SYRYKYD ist der Name einer thailändischen Königin und war jahrzehntelang ein Siegel für den Hersteller und Großhändler von Duftölen, Duftlampen, Räucherstäbchen sowie anderen Duft-Geschenkartikeln. Der Name ist geblieben und steht seit 2008 zusätzlich als großer Dienstleister für alle Industriezweige. Dazu gehört das Konfektionieren, Montieren, Sortieren, Nachbearbeiten und Lagern bis hin zur Feinjustierung technischer Teile genauso wie Nacharbeiten (Rework) oder 100-Prozent-Qualitätskontrollen. Bei der anspruchsvollen Prüfung elektronischer Leiterplatten oder Steckkontakten werden diese mit großen modernen Industriemikroskopen kontrolliert. Die erfahrenen und geschulten Mitarbeiter entdecken nicht nur für die Automotivbranche jede feine Unregelmäßigkeit, etwa Risse oder Grate auf Leiterplatten. Gerade die hohe Sorgfalt und Genauigkeit wissen die Kunden sehr zu schätzen. Zertifizierung und ständige Weiterbildung der rund 160 Mitarbeiter sichern den hohen, gleichmäßigen Qualitätsstandard, denn Qualität, Flexibilität und Branchen-Know-how sind für die Inhaberin beste Werbung und Erfolg.

MAGAZIN: „Wollten Sie schon immer für die Industrie arbeiten?“

Tanja Wüstenhagen: „Früher wollte ich eigentlich ins Hotelfach. Wie viele Mädchen fand ich es toll, dort zu arbeiten, wo andere Menschen Urlaub machen. Allerdings muss man auch arbeiten, wenn andere Urlaub machen. Deshalb habe ich Industriekauffrau gelernt und weil mich der Bereich Duft- und Geschenkartikel sehr interessiert, ist in diesem Bereich meine erste Firma entstanden. Wir hatten im Winter immer Hochsaison und im Sommer war die Auslastung eher gering. Durch einen Kontakt in die Automotiv-Branche habe ich festgestellt, dass es dort genau umgekehrt ist. Und so hatte ich die Idee, diese Nische zu nutzen und startete mit sieben Mitarbeitern den ersten Auftrag zum Abfüllen von kleinen Verstöpselungen bei Kontakten. Der Kunde war mit unserer Leistung hoch zufrieden — folglich habe ich diese Sparte kontinuierlich ausgebaut. So sind die Industriedienstleistungen entstanden und inzwischen sind wir nicht nur in der Industrie- und Automotiv-Branche sehr bekannt und erfolgreich, sondern auch in vielen anderen Bereichen wie bei Papierveredlern, Kosmetikherstellern und Discountern. Wir haben uns dann ISO 9001 zertifizieren lassen, so dass wir auch als offizieller Partner für die Automotiv-Branche auftreten können, denn das Zertifikat ist nicht nur dort Standard.“

MAGAZIN: „War die Umstellung auf die Industrie schwierig?“

KG8_9301bTanja Wüstenhagen: „Ich gehe relativ straight meinen Weg und mein Bauchgefühl hat mich dabei immer gut begleitet. Anfangs war ich mir nicht ganz sicher, denn der geschäftliche Umgang und die Sprache waren ganz anders als in der Geschenkartikelbranche. Neue Ansprechpartner in den Industriebetrieben müssen sich oft beweisen und versuchen dann, uns mehr Aufgaben oder ein höheres Tempo aufzudrücken. Meine Mitarbeiter arbeiten hochkonzentriert, um auch wirklich fehlerfrei zu kontrollieren. Wir haben eine Fehlerquote von unter 1 ppm (parts per million) und darauf bin ich sehr, sehr stolz.“

MAGAZIN: „Was machen Frauen in Führungspositionen anders als Männer?“

Tanja Wüstenhagen: „Ich denke, Frauen haben ein bisschen mehr Gespür und gehen an Aufgaben mit mehr Empathie. Natürlich muss das Produkt, das man verkauft, stimmig sein. Ich glaube, wir Frauen stellen uns wesentlich stärker auf einen Geschäftspartner ein. Ich merke einfach schon an der Körperhaltung, wie mein Gegenüber reagiert und welche Argumente ich dann in den Vordergrund rücken muss. Wenn man seinen Geschäftspartner gut abholen kann, ist das immer eine schöne Fähigkeit, egal ob im Beruf oder letztendlich auch im Privatleben. Und das versuche ich umzusetzen.“

