Moritz Freiherr Knigge setzt auf den richtigen Umgang miteinander – „Ich trage einen großen Namen“ – der Titel einer Sendung des SWR Fernsehens passt auf Moritz Freiherr Knigge wie die Faust aufs Auge. Der Nachfahre von Adolph Freiherr Knigge, der für die Benimmregeln in Deutschland steht, berät Unternehmen in Ethikfragen, gibt Seminare und hält Vorträge. Der 46-Jährige sieht sich selbst als Geschichtenerzähler. „Als Vortragender muss ich die Zuhörer auch immer amüsieren; deswegen sehe ich mich als Entertainer“, erklärte Moritz Freiherr Knigge.

In Vorträgen gibt der gebürtige Niedersachse Amüsantes und Wissenswertes in Sachen „Wertschätzung – 13 Anregungen zum erfolgreichen Umgang mit Menschen“ zum Besten. Ganz ähnlich schon klang im Jahr 1788 der Titel eines Buchs, das Adolph Freiherr Knigge geschrieben hat: Über den Umgang mit Menschen, das oft als Benimmbibel missverstanden wird. „In Deutschland wird das Buch mit Etikette verbunden; dieses Klischee möchte ich brechen“, sagt Moritz Freiherr Knigge. „Mit meinen Vorträgen betreibe ich Aufklärung über den Aufklärer.“ Denn in dem Buch geht es weniger um die richtige Etikette, sondern darum, wie Menschen miteinander umgehen sollten, um sich und anderen das Leben zu erleichtern. Nur drei Seiten drehen sich in dem Buch um das Thema Etikette. Der Umgang der Menschen untereinander steht auch für Moritz Freiherr Knigge im Mittelpunkt.

Moritz Freiherr Knigge auf dem Wirtschaftsforum des Magischen Dreiecks in Dinkelsbühl

Moritz Freiherr Knigge auf dem Wirtschaftsforum des Magischen Dreiecks in Dinkelsbühl

Sein Schwerpunkt: Wertschätzung gegenüber anderen Menschen, egal welcher Herkunft, welcher Bildung oder wie dick ihre Brieftasche ist. Der Redner und Autor ist sich sicher, dass Menschen erfolgreicher sind, wenn sie wertschätzend miteinander umgehen. „Es gibt nicht die eine Etikette und lassen Sie Ihren Gesprächspartner nicht spüren, dass er, in Ihren Augen, keine guten Manieren hat“, so der Rat des 46-Jährigen. Als Beispiel nannte er eine Episode, die sich am spanischen Hof abgespielt haben soll. Der Großvater von Juan Carlos I., der spanische König Alfons XIII., hatte zu einem Dinner geladen. Unter den Tischgästen war auch ein Mann aus dem Volk, der wegen seiner Verdienste geehrt wurde. Wie bei Tisch üblich, stand auf der Tafel ein Schälchen Wasser mit Zitrone – eigentlich zum Händewaschen gedacht. Der Nichtadelige griff beherzt zu und trank einen Schluck daraus. Um seinen Gast nicht bloßzustellen, machte es ihm König Alfons XIII. einfach nach. Auch wenn dieses Beispiel schon Jahrzehnte her ist, zeigt es sehr anschaulich, dass man keinen Menschen wegen seiner fehlenden Etikette vor anderen blamieren sollte. Und auch bei der Begrüßung gibt es einiges zu beachten. „Absolut jeder Mensch, hat ein Recht darauf, begrüßt und verabschiedet zu werden“, davon ist der Norddeutsche überzeugt. „Egal auf welcher hierarchischen Stufe er steht – und es ist egal, ob es ein saloppes ‚Hallo‘, ein ‚Guten Tag‘ oder – wie in Bayern üblich – ein ‚Grüß Gott‘ ist.“ Als Beispiel bringt Moritz Knigge Erfahrungen aus der eigenen Ausbildungszeit als Verlagskaufmann in Hannover: Sein damaliger Chef grüßte die Mitarbeiter je nach Lust und Laune. Jeden Morgen, wenn der Mann mit dem berühmten Nachnamen ins Büro kam, ließ sich sein Kollege fünf Minuten lang über den Boss aus. „Denken Sie nur mal an den wirtschaftlichen Schaden, der da entsteht. Mal abgesehen vom schlechten Ruf, den Sie dadurch bekommen“, erklärte der 46-Jährige leidenschaftlich. „Sie sind Unternehmer und deswegen behandeln Sie Ihre Mitarbeiter mit Respekt.“ Und Knigge räumte auch mit einem Vorurteil auf – oft stehen wir vor der großen Frage: Händeschütteln oder nicht? „Deutschland hat eine Kultur des Handschüttelns“, sagte der Niedersachse. „Da müssen Sie durch, egal wie ekelig Sie die Hand Ihres Gegenübers finden. Aber nur Handschütteln und nicht weiter.“ Gemeint ist ein joviales Schulterklopfen oder über den Arm streichen: ein absolutes Tabu im Umgang miteinander – vor allem bei weiblichen Gesprächspartnern. Aber es gilt auch abzuwägen, wie viele Menschen in dem Raum sind. „Nicht immer kann jede Hand geschüttelt werden“, da ist sich Moritz Freiherr Knigge sicher.

Der Ton macht die Musik
Wenn es im Unternehmen Ärger zwischen zwei Mitarbeitern gibt, empfiehlt Knigge ein Gespräch unter vier Augen, aber erst, wenn die eigenen Gefühle unter Kontrolle sind. Das Gleiche gilt für den Nachwuchs. „Weisen Sie Ihre Kinder niemals vor anderen zurecht“, erklärte der 46-Jährige. „Machen Sie das unter vier Augen und: Der Ton macht die Musik.“ Am meisten ärgert sich Moritz Freiherr Knigge über Respektlosigkeit: „Wenn ich beispielsweise auf einem Seminar vom Gastgeber zuvorkommend behandelt werde, aber mitbekomme, dass er die Servicekraft wie den letzten Dreck behandelt, dann macht mich das wütend.“
Knigge, Jahrgang 1968, wuchs wie sein berühmter Vorfahr auf dem Rittergut Bredenbeck in der Region Hannover auf, das seit 1338 im Besitz der Familie ist. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Berlin arbeitete Knigge in der Internetbranche. 2003 gründete er zusammen mit einem Partner die Freiherr Knigge OHG mit Sitz in Düsseldorf. Ein Jahr später erschien sein erstes Buch mit dem Titel „Spielregeln. Wie wir miteinander umgehen sollten.“ Und das funktioniert auf den Punkt gebracht am besten so: „Ein höflicher Mensch handelt angemessen“, sagt Knigge.
www.freiherr-knigge.de