Ansbach setzt – entgegen des allgemeinen Trends – auf Kultur. Während andere Städte in Deutschland ihre Kulturbetriebe dicht gemacht haben, hat Ansbach mit seinem Theater genau die Gegenrichtung eingeschlagen. 2007 entschloss sich die Genossenschaft „Kultur am Schloss“ mit ihrem Vorstandsvorsitzenden, dem ehemaligen Bundesminister Carl-Dieter Spranger, ein neues Stadttheater zu gründen – das jüngste in Bayern. Eine Sensation.

Gründungsintendant Jürgen Eick steht als Name für das vielzitierte „Theaterwunder von Ansbach“. Seit 2013 fördert der Freistaat Bayern das Haus mit eigenem Ensemble. Schwerpunkte liegen im Kinder- und Jugendtheater, in Stadtprojekten, lokalen Stoffen und Uraufführungen. Nicht zu vergessen: das beliebte Weihnachtsmärchen. „Wir haben auch großartige Versuche gemacht, hier im westlichen Mittelfranken Autoren zu spielen, die in der Region sonst nicht zu finden sind, wie zum Beispiel Samuel Beckett, Henrik Ibsen oder Ödön von Horváth“, sagt der gebürtige Düsseldorfer Jürgen Eick. 2007 kam er als Intendant nach Ansbach. Die Zahlen der Zuschauer haben sich in den vergangenen Jahren vervierfacht auf über 26.000 Theaterbesucher im Jahr. „Das ist schon sehr gut und letztendlich auch die Legitimation für die Steuergelder, die wir bekommen“, davon ist der 45-Jährige überzeugt. Im vergangenen November gab es für Jürgen Eick noch den Ritterschlag für seine Verdienste um den Aufbau des Theaters: Er bekam den Frankenwürfel, die höchste fränkische Auszeichnung. Doch alles hat ein Ende: der Intendant machte Ende Mai Schluss mit Ansbach und wechselte nach Freiburg. Mit Beginn der neuen Spielzeit 2015/2016 folgt auf ihn Susanne Schulz. Eines ihrer Ziele: Sie will sich für ein Sommertheater in Ansbach stark machen.

1998 traf die Stadt Ansbach das große Los: Der Sohn des ehemaligen Oberbürgermeisters Dr. Wilhelm Borkholder, Apotheker Dr. Günther Borkholder, hatte der Stadt sein Vermögen von rund acht Millionen D-Mark vermacht. Auf Vorschlag von Oberbürgermeister Ralf Felber beschloss der Stadtrat, das Geld für einen Umbau des Hauses am Schlossplatz zu verwenden. Im März 2003 erstrahlte das „Borkholder-Haus“ mit seinen riesigen Glasfronten in neuem Glanz. Nach fünf Jahren Tourneebetrieb und als Bespieltheater mit Kino entstand die Idee, dem sanierten Gebäude eine neue Bestimmung zu geben: das Theater Ansbach. Die Stadträte waren sich erstaunlich schnell einig, für das Vorhaben grünes Licht zu geben. Carl-Dieter Spranger unterstützte den Prozess. Das Stadttheater ist das einzig genossenschaftlich geführte Theater in Deutschland. Seit dem vergangenen Jahr sind in der alten Post in Ansbach Räume für eine Probebühne mit Fundus angemietet – aus Platzmangel im Theater. Das Kino, das unter dem Namen „Schlosslichtspiele“ lief, stellte seinen Betrieb nach fast 100-jähriger Geschichte Ende 2014 ein. Es rechnete sich schlicht und ergreifend nicht mehr, aber das Studiokino im Untergeschoss des Theaters läuft als Programmkino weiter.