Rein rechtlich gibt es in Deutschland seit 1969 Zeitarbeit, die Branche kam aber erst in den 1990er Jahren in Gang. Der Personaldienstleister FRANZ & WACH war der Erste in der Region, gegründet wurde er 1996 in München. Heute gehören zur Flächenorganisation mit Hauptsitz in Crailsheim Filialen in Nürnberg, Ansbach, Feuchtwangen, Schwäbisch Hall und in weiteren 20 Standorten in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und in der Schweiz. Die Kunden kommen aus Industrie, Handel und Logistik. Längst bietet das Unternehmen, das zu den Top 25 in Deutschland gehört, weitreichende Personaldienstleistungen und nicht nur reine Personalvermittlung. Die Übernahmequote liegt bei etwa 40 Prozent. Rund 2.300 externe Arbeitskräfte beschäftigt das Unternehmen. Das Magazin hat mit Firmengründer Gerhard Wach über die umstrittene Branche gesprochen.

int2MAGAZIN: „Was war ursprünglich Ihr Berufswunsch?“

Gerhard Wach: „Ich habe Betriebswirtschaftslehre studiert und wollte immer in den Vertrieb. Mein Vater hatte eine kleine Gärtnerei und daher kenne ich es, selbstständig zu sein. In der Saison ging das Geschäft abends bis neun Uhr, trotzdem hat es mir immer Spaß gemacht zu verkaufen. Aber auch der selbstständige Aspekt hat mir gefallen.“

MAGAZIN: „Die Gärtnerei Ihres Vaters wäre nichts für Sie gewesen?“

Gerhard Wach: „Ich wollte unabhängig von daheim sein. Daher bin ich nach dem Studium zu einem internationalen Konzern gegangen und war dort drei Jahre für den Vertrieb von Malz in Süddeutschland zuständig, später auch für Österreich und Polen. Mit 28 Jahren hatte ich schon mit relativ hochkarätigen Leuten zu tun. Der Malzeinkauf war Vorstandssache, denn neben Personal war Malz der größte Kostenfaktor in einer Brauerei. Zudem musste ich viel reisen, auch europaweit. Mein Chef war in Paris, und dort haben wir uns regelmäßig getroffen. Und irgendwann, wenn Sie samstags landen und sonntags wieder los fliegen, dann überlegen Sie sich, ob es das auf Dauer bringt. Privat brauchen Sie da nichts mehr. In dieser Zeit habe ich sehr viel gelernt, ich war erfolgreich und habe den Markt aufgebaut. Aber nach drei Jahren habe ich gekündigt und es hat mich regelrecht in die Zeitarbeit gezogen.“

MAGAZIN: „Warum ausgerechnet in die Zeitarbeitsbranche?“

int3Gerhard Wach: „Bei einem Gespräch habe ich zufällig einen Kalender einer Zeitarbeitsfirma gesehen und mich gefragt, was das eigentlich ist. Das Konzept hat mich wirklich angezogen – ich kann es gar nicht anders sagen. Damals gab es auch noch nicht dieses schräge Image. Ich bin ein Vertriebler, und dieses Arbeitsmodell war für mich schlüssig: Man hat mit Menschen zu tun und löst ein betriebswirtschaftliches Problem. Damals gab es noch fünf Millionen Arbeitslose, die wirklich Arbeit suchten. Wenn Sie einmal ein paar Gespräche geführt haben, dann spüren Sie, was jemand alles kann. Zum Beispiel hat sich bei mir ein Staplerfahrer beworben. Nebenbei erzählt er mir, dass er auch schon an einer Drehmaschine gestanden hätte, und er spricht ganz fasziniert davon. Während er redet, geht mir dann auf, dass er einen Job an der Drehmaschine auch machen könnte. Das ist das Faszinierende an dieser Arbeit, besonders wenn ein Mitarbeiter von einer Firma übernommen wird und dieser sich später bedankt, dass er einen neuen Job bekommen hat. Das ist, als wenn man das passende Puzzleteil gefunden hat. Ich glaube, nach Lösungen zu suchen ist die Kernaufgabe vom Unternehmerdasein.“

