieten eine betriebliche Altersversorgung an, zehn nicht und die übrigen wollten sich nicht zu diesem Thema äußern.

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