Musikfestivals in der Region – ein stetig wachsender Wirtschaftszweig – Der Sommer steht in den Startlöchern, und mit ihm strömen wieder Zehntausende Musikfreunde in die Region, um ihre Lieblingskünstler live zu erleben. Die Fans haben dabei die Qual die Wahl zwischen großen Festivals oder eher kleineren familiären Events. Wie auch immer die Entscheidung am Ende lautet – klar ist, dass die Musikveranstaltungen für die Städte und Gemeinden ein Imagegewinn sind. Außerdem lassen die Festivalbesucher Geld in der Region, unter anderem bei den Einzelhändlern und Gastronomen. Und natürlich verdienen auch die Veranstalter selbst, wobei es nicht allen nur um den Profit geht.

Viele haben im Kleinen begonnen, an ein wirtschaftlich lukratives Geschäft haben da zunächst nur wenige gedacht. Doch einige Festivals in der Region haben eine Größe erreicht, wo es auch um viel Geld geht. Das zeigt sich schon an den Gagenzahlungen, die gewaltige Dimensionen erreicht haben. Denn durch rückläufige CD-Verkäufe sind die Gagen vieler Bands kräftig gestiegen. Kleine Firmen sind entstanden, die einzelne Festivals von Jahr zu Jahr vorbereiten und für große Besucherströme in die Region sorgen. Auch wenn es keine belastbare Zahlen über den zusätzlichen Umsatz gibt, aber in den Festival-kommunen ist man sich einig: Da bleibt vor Ort einiges hängen.

Taubeltal Festival 1

Das Taubertal-Festival unterhalb von Rothenburg

Taubertal-Festival, Rothenburg
Die Eiswiese im malerischen Städtchen Rothenburg ob der Tauber (Landkreis Ansbach) besitzt längst Kultstatus – seit 1996 steigt hier das berühmte Taubertal-Festival. Dabei waren die ersten beiden Jahre ein wirtschaftlicher Reinfall: Das Festival war für 9.000 Besucher ausgelegt, doch es kamen nur 1.900 Musikfans. „Im dritten Jahr ist der Knoten geplatzt, und seitdem ist die Veranstaltung jedes Jahr ausverkauft“, sagt Florian Zoll, verantwortlich für Presse und Marketing. „2016 erwarten wir ein weiteres ausverkauftes Festival. Je nachdem wie viele Tageskarten wir absetzen können, werden es zwischen 16.000 und 19.000 Besucher sein.“ Auf die Musikfans warten vom 12. bis zum 14. August bekannte Acts wie die Fantastischen Vier oder Limp Bizkit. Das Festival hat sich schon längst in Deutschland als feste Größe etabliert. Immer im August lädt das Taubertal-Festival mit internationalen Mega-Acts zu einem beispiellosen Großevent, das Feiern und Umweltschutz, ausgelassene Stimmung und Naturbewusstsein miteinander verbindet. Der Charakter vor Ort ist und bleibt der Liebe zur Region geschuldet: Alle Jahre wieder machen sich die Verantwortlichen Gedanken zum Thema Umweltschutz. So wird die Veranstaltung ausschließlich mit Ökostrom versorgt, es gibt ein ausgetüfteltes Müllsystem und Green Camping für umweltbewusstes Zelten. Trotz der Tatsache, dass das Open Air jeden Sommer ausverkauft ist, verzichten die Veranstalter bewusst auf eine Ausweitung, um sich von dem anonymen Flair vieler Massenveranstaltungen zu unterscheiden. Beim Taubertal-Festival gibt es drei Bühnen: seit eh und je die zwei großen Bühnen, die Hauptbühne und die „Sounds-For-Nature“-Bühne sowie die 2008 etablierte Aftershow-Bühne im Steinbruch für die besonders Feierwütigen. Und auch auf die Stadt selbst färbt das Festival positiv ab. „Durch die Besucher wird die Einwohnerzahl Rothenburgs mehr als verdoppelt. Viele schauen sich auch die Stadt an“, erklärt Florian Zoll. „Wir gehen davon aus, dass das Festival einen positiven Effekt auf den Rothenburger Einzelhandel und die Gastronomie hat. Dazu kommt ein massiver Imagegewinn für die Stadt, da das Taubertal-Festival mittlerweile europaweite Bedeutung erreicht hat.“

