Viele kennen die Dampfloksonderfahrten von Nördlingen nach Gunzenhausen oder Dinkelsbühl. Regelmäßig faszinieren schnaufende Lokomotiven, die längst aus dem Alltag verschwunden sind, die Herzen der Jungen aus drei Generationen. Was viele nicht wissen: Die BayernBahn wickelt vor allem schienengebundenen Güternah- und Güterfernverkehr für Unternehmen ab. Dafür übernimmt sie die komplette Abwicklung, damit der Wunsch nach einer schienengebundenen Logistik nicht im Papierkrieg endet.

    Auch Schwarzkopf und Henkel in Wassertrüdingen wickelt seinen Transport mit der BayernBahn ab

Auch Schwarzkopf und Henkel in Wassertrüdingen wickelt seinen Transport mit der BayernBahn ab

Begonnen hatte alles 1985 mit dem Umzug des Eisenbahnmuseums von München in das stillgelegte Betriebswerk nach Nördlingen. Hier war ein Neu-anfang möglich, nachdem die Preise für die Hallen in München ins Uferlose stiegen. Zudem bot Nördlingen mit stillgelegten Strecken in der Nachbarschaft die Chance, einen Dampflokbetrieb zu zeigen, denn zu dieser Zeit hatte die Bundesbahn ein Dampflokverbot auf ihren Gleisen. Im Dezember 1987 wurde die BayernBahn GmbH als Tochtergesellschaft des Bayerischen Eisenbahnmuseums e.V. gegründet. War das Unternehmen zunächst nur für die Betriebsführung des historischen Zugverkehrs im Nördlinger Ries gedacht, entwickelte es sich schnell zu einem der ersten „jungen“ privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen in Bayern. Mit dem Eisenbahnneuordnungsgesetz wurde 1993 das Monopol der Staatsbahn aufgelöst; damit gab es keine Einschränkungen und Diskriminierungen mehr und für kleine Bahnanbieter ergaben sich neue Möglichkeiten. 1996 wurde die BayernBahn über die Grenzen Bayerns bekannt. Der Modelleisenbahnhersteller Märklin hatte sie für eine Deutschlandfahrt gechartert. Die Dampfzugfahrt lief störungsfrei und sehr erfolgreich. Das ermöglichte dem Verein einen guten Ertrag und eine noch bessere Bekanntheit.

Der Weg zum Logistikdienstleister
Ab 2000 hat sich die BayernBahn dann in den kommerziellen Verkehrsbereich gewagt, denn die Deutsche Bahn hatte sich beim Güterverkehr aus der Fläche zurückgezogen. „Damals hat man bei der Bahn nur in Quartalszahlen gedacht und den ganzheitlichen Aspekt völlig vernachlässigt“, erzählt Andreas Braun. Er ist der Geschäftsführer der BayernBahn. „Die Deutsche Bahn hat Kunden sogar Geld bezahlt, damit sie vorzeitig aus einem Vertrag aussteigen.“ Der ehemalige Eisenbahnverein stellte sich auf professionelle Beine, denn das steigende Angebot konnte mit Ehrenamtlichen nicht mehr bewältigt werden. Heute hat das Eisenbahnverkehrsunternehmen zwölf festangestellte Mitarbeiter, die einen Umsatz von vier Millionen Euro erwirtschaften — Tendenz steigend.

Braun

Geschäftsführer Andreas Braun

„Wir haben dann alle ehemaligen Kunden der Deutschen Bahn abgeklappert“, erzählt Braun. „Einige waren total sauer auf die Bahn, andere wollten bewusst ihre Waren mit der Bahn transportieren, waren aber von der kundenunfreundlichen Abwicklung enttäuscht.“ Güter können auch heute noch auf der Schiene wirtschaftlich transportiert werden — auch auf kurzen Distanzen. Voraussetzung dafür ist eine enge Abstimmung der Kundenbedürfnisse mit den bahnspezifischen Notwendigkeiten. Andreas Braun und seine Mitarbeiter bieten dafür den kompletten Service. Zuerst wird ein passendes Logistikkonzept erarbeitet, dann wird alles für die Kunden abgewickelt — von der Versandrampe bis zum Empfänger. Es gibt keinen Papierkrieg für die Unternehmen. Werden regelmäßig Waren versendet, lohnt sich der Transport mit der Bahn schnell. Im eigenen Netz der BayernBahn gibt es mehrere Verladestellen, falls ein Unternehmen über keinen eigenen Bahnanschluss verfügt. Mit einem Shuttleservice ist dann der Transport ganz einfach. Auch viele Industriegebiete haben einen Gleisanschluss, der oft nicht richtig genutzt wird. Ein Beispiel ist für Andreas Braun der Anschluss im Industriegebiet Ansbach-Brodswinden, der über Triesdorf erreicht wird. „Da könnte man noch einiges herausholen“, so Braun. Die Nördlinger bieten aber auch die nötigen Ingenieurleistungen, wenn zum Beispiel ein stillgelegter Anschluss wieder in Betrieb genommen oder ein neuer gebaut werden soll.

Die BayernBahn hat 40 betriebsfähige Lokomotiven, darunter zehn Dampfloks, mit denen täglich über 1.000 Kilometer gefahren werden. Auch wenn es meist ältere Maschinen sind – diese sind betriebswirtschaftlich deutlich interessanter, so kann das kleine Bahnunternehmen wirtschaftliche Logistikleistungen anbieten. Daneben ist bis heute der Bereich Bauzugverkehre ein wichtiges Standbein im süddeutschen Raum. Darüber hinaus ist die BayernBahn Spezialist für die Übernahme von regionalen Güterverkehren, insbesondere im Großraum München-Nürnberg-Stuttgart.

Politische Verantwortung
Andreas Braun bemängelt den fehlenden politischen Willen, die umweltfreundlichere Bahn zu unterstützen. „Die LKW-Maut wird gesenkt, gleichzeitig die Bahn mit dem Erneuerbaren Energiegesetz (EEG) belastet.“ Ein klarer Wettbewerbsnachteil, denn für die Kunden geht es um jeden Cent. Hinzu kommen viele bürokratische Hindernisse, die teilweise unsinnig sind, die Abwicklung aber erschweren. „Der Staat sollte eigentlich Lobbyist für die Bahn sein, statt dessen zieht er noch Geld raus.“ Die Nördlinger haben es schnell geschafft, viele Unternehmen auf die Schiene zurückzuholen, darunter renommierte wie Schwarzkopf und Henkel, Südzucker, Rettenmeier oder Raiffeisen. So fährt täglich ein Zug mit Waren von Schwarzkopf und Henkel in Wassertrüdingen zum Zentrallager nach Düsseldorf. Um 17:00 Uhr startet der Zug und ist pünktlich um 3:00 Uhr in Düsseldorf. Alle Länder in Europa können angefahren werden, durch Kombinationen wird der Transport sogar noch billiger.

NETZWERKKONTAKT

Bayernbahn_LogoAndreas Braun (Geschäftsführer)
BayernBahn GmbH
Am Hohen Weg 6a | 86720 Nördlingen
andreas.braun@bayernbahn.de | www.bayernbahn.de