„Mit dem Herzen kaufen“ — Kunst als alternative Geldanlage. Bei den laut und deutlich verständlichen Worten „zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten“ fällt für Bieter bei einer Auktion die Anspannung ab. Der Hammer fällt, das Geld ist zwar futsch, aber das Objekt wechselt den Besitzer. Auktionshäuser haben auch heutzutage nichts von ihrer Magie verloren. Auch wenn viele Auktionen nur aus Filmen kennen: Bieter sitzen wie an der Perlenschnur aufgereiht nebeneinander und heben bei Interesse die Hand. Heute wie vor ein paar hundert Jahren. Aber mittlerweile können Gebote auch übers Telefon oder Internet erfolgen. Die ersten Auktionshäuser entstanden im 18. Jahrhundert in England. Schon 1744 versteigerte Sotheby’s in London Bücher und Handschriften. Rund 20 Jahre später begann James Christie mit der Versteigerung von Gemälden, damals für Königshäuser und den Adel. Beide Traditionshäuser gibt es heute noch. Das Business Lounge Magazin hat mit Nina Buhne, Direktorin von Sotheby’s in Frankfurt am Main, über alternative Geldanlagen gesprochen. Sie kennt ihr Handwerk aus dem Effeff und hat unter anderem die Auktionen des Herzogs und der Herzogin von Windsor, den Nachlass von Andy Warhol, die Marlene Dietrich-Sammlung und die Kennedy-Auktion betreut.

MAGAZIN: „Was gibt es für alternative Geldanlagen, die über das Auktionshaus Sotheby’s versteigert werden?“

Nina Buhne: „Als Vertreterin eines Auktionshauses empfehle ich Kunst, Schmuck und Wein in erster Linie nicht als Geldanlage zu betrachten, sondern weil Sie diese Dinge lieben und sich damit umgeben möchten. Natürlich haben wir auch Kunden, die diese Gebiete als Geldanlage ansehen. Dahingehend ist  das Spektrum groß, es betrifft zum Beispiel auch Schmuck. Der Steinwert ist in den letzten Jahren extrem gestiegen. Sie können hier auf relativ kleiner logistischer Fläche viel Geld binden. In der zeitgenössischen Kunst sind immer mehr Gewinne zu erzielen. Wir haben im Mai gerade ein Bild von Sigmar Polke in New York versteigert. Dieses hatte eine Steigerung von 14 Millionen Dollar in den vergangenen vier Jahren. Aber man kann es auf alle Bereiche ausdehnen. Wenn Sie in Qualität investieren, ist es eine gute Geldanlage.“

Direktorin Nina Buhne auf der Business Lounge im Mai 2015

Direktorin Nina Buhne auf der Business Lounge im Mai 2015

MAGAZIN: „Muss man sich nicht mit Kunst beschäftigen, damit es eine gute Geldanlage wird? Es ist nicht wie ein Sparbuch, das im Schrank liegt.“

Nina Buhne: „Ich finde, das macht den Reiz in der Kunst aus. Wenn man sich damit beschäftigt, dann zieht man auch noch einen zusätzlichen Bonus heraus. Die Beschäftigung mit dem Kunstbereich ist eine regelrechte Bereicherung. Die Künstler kreieren etwas, um eine Aussage zu treffen, meiner meinung nach ein Zugewinn.“

MAGAZIN: „Könnte man mit einer Investition in Kunst auch auf die Nase fallen?“

Nina Buhne: „Wenn Sie Kunst erwerben, mit der Sie sich vorher eingehend auseinandergesetzt haben und die Sie lieben, machen Sie grundsätzlich alles richtig, denn die ‚emotionale Rendite‘ ist nicht ersetzbar. Wenn sie einen Kunstkauf aus reiner Investition tätigen und einen Künstler nehmen, von dem Sie glauben, der steigt demnächst und das geschieht dann nicht, könnte es enttäuschend sein. Wenn Sie jedoch in einen Bereich einsteigen, in dem der Künstler schon etabliert ist, und der Markt sich nicht durch Krisen oder ähnliche Einflüsse anders entwickelt als er im Moment ist, dann steigt Kunst kontinuierlich im Wert.“