Beim Summer Breeze geht es eher härter zur Sache

Beim Summer Breeze geht es eher härter zur Sache

Summer Breeze, Dinkelsbühl
Laut und düster hat im Sommer im ansonsten eher lauschigen Dinkelsbühl Tradition: Vom 16. bis 20. August steigt das größte Metal-Festival in Süddeutschland – das Summer Breeze Open Air. Zwischen 37.000 und 40.000 weitestgehend Schwarz gewandete Musikliebhaber der etwas härten Gangart sorgen bei den Einheimischen immer noch für Aufsehen. Jahr für Jahr pilgern die Metalfans auf den Flugplatz des Aeroclubs Dinkelsbühl zwischen Illenschwang und Sinbronn. Achim Ostertag, der Vater des Summer Breeze, gründete das Festival im Jahr 1997 aus einem ganz praktischen Grund: Er spielte selbst in einer Band, die aber nicht allzu oft Auftritte bekam. So entschloss er sich, ein eigenes Festival auf die Beine zu stellen, um dort zu spielen. Anfangs gab es massive Bedenken bei den Kirchen und auch bei den Menschen vor Ort – wegen der zum Teil sehr heftigen Texte der Bands. „Aber über die Jahre haben wir überzeugt, dass wir mit unserem Festival für ein friedliches Miteinander stehen“, erklärt Mitorganisator Ralf Nüsser.

Ralf Nüsser, Mitorganisator von Summer Breeze

Ralf Nüsser, Mitorganisator von Summer Breeze

2006 zog die Veranstaltung von Abtsgmünd in der Nähe von Aalen nach Dinkelsbühl um. Auf insgesamt vier Bühnen treten über 120 Bands auf – darunter die Top-Acts der Szene: Slayer, Subway to Sally und Parkway Drive. „Wir haben in diesem Jahr so viel Geld für die Gagen ausgegeben wie noch nie zuvor“, verrät Ralf Nüsser. „Wir bewegen uns im sechsstelligen Bereich.“ Die Entwicklung, dass Bands wegen rückläufiger CD-Verkäufe bei den Gagen ordentlich zulangen, bestätigt Nüsser. An die Musik-Acts kommt die Silverdust GmbH aus dem baden-württembergischen Salach über Booking-Agenturen, aber die Bands haben auch die Möglichkeit, sich direkt zu bewerben. Schon jetzt kümmern sich bei Silverdust sechs Mitarbeiter um die Vorbereitungen für das kommende Jahr. Für das diesjährige Festival hofft der Mitorganisator auf Temperaturen um 25 Grad und einen leicht-bewölkten Himmel. Für Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer ist das Festival ein echter Zugewinn für die Stadt – natürlich auch für den heimischen Handel und die Gastronomie, aber: „Wenn Summer Breeze ist, dann zeigt das heimelige, liebe Dinkelsbühl auch mal ein anderes Gesicht.“

Bunte Vielfalt beim Afrika-Karibik-Fest in Wassertrüdingen

Bunte Vielfalt beim Afrika-Karibik-Fest in Wassertrüdingen

Afrika-Karibik-Fest, Wassertrüdingen
Bereits zum vierten Mal findet vom 8. bis zum 10. Juli das Afrika-Karibik-Fest in Wassertrüdingen (Landkreis Ansbach) statt. Hinter dem dreitägigen Event steckt die Lauschangriff GmbH aus Großhabersdorf. Geschäftsführer Michael Harich begann vor 17 Jahren mit karibischen Nächten im schwäbischen Oettingen. Vor sieben Jahren startete der Geschäftsführer dann mit dem Afrika-Karibik-Fest. Doch ein schwerer Sturm, bei dem die Wörnitzinsel über eine kleine Brücke evakuiert werden musste, zeigte die Grenzen in Sachen Sicherheit auf. Und auch mehr Fläche für die Besucher musste her. Mit beiden Städten setzte sich der Veranstalter zusammen und die Entscheidung fiel auf Wassertrüdingen. 2013 feierte das Festival in der Wörnitzstadt Premiere. „Wir haben uns von Jahr zu Jahr gesteigert, was die Besucherzahlen betrifft“, erklärt Michael Harich. „Wenn es gut läuft, kommen Freitag und Samstag jeweils 6.000 Besucher und am Sonntag zum Afrika-Markt 15.000 Menschen.“ Das Wetter entscheidet auch über den Erfolg: Bei zu heißen Temperaturen oder Regen gehen bei dem Veranstalter die Mundwinkel nach unten. Neben dem Festivalgelände stehen zwei Campingplätze zur Verfügung, am Sonntag findet ein Markt statt mit zahlreichen Buden, Biergärten und Ständen. Daneben gibt es Aktionen für die ganze Familie.