MAGAZIN: „Werden Frauen in Führungspositionen manchmal nicht ernst genommen?“

Tanja Wüstenhagen: „Da habe ich keine Probleme — bei Geschäftspartnern kommt das ganz selten vor. Ein Kunde hat zu Beginn unserer Zusammenarbeit lieber mit meinem Mitarbeiter gesprochen, so nach dem Motto, die Wüstenhagen kann zwar dekorativ am Tisch sitzen, aber an und für sich sprechen wir unter Männern und wissen letztendlich wo der Hase läuft. Inzwischen weiß auch er meine Kompetenzen zu schätzen. Jüngere Frauen haben es vielleicht schwerer, aber ich mache mir einen Scherz daraus, wenn ich am Gesichtsausdruck merke, dass mich ein Mann unterschätzt und zeige dann, dass ich etwas auf dem Kasten habe.“

„Wir sind Unregelmäßigkeiten auf der Spur.“

MAGAZIN: „Wie bringen Sie Familie und Beruf unter einen Hut?“

Tanja Wüstenhagen: „Das ist für mich sogar eine extreme Herausforderung, denn ich bin alleinerziehende Mutter einer 13-jährigen Tochter. Manchmal frage ich mich, wie ich das in den letzten Jahren geschafft habe, doch meine Tochter und ich sind ein gutes Team. Ich erledige vieles bis zum Nachmittag und zu den Zeiten, wo meine Tochter beschäftigt ist. Ich arbeite aber auch viel am Abend und von Zuhause aus. Bereits am Abend vorher weiß ich, welche Aufgaben und Termine ich am nächsten Tag habe und ich spiele viele Gedanken schon durch. Grundsätzlich lasse ich mir immer Puffer zwischen den Terminen, denn es gibt immer etwas Unvorhergesehenes. Da ich eine sehr flache Hierarchie habe, sind meine Mitarbeiter gewohnt, dass ich immer ein offenes Ohr habe. Es ist eine Sache der Organisation und ich glaube, da sind wir Frauen einfach richtig gut.“

MAGAZIN: „Das heißt, Sie haben einen sehr offenen Führungsstil?“

KG8_9282bTanja Wüstenhagen: „Ja – sehr offen, sehr flach und damit bin ich auch noch nie schlecht gefahren. Für 160 Mitarbeiter haben wir zwölf Führungskräfte, die die Abteilungen selbst managen. Sie stimmen z. B. Schichtpläne mit den Mitarbeitern direkt ab und tragen Verantwortung. Dadurch, dass ich meinen Mitarbeitern Entscheidungen zutraue, setzten sie diese auch um. Nur so kann ich nachmittags auch mal zu Hause sein oder in den Urlaub fahren. Wir veranstalten regelmäßig kleine Betriebsfeiern wie z. B. unser Oktoberfest, bei welchem fast alle Mitarbeiter in Tracht erschienen sind. Ich bin stolz auf unser gutes und harmonisches Betriebsklima, schenke den Mitarbeitern zum Geburtstag, Ostern, Nikolaus und Weihnachten kleine Aufmerksamkeiten. Dieses ‚Geben und Nehmen‘ spiegelt sich auch hier wider — denn auch meine Tochter und ich werden vom SYRYKYD-Team ebenfalls mit liebevollen Präsenten verwöhnt.“

MAGAZIN: „Wie wichtig ist die Kommunikation mit den Mitarbeitern für Sie?“

Tanja Wüstenhagen: „Das ist ganz wichtig. Ich weiß oft, wie es meinen Mitarbeitern geht. Gerade für spontane Einsätze am Wochenende oder am Abend, etwa wenn Bosch Teile benötigt oder bei BMW eine Linie steht, ist es essentiell, deren Potenzial und Hintergründe zu kennen.“

MAGAZIN: „Wie groß muss ein Unternehmen sein, um Ihre Dienstleistungen in Anspruch nehmen zu können?“

Tanja Wüstenhagen: „Unsere Dienstleistung kann ein Einmannbetrieb genauso wie ein Konzern mit 1.000 Mitarbeitern nutzen. Wenn es beispielsweise ein Problem in der Nachtschicht gegeben hat, wo ein Werkzeug gebrochen ist, dann kontrollieren wir die gefertigte Ware umgehend und bis zur Spätschicht ist diese wieder zurück beim Kunden.“

MAGAZIN: „Viele Unternehmen kämpfen darum, flexibel zu sein. Wie machen Sie das?“

