Beim Mittelstandsdialog in Ansbach wetterte der Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, Franz Josef Pschierer, gegen den Akademisierungswahn in Deutschland. Die Ausbildung müsse den Menschen wieder näher gebracht werden. Außerdem stellte er eines seiner wichtigen wirtschaftspolitischen Themen vor: die alternative Energieversorgung.

Für den Staatssekretär sind die erneuerbaren Energien sehr wichtig – in Bayern werde bisher nur ein Drittel der Energie daraus gewonnen. Besonders stark sei der Freistaat bei Biogas und Photovoltaik. Aber bei allem Wechselwillen stelle er bei den Bürgern immer häufiger eine fehlende Akzeptanz fest, wenn es um die Errichtung neuer Anlagen geht. Die Einwände bei Neubauten nähmen zu. „Ein wunderschönes Thema ist der Trassenbau“, fügt Pschierer an. „Hier geht es um die Versorgungssicherheit. Zusammen mit Oberfranken treiben wir das Planfeststellungsverfahren voran.“ Sein Ziel: Ende nächsten Jahres soll die Stromtrasse von Thüringen in Betrieb gehen. Allerdings: Für alle anderen Stromtrassen gebe es keine Zustimmung vom Staatssekretär, denn diese würden Energie aus Braunkohledreckschleudern in Sachsen-Anhalt liefern oder aus Off-Shore-Parks, die Pschierer ebenfalls kritisch sieht. Letztendlich macht er die Rechnung auf, was eine Trasse gegenüber einer eigenen Versorgung in Bayern kosten würde – hier favorisiert er die eigene Versorgung mit modernen Gaskraftwerken. Den Vorwurf, dass die EEG-Umlagenbefreiung für große Unternehmen mittelstandsfeindlich sei, wollte Pschierer so nicht stehen lassen. Zwar sei ihm die Zustimmung schwer gefallen, letztendlich profitieren aber die kleineren Unternehmen indirekt von den großen. Bei den ganzen Reglementierungen denke Pschierer oft an Ludwig Erhard. „Was hätte er bei Begriffen wie Preisgarantie oder Einspeisevorgaben gesagt“, fragte der Staatssekretär ins Publikum. „Wahrscheinlich hätte er gesagt, dass wir die Marktwirtschaft falsch verstanden haben.“

Akademisierungswahn
Entschieden wetterte Pschierer gegen einen Akademisierungswahn. „Entweder wir bilden Menschen für Berufe aus, die keiner benötigt, oder wir akademisieren unnötig Berufe“, so der Staatssekretär. „Dann haben wir bald einen Bachelor of Hairdressing. So etwas benötigen wir nicht.“ Die Ausbildung sei in einer Sackgasse. Die Leistungsträger für den Mittelstand sind seiner Meinung nach Realschüler, die eine Ausbildung machen und sich zu Fachkräften weiterqualifizieren. „Das ist die große Aufgabe der Bildungspolitik“, so Pschierer. „Wir müssen den Menschen die Ausbildung wieder schmackhafter machen.“ Klaus Dieter Breitschwert unterstütze dieses Plädoyer und verwies auf den deutschen Meisterbrief. „Wir dürfen uns unser gutes duales Ausbildungssystem nicht von Europa kaputt machen lassen.“

Neue Partnerschaft
Das Business Lounge Magazin wird in Zukunft regelmäßig gemeinsam mit der Mittelstandsunion interessante Unternehmerveranstaltungen veranstalten.