MAGAZIN: „Wie sieht Ihr Arbeitsalltag heute aus?“

Gerhard Wach: „Aus dem Tagesgeschäft halte ich mich vermehrt raus. Dennoch bleibe ich natürlich auf Tuchfühlung. Ich kommuniziere intensiv vor allem mit fünf Mitarbeitern unserer Führungsebene. Wir haben jede Woche ein Meeting und zusätzlich einmal im Monat ein ganztägiges Meeting. Diese Menschen sind für mich die Multiplikatoren, und deshalb verbringe ich relativ viel Zeit mit ihnen.“

MAGAZIN: „Warum ist Ihnen die interne Kommunikation so wichtig?“

Gerhard Wach: „Unsere Branche kann man mit ‚flexibel und schnell‘ charakterisieren, das ist übrigens auch ein Problem der ganz Großen. Wenn wir Entscheidungen oder Lösungen nicht ganz schnell bieten, können wir uns auf dem Markt nicht behaupten. Wir müssen immer auf Impulse von außen reagieren. Da ich nicht im Tagesgeschäft stecke, muss ich entsprechend mit den anderen Ebenen und den Niederlassungen kommunizieren. Wir sind eine Flächenorganisation, und das zu steuern ist wirklich eine Herausforderung.“

MAGAZIN: „Für Sie ist Zeitarbeit eine schlüssige Dienstleistung, trotzdem ist es im Moment eine relativ unbeliebte Branche. Woher kommt das?“

Gerhard Wach: „Man könnte argumentieren, es gibt schwarze Schafe, aber das ist Blödsinn, denn es gibt in allen Branchen int4schwarze Schafe. Zeitarbeit ist etwas Neues und hat die Arbeitswelt flexibilisiert. Die Wirtschaft fordert heute schnelle Reaktionen und hohe Flexibilität von den Unternehmen. Damit fordert sie auch mehr Flexibililtät von den Arbeitnehmern. Eine Antwort auf diese Sachlage, ist das Instrument Zeitarbeit. Das kratzt an alten Strukturen und in Deutschland werden Veränderungen gerne moralisch diskutiert. Man darf aber auch nicht vergessen, dass die Zeitarbeit dafür gesorgt hat, dass wir jetzt nur noch drei Millionen Arbeitslose haben. Begonnen hat das mit Gerhard Schröder, der 2003 diesen Markt geöffnet hat. Heute ist eine unbefristete Überlassung möglich, die Tarifbindung ist höher als in jeder anderen Branche und der unbefristete Arbeitsvertrag oft die Regel. Daher ist es unverständlich, dass die SPD immer noch an der Agenda 2010 rummäkelt.“

MAGAZIN: „Wünschen Sie sich von der Politik mehr Rückhalt?“

Gerhard Wach: „Es gibt Missstände, da kann die Politik reagieren, sonst tut es die Wirtschaft. Wenn die Politik reagiert, dann häufig erst nach drei Jahren. Seit 2012 geht die Zahl der Zeitarbeitnehmer zurück — insgesamt um mehrere Zehntausend. Das hat auch mit Equal Pay und Frau von der Leyen zu tun. In der Folge werden Menschen gerade im Helferbereich arbeitslos. Und da trifft es ausgerechnet die Ärmsten. Die Politik argumentiert weiterhin mit ‚Zeitarbeit wird immer mehr‘, einem Argument von vor über drei Jahren. Es dauert zu lange, bis die Realität in der Politik ankommt. Wenn der Staat dann endlich reagiert, tut er das oft mit der Keule, und jede staatliche Regulierung hat immer auch negative Auswirkungen.“

MAGAZIN: „Das heißt, Politik ist unberechenbar?“

Gerhard Wach: „Mindestens. Das sieht man an den Koalitionsverhandlungen. Dort fordern die SPD-Linken immer noch eine Regulierung der Zeitarbeit. Obwohl sich die Situation bereits weitgehend geändert hat. Gegen den Missbrauch gibt es das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz. Wer dagegen verstößt, wird bestraft und muss den Entzug der Erlaubnis befürchten. Wir brauchen keine schärferen Gesetze. Wir brauchen mehr Kontrolleure, die die vorhandenen Gesetze überwachen.