Geschäftsführer Michael Harich, Lauschangriff GmbH

Geschäftsführer Michael Harich, Lauschangriff GmbH

Schon jetzt laufen die Planungen in dem Vier-Mann-Betrieb für 2017 – die Konkurrenz zwischen den Veranstaltern wächst von Jahr zu Jahr und es wird schwerer, überhaupt passende Künstler zu finden, so Michael Harich. Über Agenturen bekommt der Veranstalter weltweite Angebote, die aber auch preislich stimmen müssen. Denn das Drei-Tages-Ticket kostet 40 Euro. Zum Vergleich: Die Besucher von Rock im Park in Nürnberg zahlen 195 Euro für ein Ticket von Freitag bis Sonntag. „Da sind aber Künstler dabei, bei denen die Gagen schwindelerregende Höhen erreichen“, sagt Michael Harich. Bands wie Jamaram und Mokoomba sorgen in diesem Jahr für karibisches Flair unter den Besuchern. Das Festival ist auch eine Finanzspritze für Wassertrüdingen, sagt Peter Schubert, Geschäftsleiter der Stadtverwaltung: Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie freuen sich über die zusätzlichen Einnahmen durch die Festivalbesucher. Für ein Wochenende verdoppelt sich die Zahl der Einwohner, am Sonntag findet sogar eine Vervierfachung statt. Aber auch für die Einheimischen ist das Fest ein Highlight – die ältesten Musikfans haben das 90. Lebensjahr schon längst überschritten, wie Schubert verrät.

Mark Forster bei den Ansbach Open

Mark Forster bei den Ansbach Open

Ansbach Open
Seit 2001 veranstaltet die mittelfränkische Stadt das Ansbach Open, anfangs noch am Martin-Luther-Platz in der Innenstadt, mittlerweile im schönen Innenhof der Reitbahn mit Blick auf das Schloss. Bei der Auswahl der Künstler arbeitet die Stadt Ansbach schon seit einigen Jahren mit einer Agentur zusammen, die im vergangenen Jahr ein richtig gutes Händchen hatte: Mit dem Doppelkonzert von Andreas Bourani und Mark Foster war die Reitbahn komplett ausverkauft. „Das war für uns eine neue Erfahrung, und bei 4.000 Menschen tragen wir auch eine große Verantwortung“, erklärt Kulturreferentin Ute Schlieker, Leiterin des Amtes für Kultur und Touristik. „Mit der Zahl der Besucher sind wir auf der Reitbahn auch sicherheitstechnisch voll ausgereizt. Da geht es einfach nicht, noch mal 300 Karten zusätzlich zu verkaufen.“

Kulturreferentin Ute Schlieker, Stadt Ansbach

Kulturreferentin Ute Schlieker, Stadt Ansbach

Und mit Andreas Bourani und Mark Foster hatte die Stadt gleich doppeltes Glück, denn die Trendscouts der Konzertagentur entdeckten die Künstler genau zum richtigen Zeitpunkt. „Wir haben die beiden schon sehr früh gebucht, bevor sie so richtig durch die Decke gegangen sind“, erzählt Schlieker im Rückblick. „Zu dem Zeitpunkt der Ansbach Open hätten wir uns die beiden Künstler gar nicht mehr leisten können.“ In diesem Jahr kommen vom 22. bis zum 24. Juli Kult-Liedermacher Wolfgang Ambros zur Abschiedstournee von „Der Watzmann ruft!“, voXXclub und La Goassn sowie das musikalisch hochkarätige Dreiergespann Joris, Philipp Dittberner und Gregor Meyle. Angefangen hat die Veranstaltung als Musikfestival für die Ansbacher und die nähere Region, doch mittlerweile kommen auch zunehmend Touristen gezielt in die Stadt oder auch Tagesbesucher, die abends noch ohne Probleme wieder nach Hause kommen, berichtet die Kulturreferentin. Anders als die großen Festivals, hinter denen Wirtschaftsunternehmen stehen, geht es der Stadt Ansbach nicht darum, dass das Open Air Geld abwirft. Aber: „Die Gagen für die Künstler holen wir immer durch die Eintrittspreise rein, und auch einen Teil der Fixkosten“, so die Kulturreferentin. „Wir stecken natürlich auch Geld in Werbung, aber damit werben wir auch für die Stadt und den Standort. Von daher ist das Festival auch eine gute Investition für das Marketing von Ansbach.“