Tanja Wüstenhagen: „Das ist zum einen die flache Hierarchie und zum anderen suchen sich unsere Mitarbeiter ihre Arbeitszeit selbst aus. Dadurch sind sie extrem gut motiviert. Von 5:00 Uhr bis 22:00 Uhr ist unser Unternehmen geöffnet und wir haben viele Beschäftigte, die eigentlich einen anderen Beruf ausüben und sich bei uns noch etwas dazuverdienen. Einige kommen nur abends, andere nur am Wochenende. Jeder Mitarbeiter wird bei der Einstellung eingestuft, in welchem Bereich er arbeiten kann, und gibt seine Wunscharbeitszeiten an. So können wir schnell die passenden Fachkräfte finden, wenn ein Auftrag kurzfristig herein kommt. Bei uns klappt das sehr, sehr gut. Desweiteren werden wir vom Team Konrad-Biesalsky-Schule aus Wört unterstützt. Diese integriert junge Menschen mit Handicap ins Berufsleben. Dieses Miteinander macht uns stark.“

MAGAZIN: „Gibt es Probleme mit gesetzlichen Vorgaben oder dem Mindestlohn?

Tanja Wüstenhagen: „Der Mindestlohn war nicht wegen des Lohns Thema für uns, denn diesen zahlten wir bereits vor der Einführung. Problematisch ist, dass die Mitarbeiter keine Überstunden aufbauen dürfen. Wenn wir aber einen Auftrag von einem Discounter haben, z. B. Saisonartikel zu konfektionieren, dann würden unsere Mitarbeiter gerne vorarbeiten und die Überstunden dann einen Monat später abbummeln. Das geht jetzt nur noch in kleinerem Rahmen. Damit steigt unser Organisationsaufwand und eigentlich müsste ich nun neue Mitarbeiter einstellen, die ich nach so einer Aktion wieder entlassen müsste. Dass kann nicht der Sinn des Gesetzes sein und ich hoffe, wie viele Unternehmer, auf Nachbesserungen.“

Detail_Mikroskop

Qualitätskontrolle unter dem Industriemikroskop

MAGAZIN: „Wie können Sie Qualitätskontrollen in unterschiedlichen technischen Bereichen durchführen?“

Tanja Wüstenhagen: „Üblicherweise gibt es Fehlerbildkarten. Wir vergleichen die Produkte z. B. unter dem Industriemikroskop und sortieren Abweichungen aus. In technisch hoch entwickelten Bereichen kann man auch mal betriebsblind werden und so nutzen immer mehr Kunden, dass wir neue Produkte noch nicht kennen. Unsere geschulten Mitarbeiter sortieren alles heraus, was von der Norm abweicht, etwa Verfärbungen auf der Platine, Veränderungen an der Verpackung, Späne auf dem Produkt etc. So was machen wir zum Beispiel bei Bandanläufen. Wir finden aber nicht nur Abweichungen, sondern erarbeiten für unsere Kunden auch individuelle Lösungen.“

MAGAZIN: „Was halten Sie von Unternehmensberatern?“

Tanja Wüstenhagen: „Ich selbst arbeite seit vielen Jahren mit einem Unternehmensberater zusammen und genieße es sehr, dass mir jemand mit einer anderen Sichtweise Input gibt. Dessen Arbeit nutze ich zum Widerspiegeln meines Handelns. Es ist eine Typ-Sache, ob man kritikfähig ist und ob man einen Unternehmensberater hat, der charmant seine Kritik verpacken kann. Allerdings bekomme ich auch oft von meinen Mitarbeitern ein sehr gutes Feedback zu konkreten Dingen im Ablauf. Die sind manchmal sogar besser als von einem Unternehmensberater. Berater sind grundsätzlich eine gute Sache, aber sie müssen zum Unternehmer passen.“

MAGAZIN: „Die europäische Politik steht im Umgang mit den Flüchtlingen vor großen Herausforderungen. Was halten Sie von der aktuellen Politik?“