MAGAZIN: „Was halten Sie vom immer wieder geforderten Mindestlohn?

Gerhard Wach: „Der Mindestlohn tangiert uns nicht, weil wir bereits auf diesem Niveau sind. Ab 1. Januar 2014 gelten 8,50 Euro in unserem Tarifverbund. In der Zeitarbeit gab es in den letzten drei Jahren Erhöhungen in einer Größenordnung von 20 bis 25 Prozent. Jedes halbe Jahr vier Prozent mehr. Das gibt es in keiner anderen Branche. Da ist es erstaunlich und skurril, dass sich Ewiggestrige in bestimmten politischen Parteien immer wieder auf Zeitarbeit einschießen.“

MAGAZIN: „Was sind aktuelle Herausforderungen in Ihrer Branche?“

int5Gerhard Wach: „Die Folgen der drastischen Lohnerhöhungen der letzten zwei Jahre, besonders im Niedriglohnsektor. Studien zeigen einen kausalen Zusammenhang zwischen den Lohnerhöhungen und der sinkenden Zahl der Zeitarbeitnehmer. Im qualifizierten Bereich hat dies noch nie eine Rolle gespielt. Der Industriemechaniker will mindestens 14 Euro verdienen, ob er einen Tarifvertrag hat oder nicht. Wichtiger wird auch das Thema Qualität. Großunternehmen wollen eine immer differenziertere Dienstleistung. Gerade wenn sie vor großen Aufgaben stehen und beispielsweise 1.000 Industriemechaniker in einer Region suchen, wo es gar nicht so viele gibt. Oft soll es auch noch innerhalb von sechs Wochen geschehen, für den Bau eines neuen Automodells etwa. Dann kann das Unternehmen für diese Aufgabe die eigene Personalabteilung aufblähen, nur um sie anschließen wieder gesundzuschrumpfen oder es lagert das Recruitment als Prozess aus. Diese Dienstleistungen nehmen zu, und sie sind sehr anspruchsvoll. Wenn Sie da bei der Qualität Abstriche machen, dann wird das Auto nicht gebaut. Der Qualitätsanspruch wird in unserer Branche die Spreu vom Weizen trennen.“

MAGAZIN: „Haben Sie Stammkunden, die regelmäßig Leistungen von Ihnen in Anspruch nehmen?“

Gerhard Wach: „Wir haben im Moment 170 Kunden. Wenn man die Saisonalen hinzunimmt, werden es noch einmal 100 mehr sein. Es gibt oft Unternehmen, die das ganze Jahr Mitarbeiter von uns haben. Hin und wieder kommt bei diesen ein spezielles Projekt hinzu, dann werden es eben mehr Mitarbeiter.“

MAGAZIN: „Wie kommen Sie an die vielen gesuchten Arbeitskräfte?“

Gerhard Wach: „60 Prozent der Bewerbungen kommen, egal welcher Qualifikation, über das Netz. Vor fünf oder zehn Jahren war das Internet eher ein bisschen elitär, heute nicht mehr. Wichtig ist natürlich immer, für welches Unternehmen und welche Berufe Sie suchen. Dementsprechend muss man die Recruiting-Kanäle wählen. Wir schließen im Durchschnitt täglich zwölf Arbeitsverträge, und wir nehmen nicht jeden Bewerber!“

MAGAZIN: „Wie groß muss ein Unternehmen sein, um Ihre Leistungen in Anspruch nehmen zu können?

Gerhard Wach: „Das klingt immer so, als beliefern wir nur große Konzerne. Das ist nicht der Fall. Wir bieten bedarfsgerechte Lösungen für Unternehmen aller Größen. Ich hatte einmal einen Malerbetrieb als Kunden, da war der Malermeister alleine mit 14 Leuten aus der Zeitarbeit. Im November ging das Geschäft zu Ende. Er hat die Leute alle zurück geschickt und ist drei Monate in die Karibik gefahren. Im nächsten Jahr hat er wieder 10 bis 15 Zeitarbeitnehmer geholt und neue Projekte begonnen.