MAGAZIN: „Haben Sie einen Tipp, wo man als Anfänger anlegen sollte?“

Nina Buhne: „Kaufen Sie das, was Ihnen wirklich Freude macht. Ich würde niemals sagen: Nehmen Sie den Künstler, weil ich ihn gut finde. Ich würde Ihnen raten, gehen Sie auf Messen und schauen Sie einfach. Kaufen Sie eher mit dem Auge als mit dem Kopf – also mit dem Herzen und nicht mit dem Taschenrechner in der Hand.“

MAGAZIN: „Sie sagen, man kann auch mit kleineren Summen in Kunst investieren. Die großen Künstlernamen kennen viele, aber wo kann ich mich über weniger bekannte Künstler informieren?

Nina Buhne: „Da kann ich Ihnen nur empfehlen, schauen sie sich bei Sotheby’s die Tagesauktionen zeitgenössischer Kunst an oder gehen Sie auf die Art Basel. Dort gibt es die große Art Basel, daneben aber noch 20 kleinere Satellitenmessen, die tatsächlich zeitgenössische Kunst für kleinere Geldbeutel anbieten. Schauen Sie sich beides an und kaufen Sie dann mit dem Herzen.“

MAGAZIN: „Gibt es Bereiche, die für Laien besser geeignet sind?“

Nina Buhne: „Da empfehle ich Ihnen, antizyklisch zu kaufen. Wenn Sie ein wenig Zeit mitbringen und sagen, ich will etwas investieren, vielleicht auf die nächsten zehn Jahre, würde ich kaufen, was im Moment nicht im Trend liegt. Das sind Möbel des 18. Jahrhunderts und Gemälde des 19. Jahrhunderts. Das sind wirklich wunderbare Qualitäten, die im Moment nicht im Zeitgeschmack liegen und deswegen im Preis gut erreichbar sind. Es gibt beispielsweise Roentgen-Möbel. David Roentgen war einer der wichtigsten Möbelbauer des 18. Jahrhunderts. Die Möbel waren bis vor 20 Jahren ungefähr das Zehnfache wert. Heute können Sie die Werke günstig kaufen, aber ich bin mir sicher, dass der Wert wieder steigen wird. Sie müssen nur ein wenig Zeit mitbringen.“

Redakteurin Diane Mayer (li.) und Mathias Neigenfind im Interview mit Nina Buhne

Redakteurin Diane Mayer (li.) und Mathias Neigenfind im Interview mit Nina Buhne

MAGAZIN: „Wie läuft denn eine Auktion ab? Kann man wirklich Schnäppchen machen?“

Nina Buhne: „Immer. Wenn Sie bei einer Auktion etwas preisgünstiges erwerben möchten, dann empfehle ich Ihnen auf jeden Fall eine Vorbesichtigung. Da können Sie sich die Stücke aussuchen, die Sie interessieren. Vielleicht gibt es keinen Gegenbieter und wenn Sie die Chance haben, dann müssen Sie einfach zugreifen. Die Auktion selbst ist inzwischen so aufgebaut, dass Sie per Telefon bieten können oder auch schriftlich. Aber natürlich können Sie auch in der Auktion sitzen oder heutzutage auch übers Internet mitbieten. Sotheby’s-Auktionen finden in London, Paris, New York Hongkong und Genf statt – und auch da gibt es Aktionen im niedrigeren bis mittleren Preissegment, es muss nicht immer eine Million sein.“

MAGAZIN: „Sind Internetaktionshäuser wie eBay, Konkurrenz für Ihr Haus?“

Nina Buhne: „Das Entwicklungspotenzial digitaler Plattformen ist enorm und sicher die Zukunft. Nicht umsonst bieten wir über unser bidnow-Portal die Möglichkeit an, bei jeder Auktion online mitbieten zu können bzw. Onlinegebote in Echtzeit abzugeben. Dennoch bin ich überzeugt davon, dass es einen Unterschied macht, ob ein interessierter Kunde ein Kunstwerk im Original in Augenschein
nimmt oder nur online; das emotionale Erlebnis macht den Unterschied.

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Sotheby's-LogoNina Buhne (Direktorin)
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nina.buhne@sothebys.com | www.sothebys.com

Neigenfind kleinInterview: Mathias Neigenfind
Chefredakteur Business Lounge Magazin

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