Wolfgang Kubicki sprach in einem emotionalen Vortrag auf dem Wirtschaftsforum des magischen Dreiecks – Volles Haus bei sommerlichen Temperaturen: Zum Wirtschaftsforum des Magischen Dreiecks kamen zahlreiche Unternehmer aus Mittelfranken, Hohenlohe und Ostalb. Neben den Kontakten untereinander interessierte sie die Personalpolitik von Ulrich Betzold sowie der Vortrag von Wolfgang Kubicki, Vize-Bundesvorsitzender der FDP.

Geschäftsführer Ulrich Betzold

Geschäftsführer Ulrich Betzold

Im ersten Vortrag machte Ulrich Betzold das Problem klar, das vielen Unternehmern im Moment auf den Nägeln brennt: Bis ins Jahr 2050 wird es ein Siebtel weniger Bundesbürger geben. „Deswegen ist die Notwendigkeit besonders groß, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein“, so der Geschäftsführer. Das schwäbische Unternehmen entwickelt und beschafft Lehrmittel und Lernspiele aus der ganzen Welt. 2013 bekam Betzold gleich zwei Auszeichnungen für innovative und nachhaltige Angebote zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mitarbeiter können zum Beispiel die Arbeitszeit anpassen, um sich um ihre Kinder zu kümmern oder um Angehörige daheim zu pflegen. Sobald die Beschäftigten wieder Vollzeit loslegen wollen, steigt die Arbeitszeit langsam wieder an. „Es ist uns auch wichtig, den Kontakt zu den Mitarbeitern zu halten, die gerade nicht da sind“, so Ulrich Betzold. Über 13.000 verschiedene Artikel liefert das Unternehmen direkt und schnell über die Zentrallogistik aus dem Osten Baden-Württembergs. Kunden können entweder übers Internet oder aus dem Katalog bestellen – von Taschenrechnern über Miniküchen bis hin zu Fleißkärtchen. 1985 erschien der erste Katalog, und seitdem hat sich das Unternehmen mit 193 Mitarbeitern ganz auf den Versandhandel konzentriert. 24 Azubis bildet der Betrieb momentan aus. „Das ist der zentrale Baustein“, erklärte Ulrich Betzold. „Wir bilden für den eigenen Bedarf aus, und deswegen ist es den Azubis auch ganz wichtig zu wissen, ob sie übernommen werden – oder nicht.“ Die Auszubildenden durchlaufen im Unternehmen alle Stationen. Egal ob Lager, Büro oder Fotografie. „Die Karriere ist ein wichtiger Block im Leben, aber nicht mehr der wichtigste“, davon ist Ulrich Betzold überzeugt. Als Beispiel nannte er einen Schlagzeuglehrer, dessen Traum es immer war, in diesem Beruf zu arbeiten. Durch flexible Arbeitszeitmodelle sei es gelungen, den Mann im Unternehmen als Programmierer anzustellen: Einen Tag arbeitet er als Schlagzeug-Lehrer, vier Tage in der Woche bei Betzold. „Eltern leben vielfach nach Stundenplan, und das muss berücksichtigt werden“, zieht der Geschäftsführer Bilanz. Und: „Stellen Sie einfach mal einen Korb voller Äpfel hin.“ Günstig für das Unternehmen, aber mit Folgen. „Wir haben eine geringere Fluktuation, eine schnelle Stellenbesetzung, wenig Zeitarbeit und niedrige Krankheitskosten.“ Doch der Geschäftsführer räumte auch ein, dass ihm die Größe seines Unternehmens in die Karten spiele. Aber: „Auch kleinere Unternehmen können verschiedene Maßnahmen ausprobieren“, so Ulrich Betzold abschließend.

FDP-Spitzenpolitiker Wolfgang Kubicki

FDP-Spitzenpolitiker Wolfgang Kubicki

Ganz ohne Manuskript kam Wolfgang Kubicki, stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP und Fraktionschef im Kieler Landtag, bei seinem Vortrag aus. Er spannte einen weiten Bogen von Griechenlandkrise über Fachkräftemangel und Bildungspolitik bis zu den Problemen in der eigenen Partei. Denn schon im kommenden Jahr stehen in vier Bundesländern Landtagswahlen an, und natürlich erhofft sich der FDP-Politiker, dass seine Partei in ruhigere Gewässer schippert und die Fünf-Prozent-Hürde in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern schafft. Ganz wichtig ist für Wolfgang Kubicki, dass die FDP das Vertrauen der Wähler wieder zurückgewinnt. Doch durch die guten Ergebnisse seiner Partei in Hamburg und Bremen sieht er die Liberalen im Aufwind – auch wenn natürlich im Moment die politische Bühne im Bund fehlt.

Angeregte Gespräche gab es nicht nur zwischen Mediator Oliver Dittmann und Gerhard May (Voith Turbo GmbH & Co. KG, Bildmitte v.l.)

Angeregte Gespräche gab es nicht nur zwischen Mediator Oliver Dittmann und Gerhard May (Voith Turbo GmbH & Co. KG, Bildmitte v.l.)

Der Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei in Kiel betonte auch, dass die FDP die einzige Partei sei, die sich gegen die Bevormundung der anderen Parteien stellt. „Ich bin zwar kein Raucher, aber sollte es in Deutschland jemals ein Verbot fürs Rauchen im Freien geben, fange ich an“, so Wolfgang Kubicki. Er forderte ein besseres Bildungssystem, dass auch gut ausgebildete Handwerker hervorbringt und nicht nur Abiturienten, die an die Universitäten drängen. Kein gutes Haar ließ Kubicki an Andrea Nahles (SPD), Bundesministerin für Arbeit und Soziales, und der Rente mit 63 Jahren. Gerade mit Blick auf den demographischen Wandel und den Fachkräftemangel für den FDP-Mann ein Unding. Und auch den Mindestlohn sieht Kubicki kritisch, vor allem die Dokumentationspflicht. „Ich finde es toll, dass man einen Mindestlohn beschließt“, so der Rechtsanwalt. „Die konsequente Umsetzung würde aber auch bedeuten, dass man einen Mindestumsatz für Unternehmer beschließt. Die Kosten muss ich tragen. Ich muss dafür sorgen, dass das Unternehmen floriert.“ Gerade für Neugründungen müsse es beim Thema Mindestlohn Ausnahmen und flexiblere Regelungen von zumindest einem Jahr geben, so Kubicki weiter.