Ein Rundgang durch das Fränkische Freilandmuseum ist wie eine Zeitreise durch 700 Jahre fränkischer Alltagsgeschichte: Über 100 Gebäude, weitgehend originalgetreu eingerichtete Bauernhöfe, Handwerkerhäuser, Mühlen, ein Amtshaus, Brauereien, Gasthäuser, Schäfereien, ein Schulhaus, Adelsschlösschen, Scheunen, Back- und Dörrhäuschen sowie Schweineställe laden ein zur Entdeckungsreise. Besucher erleben hautnah das Gefühl, wie die ländliche Bevölkerung in Franken in früheren Zeiten gebaut, gewohnt und gearbeitet hat.

Ochsengespann "Hanni und Fritz" vor dem Jagdschlösschen aus Eyerlohe von 1778

Ochsengespann “Hanni und Fritz” vor dem Jagdschlösschen aus Eyerlohe von 1778

Sechs Baugruppen gibt es insgesamt, die Häuser sind Regionen und Themen zugeordnet. So hat man bei einem Rundgang durch das Museumsgelände das Gefühl, von Dorf zu Dorf zu wandern. Ganz wie in alten Zeiten. Besonders interessant: die Baugruppe Mittelalter und die Baugruppe Stadt mitten in der Altstadt von Bad Windsheim mit der Spitalkirche, dem Museum Kirche in Franken, dem Alten Bauhof und der Kräuter-Apotheke. Aber nicht nur Häuser, auch Nutzgärten, bewirtschaftete Felder, Hecken und Wiesen, Hopfen- und Weinbauflächen sowie zahlreiche Wasserläufe gehören zur Museumslandschaft dazu. Angebaut werden regionale Obst-, Gemüse- und alte Getreidesorten. Ein Teil der Felder wird mit Ochsen- und Pferdegespannen bearbeitet, auf Wiesen und Brachflächen weiden die Museumsschafe. Alte Haustierrassen wie Schwäbisch-Hällische Schweine, als „Triesdorfer Tiger“ bekannte Rinder, Fränkische Landgänse, Ziegen, Wollschweine, Hühner und Pfauen beleben den bewirtschafteten Bauernhof. Rund 60 Veranstaltungen jährlich, darunter Sonderausstellungen, Konzerte und Lesungen, machen das Museum auch für Dauerbesucher immer wieder interessant und lebendig. Von Mai bis Oktober werden täglich wechselnde Handwerke gezeigt wie Weben, Getreidemahlen, Besenbinden, Korbmachen, Büttnerei, Holzschuhmachen oder Schmieden.

Museumsschäfer

Museumsschäfer

Reichhaltig ist das museumspädagogische Angebot für alle Altersgruppen und Schulklassen. Führungen, ob allgemein oder zu speziellen Themen, Aktionen zum Mitmachen oder Zuschauen können in unterschiedlichen Sprachen online gebucht werden. Ein Erlebnisplatz für Kinder- und Jugendliche bietet seit Juni anregende Abwechslung und in vier historischen Wirtshäusern können sich Besucher nach einem Rundgang durch das Museum mit fränkischen Spezialitäten stärken. Ein gut sortierter Laden am Eingang und ein Kiosk runden das Serviceangebot ab. Hier finden sich auch zahlreiche Publikationen aus dem museumseigenen Verlag.

Mitte der 1970er Jahre beschloss der Bezirk Mittelfranken, die Trägerschaft zu übernehmen und das Freilandmuseum aufzubauen. Im Frühjahr 1979 wurde es dann ernst, erste Gebäude fanden ihre neue Heimat am Rande der Altstadt von Bad Windsheim. Die Häuser werden am ursprünglichen Standort abgebaut und dann im Museum wieder aufgebaut. Die Bandbreite auf dem 45 Hektar großen Gelände reicht dabei von Bauten aus dem Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert.

Von Fachwerkfassaden bis zum Abfischen des Museumsweihers
Das Fränkische Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken bekommt am 26. September mit dem Büttner- und Weinhäckerhaus aus Wipfeld am Main eine seiner schönsten Fachwerkfassaden. Das zweigeschossige Fachwerkhaus, ausgestattet mit aufwändigen Schnitzereien, entstand 1687, ein Umbau folgte 44 Jahre später. Im Erdgeschoss befand sich zur Bauzeit die Werkstatt eines Büttners. Mit der Anfertigung von Fässern übernahm er eine wichtige Aufgabe für den Weinbau, der damals wie heute von großer Bedeutung für die Region Mainfranken ist. Im Museum soll die Werkstatt neu eingerichtet und für Handwerksvorführungen genutzt werden. Ab etwa 1914 war das Haus nicht mehr bewohnt und wurde seitdem nur noch als Werkstatt und Abstellraum genutzt. Im Museumsgelände rundet es den Dorfplatz der „Baugruppe Mainfranken-Frankenhöhe“ ab und befindet sich dabei in einem passenden Umfeld: Weinbau betrieb man auch im benachbarten Amtshaus aus Obernbreit und im Weinbauernhaus aus Retzstadt.

Schmiede aus Mailheim von 1749

Schmiede aus Mailheim von 1749

Am 19. und 20. September 2015 steht das Herbstfest im Freilandmuseum an: Beide Tage stehen unter dem Motto „Dreschen, Dörren, Mosten, Backen“ — die herbstlichen Arbeiten in Haus, Hof und auf dem Feld. Vergangene Zeiten leben auf, wenn im Museum die Verarbeitung von Früchten, das Mostpressen, Obstdörren, Kartoffeldämpfen, Krauthobeln und Einstampfen, Pressen von Rapsöl, Flachsbrechen oder das Getreidemahlen gezeigt werden. Mutige Ritter, edle Fräulein und finstere Gesellen: Eine Zeitreise ein paar Jahrhunderte zurück wartet am Wochenende Anfang Oktober auf alle Besucher. In authentischer Kleidung und mit historischem Werkzeug zeigen rund 40 Menschen der Darstellergruppen „1476 Städtisches Aufgebot“ und „Bayreuth 1320“ den Alltag der ländlichen Bevölkerung im Spätmittelalter. Mit Vorführung alter Handwerke wie Wippdrechseln, Schuhmachen, Netzknüpfen, Schreibstube, Salbenmischen und Schneiderei. Bespielt werden die Baugruppe Mittelalter und die Baugruppe Stadt um den Alten Bauhof. Auch das Archäologische Dorf ist belebt. Hier wird Alltagsleben und Handwerk um das Jahr 1000 gezeigt. Eine Woche später dreht sich im Freilandmuseum alles ums Kulinarische beim „Markt der Genüsse zum Tag der Regionen“. Besonders interessant ist auch das Abfischen des Museumsweihers, die Obstsortenausstellung und -bestimmung.

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Fränkisches Freilandmuseum
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Telefon 09841 / 66 80 – 0 | Fax 09841 / 66 80 – 99
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