Obwohl „Logistik“ in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer häufig auf Transport, Umschlag und Lagerung beschränkt wird, bewegt sie viel mehr. Zudem ist sie auch ein unterschätzter, aber wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region.

Allein in der Stadt Ansbach arbeiten 2.000 Menschen in der Logistik, im Landkreis sind es über 6.000 und im ganzen Westmittelfranken 13.683. Rund zehn verschiedene Berufe gibt es in dieser Branche, die noch vor dem Maschinenbau liegt. Für viele ist es die Branche der Zukunft. Ohne sie würde kein Auto vom Band laufen und es wäre keine ärztliche Versorgung möglich. Logistik zieht sich durch alle Branchen und ist mit rund 230 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 2,8 Millionen Beschäftigten der drittgrößte Wirtschaftsbereich in Deutschland. Zum Tag der Logistik trafen sich einige Logistiker aus Ansbach und diskutierten über die Aussichten in der Branche. Andreas Oppel, Geschäftsführer in vierter Generation bei der Spedition Oppel stellte fest, dass die Ansprüche immer stärker steigen. Zudem steigt die Frequenz, das heißt: Die Ladezeit wird immer kürzer. „Wir investieren viel in die Ausbildung unserer Fahrer, damit sie den steigenden Ansprüchen gerecht werden“, so Oppel in der Runde. Die jungen Fahrer seien nicht mehr so selbstständig, wie die älteren. Gerade Schulabgänger hätten große Defizite in allen Bereichen, die das Unternehmen ausbügeln muss. „Wir holen das nach, was von der Schule fehlt“, so der Unternehmer. Markus Patzig von der Spedition Wüst kann ihm da nur beipflichten. „Für uns wird es immer schwerer, gute Fahrer zu finden. Viele kommen aus Baden-Württemberg.“ Doch er sieht die Herausforderungen als Chance.

Zu schaffen macht der Logistikbranche auch der immer höhere Termindruck und Konventionalstrafen bei Verspätungen. So liefert Mondi seine Spezialverpackungen direkt ans Band. „Die pünktliche Lieferung ist bei dem steigenden Verkehr eine große Herausforderung für uns“, sagt Andreas Liebschner, Betriebsleiter bei Mondi in Ansbach. In der Automobilbranche ist Pünktlichkeit ganz wichtig, entsprechend hoch sind die Strafen. Bei Bosch in Ansbach werden täglich 13 Millionen Einzelteile verbaut, 70 LKW mit fertigen Steuergeräten verlassen täglich das Werk. Hier spielt die Logistik einen hohen Stellenwert, entsprechend witzelte Bruno Brehm, Abteilungsleiter Logistik bei Bosch in Ansbach: „In einer guten Fabrik macht die Produktion, was die Logistik sagt.“ Nicht ganz so drastische Konventionalstrafen bei Verspätung hat Joris Ide zu befürchten. Sie haben die Strategie, Produktionswerke dicht am Markt zu haben, um die Wege kurz zu halten. Ausgeliefert wird mit einem eigenen Fuhrpark, denn die Wandpanele mit Überlänge und Übergewicht lassen sich nicht als Stückgut verschicken. „Wir sind lieber eine Stunde zu früh an der Baustelle“, gibt Logistikleiter Philipp Rommelsbacher die Devise von Joris Ide bekannt. Auch die Pilipp Vertriebsgesellschaft hat einen eigenen Fuhrpark. „Das ist einmalig in unserer Branche“, erklärt Geschäftsführer Peter Keitel. „Wir holen sogar Ware in Italien selbst ab. damit es sich rechnet liefern wir im Gegenzug für andere nach Italien.“ Ganz wichtig ist für den Geschäftsführer, dass der Kunde immer denkt, dass sie jeden Tag liefern könnten.