Tanja Wüstenhagen mit Mitarbeitern der Konrad-Biesalsky-Schule

Tanja Wüstenhagen mit Mitarbeitern der Konrad-Biesalsky-Schule

Tanja Wüstenhagen: „Grundsätzlich sehe ich bei der Flüchtlingsdiskussion die Notwendigkeit einer schnellen Integration. Und obwohl ich selber CSU-Mitglied bin, muss ich sagen, gar keine Grenzen und gar keine Limits zu setzen, halte ich für den falschen Weg. Man kann da jetzt viel drum herum reden, aber irgendwo muss alles realistisch bleiben. Das größte Problem ist die Sprachbarriere. Mir ist wichtig, dass sich meine Mitarbeiter untereinander verständigen können — das fördert die Gemeinschaft und ist extrem wichtig. Selbst wenn jemand nur Fliegengitter in einen Karton steckt, sollte er deutsch verstehen, um die Aufgabe zu erfassen. Meine Mitarbeiter sollen einen Bezug zum Unternehmen bekommen und sich hier wohl fühlen; sie sollen gerne her kommen, weil sie im Extremfall vielleicht mehr Zeit bei mir als beim Partner zuhause verbringen. Je wohler sich jemand fühlt, der neu nach Deutschland kommt, desto mehr Leistung bringt er und desto mehr Spaß hat er. Dann kann er sich in Dinkelsbühl einbringen und letztendlich profitieren wir alle davon.“

MAGAZIN: „Nutzen Sie neue Medien im Marketing?“

Tanja Wüstenhagen: „Im Allgemeinen würde ich sagen, diese sind ganz wichtig. Faktisch ist es jedoch so, dass wir wirklich über die klassische Mund-zu-Mund Propaganda am meisten Kunden gewinnen. Es ist selten, dass uns jemand über die Homepage oder über Portale wie ‚Wer-liefert-was?‘ findet. Ich glaube, dass derzeit keiner eine Industriedienstleistung bei Facebook suchen würde, daher positioniere ich mich dann lieber bei wohltätigen Aktionen. Damit kann ich mein Firmenlogo in der Region bekannt machen, tue Gutes und die Menschen erinnern sich an den Namen SYRYKYD. Das hilft auch bei Bewerbungen.“

MAGAZIN: „Sind Netzwerke für Sie wichtig?“

Tanja Wüstenhagen: „Für mich sind Netzwerke sehr wichtig geworden. Früher dachte ich, zu Netzwerk- oder  Unternehmertreffen gehen nur Menschen, die sich selbst gerne auf die Schulter klopfen. In der Zwischenzeit habe ich festgestellt, dass es wichtig ist, Kontakte zu knüpfen, die einen beruflich weiterentwickeln. Doch um solche Kontakte aufzubauen und zu pflegen, muss man auch regelmäßig zu den Netzwerktreffen gehen. Aber auch das Spiegeln und Reflektieren ist für mich sehr wichtig; zu hören, wie andere Unternehmer z. B. Mitarbeiterprobleme oder Kundenstandards lösen. Dadurch habe ich schon extrem viel gelernt. Es geht nicht darum, Kunden und Aufträge zu akquirieren, sondern um einen Austausch und um sich selbst zu positionieren.“

KG8_9527bMAGAZIN: „Wie ist der Standort Deutschland, speziell Dinkelsbühl?“

Tanja Wüstenhagen: „Der ländliche Raum ist perfekt für uns, denn da wir viel mit Minijoblern arbeiten, gibt es hier ein enormes Potenzial. Wenn wir einmal eine Stellenanzeige schalten, erhalten wir ein sehr großes Feedback. Wir bekommen schon ohne Anzeige pro Woche zwei bis drei Blindbewerbungen. Grundsätzlich ist Deutschland ein hervorragender Standort, weil es hier ohne lange Transportwege einfach schnell geht. Wenn es um den Preis geht, kann ich gut mithalten, aber auf Dumpingpreise lasse ich mich nicht ein.“

MAGAZIN: „Gibt es Dinge, die Sie auf die Palme bringen?“

Tanja Wüstenhagen: „Unpünktlichkeit mag ich nicht; wenn man mich anlügt und extreme Arroganz regen mich auf.“

MAGAZIN: „Woher schöpfen Sie nach einem langen Arbeitstag Kraft für den nächsten Tag?“

Tanja Wüstenhagen: „Ich treibe aktiv Sport, gehe etwa ins Sportstudio oder laufe sehr gerne. Außerdem bin ich gerne mit Freunden unterwegs, um einen Ausgleich zu haben und einfach auch einmal etwas anderes zu hören und zu sehen.“

NETZWERKKONTAKT

Logo SYRYKYDTanja Wüstenhagen (Geschäftsführerin)
SYRYKYD IndustrieDienstleistungen GmbH
Heininger Straße 26 | 91550 Dinkelsbühl
Telefon 09851 / 57 22 – 0 | Fax 09851 / 57 22 – 11
tanja.wuestenhagen@syrykyd.de | www.syrykyd.de

Neigenfind kleinInterview: Mathias Neigenfind
Chefredakteur Business Lounge Magazin

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