60 Prozent der Flüchtlinge kommen aus den Staaten Syrien, Irak, Iran sowie Eritrea und werden daher mit hoher Wahrscheinlichkeit bei uns bleiben. Viele junge Menschen gehen in die Berufsintegrationsklassen in den Berufsschulen und lernen dort Deutsch. Claudia Wolfinger, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg, gibt im Business Lounge Magazin Tipps für Unternehmer, was bei der Integration von Flüchtlingen zu beachten ist.

Grundsätzlich stehen die Instrumente der Arbeitsmarktförderung auch Flüchtlingen zur Verfügung; sie werden durch neue Angebote ergänzt. „Die Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg hat 2016 zusätzlich zum regulären Arbeitsmarktprogramm eine Million Euro für die Integration von Flüchtlingen zur Verfügung. Die geplanten Maßnahmen sind wie ein Baukastensystem gedacht, die man nach individuellem Bedarf der Flüchtlinge kombinieren kann. Fachkräfte zu gewinnen steht dabei im Vordergrund. Neben der Qualifizierung sind wichtige Bestandteile aller Maßnahmen Deutsch und das Heranführen an den Arbeits- und Ausbildungsmarkt“, so Wolfinger.

Bei den Flüchtlingen muss man zwischen drei verschiedenen Gruppen unterscheiden
Anerkannte Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis sind Menschen, über deren Asylantrag positiv entschieden wurde. Sie haben Anspruch auf Grundsicherung und werden daher von den Jobcentern betreut. Der Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ist dann gegeben und es stehen generell alle Fördermöglichkeiten des SGB II zur Verfügung. Asylsuchende mit einer Aufenthaltsgestattung sind Menschen, deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Geduldete sind Menschen, deren Asylantrag abgelehnt wurde, die aber nicht abgeschoben werden können. Diese beiden Gruppen werden von der Agentur für Arbeit betreut. Unterschiedliche Zuständigkeiten bedeuten auch unterschiedliche Fördermöglichkeiten. Der Ansprechpartner beim gemeinsamen Arbeitgeber-Service gibt im Einzelfall Auskunft.

Welche Flüchtlinge dürfen arbeiten oder eine Ausbildung beginnen?
Anerkannte Flüchtlinge dürfen jede Beschäftigung und Ausbildung annehmen. Asylsuchende mit einer Aufenthaltsgestattung und Geduldete dürfen frühestens nach drei Monaten arbeiten oder eine Ausbildung beginnen. Ab 15 Monaten Aufenthalt dürfen Asylbewerber auch in der Zeitarbeit beschäftigt werden. Flüchtlinge aus den so genannten „sicheren Herkunftsländern“ Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Serbien, Albanien, Kosovo, Montenegro, Senegal und Ghana dürfen nicht arbeiten und auch keine Ausbildung aufnehmen.

Was gilt es bei Ausbildungen zu beachten?
Bei anerkannten Asylbewerbern gibt es keine Einschränkungen. Bei Asylsuchenden mit Aufenthaltsgestattung und Geduldeten gilt:

  • Betriebliche Ausbildungen sind ab dem vierten Monat Aufenthalt mit Zustimmung der Ausländerbehörde möglich.
  • Für den konkreten Ausbildungsplatz muss beim Ausländeramt individuell eine Beschäftigungserlaubnis beantragt werden.
  • Sollte Asylsuchenden, die eine Ausbildung vor dem Ende des 21. Lebensjahrs begonnen haben, der Asylantrag negativ beschieden werden, wird in der Regel eine Duldung ausgesprochen (sogenannte 3+2 Regelung).

Was ist bei einem Praktikum zu beachten?
Ein unbezahltes Praktikum ist nicht erlaubt, denn auch bei Praktika gilt das Mindestlohngesetz. Ausgenommen hiervon sind:

  • Praktika zur Berufsorientierung
  • Praktika zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse
  • Hospitationen
  • Praktika im Rahmen eines Lehrgangs der Agentur für Arbeit
  • Praktika im Rahmen einer Maßnahme bei einem Arbeitgeber (MAG — durch Agentur für Arbeit genehmigt)

Welche Maßnahmen werden angeboten?
Wie können sich Arbeitgeber beteiligen?
Wie im Beispiel Bosch beschrieben (siehe Artikel auf Seite 26), ist es insbesondere für junge Flüchtlinge wichtig, ihre Fähigkeiten und Talente auszuprobieren. Das Angebot eines Unternehmens für ein Praktikum als Orientierung oder im Rahmen einer Maßnahme bietet hierbei auch die Gelegenheit, sich gegenseitig kennenzulernen. Ein Angebot für junge Menschen ist der „Bayern-Turbo“. Wenn die Kenntnisse für eine Ausbildung noch nicht ausreichen, bietet sich eine Einstiegsqualifizierung (EQ) an, die sich an den Inhalten eines Ausbildungsberufes im ersten Lehrjahr orientiert. „Perspektiven für Flüchtlinge“ in einer kürzeren und einer längeren Variante ist ein Angebot für erwachsene Flüchtlinge. Neben einem betrieblichen Praktikum (MAG) kann die Einstellung auch über einen Eingliederungszuschuss gefördert werden.

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WEITERFÜHRENDE LINKS

Weiterführende Links
Auf www.arbeitsagentur.de gibt es weitere Informationen, u.a.:

  • unter welchen Voraussetzungen eine Arbeit oder Ausbildung möglich ist
  • was bei einem Praktikum beachtet werden muss
  • welche finanziellen Unterstützungsleistungen Arbeitsagenturen und Jobcenter gewähren
  • was eine Arbeitsmarktprüfung beinhaltet
  • wie geflüchtete Menschen entlohnt werden