MAGAZIN: „Ist es schwierig, ausländische Arbeitskräfte in die Region zu holen?“

Gerhard Wach: „Grundsätzlich ist es nicht schwierig. Mit Rumänien und Bulgarien wird es jetzt sicherlich wieder einen Boom geben. Es gibt aber zwei Probleme: die Unterkunft und die kulturelle Frage. Für zweimonatige Projektarbeiten bekommen Sie sicherlich Studenten und andere Menschen, die kurzfristig Geld verdienen wollen. Das ist für niemand ein Problem, aber wenn ganze Familien herziehen, wird es komplexer. Dann muss man die Familie bei der Integration unterstützen.“

MAGAZIN: „Was war Ihre wichtigste unternehmerische Entscheidung in Ihrem Leben?“

Gerhard Wach: „Die allerwichtigste war natürlich Unternehmer zu sein, denn es gibt kaum etwas Befriedigenderes, als Entscheidungen im Risiko zu treffen, die sich später als ökonomisch richtig erweisen. Beispielsweise die Personalserviceagenturen 2003 von Gerhard Schröder: Wir haben im großen Maßstab drauf gesetzt, trotz der Vorbehalte anderer Unternehmer. Ich fand es positiv, und es war im Nachhinein eine ganz wichtige Entscheidung.

MAGAZIN: „Woraus schöpfen Sie nach der Arbeit Kraft?“

Gerhard Wach: „Ich hab seit vier Monaten einen Sohn, der beschäftigt mich. In letzter Zeit mache ich wieder ein bisschen Musik. Das ist schön. Wenn Sie immerzu rationale Dinge tun, müssen Sie sich ab und zu auch mit etwas beschäftigen, das die andere Gehirnhälfte anspricht. Außerdem bin ich gerne in der Natur, beispielsweise um Pilze zu sammeln.

MAGAZIN: „Wo ist die Zeitarbeitsbranche in zehn Jahren?“

Gerhard Wach: „Eines deutet sich heute schon an: Es wird in der Zeitarbeit sicherlich viel weniger Firmen geben, aber auch nicht nur die ganz Großen, weil die zu unflexibel sind. Andererseits haben es auch die Kleinen schwer. Personaldienstleister müssen zukünftig einen gewissen Organisationsgrad und eine Struktur haben, um den Kunden immer mehr und immer komplexere Aufgaben abzunehmen. Das geht in Richtung Unternehmensberatung. Durch das Zusammenrücken entsteht ein Vertrauensverhältnis und Sie bekommen mehr aus den Unternehmen mit. Dann können Sie noch schneller Lösungen entwickeln und effizienter für den Kunden handeln.“

MAGAZIN: „Vor welche Herausforderungen stellt der demografische Wandel unsere Region?“

Gerhard Wach: „Die Politik glaubt, dass sich in Zukunft alle so verhalten, wie bisher. Ich glaube nicht, dass alle diese Entwicklungen so weiter gehen, etwa dass die Deutschen immer weniger Kinder bekommen. Auch bei der Einwanderungspolitik wird sich etwas verändern. Wenn die Politik die Einwanderung plötzlich lockert, können Sie ‚Demografie‘ aus dem Duden streichen, weil keiner mehr das Problem kennt. Ich glaube, dass es noch viele Veränderungen auf der Welt geben wird. Vielleicht lassen die deutschen Politiker plötzlich 10 Millionen Chinesen rein. In dem Thema ist noch ordentlich Bewegung. Ich sehe weder, dass die Entwicklung immer so weiter geht noch dass die Arbeitslosigkeit immer so niedrig bleiben wird. In beiden Fällen steckt Dynamik. Und diese fordert von den Unternehmen Flexibilität, die wir ihnen bieten.“

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intlogoGerhard Wach (Geschäftsführer)
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Neigenfind kleinInterview: Mathias Neigenfind
Chefredakteur Business Lounge Magazin

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