Nach unruhigen Zeiten steuert Claudia B. Conrad ruhigere Gewässer an – Der Klinikverbund ANregiomed ist mit seinen Kliniken in Ansbach, Rothenburg und Dinkelsbühl sowie der Praxisklinik in Feuchtwangen ein wichtiger Standortfaktor für die Region. Die Krankenhausbranche unterliegt starken Herausforderungen – darüber hat das Business Lounge Magazin mit Vorstand Claudia B. Conrad gesprochen.

MAGAZIN: „Wie war Ihr Weg zum Klinikum Ansbach?“

Claudia B. Conrad: „Ursprünglich komme ich aus dem Bereich Krankenpflege. In diesem Beruf habe ich insgesamt elf Jahre gearbeitet, bevor ich mich entschieden habe zu studieren. Ich habe Gesundheitswissenschaften studiert und schließlich Krankenhäuser im Bereich IT und Prozessmanagement beraten. Dort hatte ich Dr. Goepfert kennen gelernt, der mich schließlich in die Region holte.“

MAGAZIN: „Was sind die Herausforderungen beim Führen eines Klinikverbundes?“

Claudia B. Conrad: „Das sind vor allem die sich ständig verändernden Gesetzgebungen und Finan-zierungsrichtlinien, nicht immer zum Vorteil der Krankenhäuser. Wenn wir uns mühevoll auf eine Finanzierungsform ausgerichtet und unsere Strategie angepasst haben, dann ändert es sich in der Regel so gravierend, dass ein kompletter Strategiewechsel notwendig ist. So wird es extrem schwer, Krankenhäuser wirtschaftlich zu führen. Dazu müsste man sich eigentlich spezialisieren, aber das passt nicht zu einem kommunalen Haus mit einem breiten Versorgungsspektrum, so wie wir es sind.“

MAGAZIN: „Woher kommt es, dass Sie wegen der Finanzierung kämpfen müssen?“

Claudia B. Conrad: „In früheren Zeiten war immer klar, dass Krankenversorgung etwas kostet. Das wurde gezahlt, aber letztendlich ist der Einfluss der Krankenkassen immer stärker geworden, die verlangen, dass die Kosten nicht steigen dürfen. Parallel wird bei den Kommunen der Druck größer, die Haushalte nicht übermäßig zu belasten. Ein Krankenhaus, das Verluste schreibt, kann so zu einer großen Belastung werden.“

ANregiomed-Vorstand Claudia B. Conrad

ANregiomed-Vorstand Claudia B. Conrad

MAGAZIN: „Was erwarten Sie von der Politik?“

Claudia B. Conrad: „Von der Politik erwarte ich vor allem, dass sie versteht, dass ein kommunales Krankenhausunternehmen nicht wie ein klassisches Wirtschaftsunternehmen geführt werden kann. Wir erfüllen nicht nur die Minimalanforderungen des gesetzlich festgelegten Versorgungsauftrags, sondern stellen eine flächendeckende und dennoch hochwertige Versorgung der Menschen in unserer Region sicher. Diese Vorgabe kommt von den Trägern, also von Stadt und Landkreis Ansbach. Es muss uns allen klar sein, dass dieses „Mehr“ an Versorgung nicht umsonst zu haben ist und dass auch in Zukunft eventuell Verluste ausgeglichen werden müssen. Ein privater Träger würde bei uns einen kritischen Blick auf Geburtshilfe, Palliativ- und Kinderstation legen. Das sind genau die Bereiche, die private Kliniken ganz schnell schließen, ohne Rücksicht auf eine wohnortnahe Versorgung. Wir haben auch eine Verantwortung für die Bevölkerung – in der medizinischen Versorgung, aber auch als großer Arbeitgeber.“

MAGAZIN: „Warum ist es so schwierig, diese komplexe Materie rüberzubringen?“

Claudia B. Conrad: „Die Materie ist komplex, aber jeder glaubt mitreden zu können, weil er schon mal Kontakt mit einem Krankenhaus hatte und sagt, das kann doch nicht so schwer sein. Das Krankenhaus unterliegt jedoch so vielen Faktoren, dass es nicht mit einfachen Entscheidungen geführt werden kann. Das ist übrigens auch der Grund, warum noch keine ausländischen Klinikunternehmen nach Deutschland gekommen sind.“

MAGAZIN: „Wohin geht die Entwicklung in den nächsten Jahren?“

Claudia B. Conrad: „Wir müssen sicherstellen, dass unsere Kliniken in ihrer breiten Aufstellung bestehen bleiben. Zusätzlich müssen wir beharrlich immer wieder bekannt machen, welche gute Krankenversorgung die Region bietet. Ziel ist es, unsere Angebote immer besser den Bedürfnissen unserer Patienten anzupassen. Unser Klinikverbund bietet dazu viele Vorteile.“

MAGAZIN: „Wie schaffen Sie es, alle Ihre Mitarbeiter bei den ständigen Veränderungen mitzunehmen?“

Claudia B. Conrad: „Das ist auch bei uns eine schwierige Aufgabe, und das gelingt leider nicht immer. Aus meiner Überzeugung kann das nur durch intensive Kommunikation gelingen. Man muss immer wieder erklären, warum man etwas tut, denn Veränderung kann ich nur dann angstfrei begleiten, wenn der Mitarbeiter weiß, wohin diese führt und was das für ihn bedeutet. Das benötigt ganz viel Vermittlung des gemeinsamen Ziels, Ängste ernst zu nehmen und darüber zu reden.“

MAGAZIN: „Haben Sie ein Problem an Fachkräfte zu kommen?“

Claudia B. Conrad: „Wir bekommen Pflegekräfte noch relativ gut. Das liegt daran, dass wir selbst in einem hohen Maße ausbilden. Aber auch Chef- und Oberärzte entscheiden sich sehr bewusst für uns als kommunalen Klinikverbund. Ärzte betonen mir gegenüber immer wieder, dass sie nicht für einen privaten Träger tätig sein wollten.“

MAGAZIN: „Haben sich die Patienten gegenüber früher verändert?“

Claudia B. Conrad: „Besonders im Gesundheitswesen haben Wettbewerb und Informationszugang Verhalten und Erwartungshaltung der Kunden verändert. Gerade bei planbaren Eingriffen entscheiden Patienten immer öfter selbst, wer für sie der richtige Partner ist und wem sie sich letztendlich anvertrauen. Das heißt für uns: Immer versuchen, noch besser zu werden, aber den Menschen auch zeigen, wie gut wir sind.“

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Logo_ANregiomed_mit_ClaimClaudia B. Conrad (Vorstand)
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Neigenfind kleinInterview: Mathias Neigenfind
Chefredakteur Business Lounge Magazin

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