Hip Hop auf dem Weinturm Open Air

Hip Hop auf dem Weinturm Open Air

Weinturm Open Air, Bad Windsheim
Klein, aber fein: Das Weinturm Open Air auf dem gleichnamigen naturgeschützten Plateau vor den Toren von Bad Windsheim ist unter den Festivals ein absoluter Geheimtipp. Schon zum 39. Mal geht es vom 5. bis zum 7. August an den Start. Robert Hofmann gilt als der Vater der Veranstaltung: In den 1970er Jahre trommelte er ein paar Musikerkollegen aus Nürnberg und der Region zusammen und stellte ein Fest für Freunde und Kollegen auf die Beine. Auch heute noch schaut Robert Hofmann immer mal wieder gerne auf dem Festival vorbei und packt mit an, wenn Not am Mann ist, wie Andreas Weidemann vom Organisationsteam verrät. Hinter dem Fest steckt seit 19 Jahren der Jugend- und Kulturförderverein Bad Windsheim. Deswegen packen auch nur Ehrenamtliche mit an und es geht nicht darum, Geld zu verdienen. „Es ist zwar schön, wenn wir ein Plus machen, aber wir stecken das Geld dann in Künstler fürs kommende Jahr“, so Andreas Weidemann. Und es gibt auch eine ganz klare Trennlinie, bei maximal 3.000 Besuchern ist Schluss auf dem Weinturm-Plateau. Die vergangenen drei Jahre war das Open Air ausverkauft. Am Festivalwochenende selbst sind auf dem Gelände über 100 Ehrenamtliche unterwegs, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Über Agenturen buchen die Veranstalter die Bands oder sie bewerben sich direkt mit einem Demo-Tape. „Wir wollen uns da in keine Schublade pressen lassen“, so Weidemann. „Wir halten uns musikalisch alle Seiten offen, denn wir wollen nicht das Rock-Festival oder Reggae-Festival sein. Wichtig ist für uns nur die Authentizität der Bands.“ Und es gibt noch eine ganz klare Regel: Die Ständebetreiber schenken keinen harten Alkohol aus. Auch der Einzelhandel in Bad Windsheim profitiert von der Veranstaltung, so Andreas Weidemann. Der Verein selbst bucht für das Open Air alleine zwei Hotels für das komplette Wochenende für die Künstler, in diesem Jahr unter anderem für Bukahara, Meute oder Yasmo & Die Klangkantine. „Wir sind absolut gegen Kommerz. Wir wollen familiär sein, nachmittags gibt es ein Programm, das speziell auf Kinder abgestimmt ist“, so Weidemann weiter.

Die Pächter des Altmühlsee-Festivals

Die Pächter des Altmühlsee-Festivals

Altmühlsee-Festival
Sieben Konzerte an einem Abend stehen am 27. August am Altmühlsee auf dem Programm. Zum 14. Mal stellen die Pächter und Gastronomen das Altmühlsee-Festival auf die Beine. Die Bühnen verteilen sich auf die Freizeitanlagen in Mörsach und Gern, das Surfzentrum Schlungenhof, den Erlebnisspielplatz sowie die Seezentren in Gunzenhausen, Wald und Muhr am See. „Musikalisch ist für jeden Geschmack etwas dabei“, davon ist Daniel Burmann, Geschäftsführer des Zweckverbands Altmühlsee, überzeugt. „Es gibt an jeder Station Live-Musik.“ Rock, Schlager, Country oder Oldies gibt es für Tausende Musikfans auf die Ohren. Wobei es mit den genauen Besucherzahlen immer sehr schwierig ist, denn die Veranstaltung ist kostenlos, erklärt Burmann. Auch der Shuttle-Verkehr von Bühne zu Bühne und eine Schifffahrt auf der MS Altmühlsee kosten nichts. Das steuert der Zweckverband zum Festival bei – genauso wie die Werbung. Die Pächter und Gastronomen kümmern sich um den Rest, wie beispielsweise darum, die passende Band zu finden, und sie hoffen auf viele durstige Kehlen und hungrige Besucher. Denn der Umsatz kommt alleine über den Verkauf von Essen und Getränken zusammen. Bei schlechtem Wetter kann das für die Pächter und Gastronomen auch mal in die Hose gehen. Aber sie waren es auch, die vor ein paar Jahren die Idee zum Altmühlsee-Festival hatten, um mehr Besucher an das Gewässer zu locken.

Für das Seenland ist die Veranstaltung ein Image-gewinn, wie Daniel Burmann weiß. „Es gibt Touristen, die kommen ganz gezielt jedes Jahr zum Festival, weil die Atmosphäre rund um den See sehr locker ist.“ Für die Besucher hat der Geschäftsführer noch einen Tipp auf Lager: den Altmühlsee mit dem Fahrrad zu umrunden.