Die Energiewende ist für viele Länder ein Vorbild — davon zeigte sich der ehemalige Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen bei einem Vortrag in Rothenburg überzeugt. Dazu müsse es aber gelingen, gleichzeitig die Industrieproduktion zu steigern und die ökologischen Aufgaben zu bewältigen. Dann ziehen auch andere Länder, vor allem die Schwellenländer, mit.

Die Globalisierung ist nicht aufzuhalten. „Es ist keine Option, eine große Schweiz zu werden“, so Röttgen, „also gestalten wir doch lieber Globalisierung mit.“ Beim Thema Energie sei ein grundlegender Systemwechsel erforderlich. „Wir müssen weg von den großen Energieversorgungern zu vielen kleinen dezentralen Produktionseinheiten“, sagt Röttgen. „Das ist eine Entscheidung vom oligarchischen System zu dezentraler Wettbewerbsstruktur.“  Langfristig würden dadurch gerade strukturschwache Gebiete zu den Gewinnern. Schon jetzt seien in Deutschland 480.000 neue Arbeitsplätze entstanden. Und Deutschland lebt von seinen Ingenieurleistung, gerade bei erneuerbarer Energie. Röttgen geht von einer zwanzigjährigen Übergangszeit aus, in der beide Systeme parallel existieren würden. „Hier ist die Frage wichtig, wie verlässlich ist Politik?“, so der Politiker. Er kritisierte das Denken in Legislaturperioden. Allerdings sei das Erneuerbare Energien Gesetzt (EEG) keine Dauerlösung. „Es sollte sich überflüssig machen“, meinte Röttgen. Er sehe aber auch Korrekturbedarf am neuen Gesetzentwurf und räumte ein, dass die Energiewende auch kippen könnte.
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