Das Fränkische Volksfest ist das zweitgrößte Volks- und Heimatfest im Ländle

300.000 Besucher treffen sich Jahr für Jahr im September in der Stadt, um vier Tage lang zu feiern und die Tradition zu pflegen. Am 20. September beginnt das Fränkisches Volksfest in Crailsheim. Das Business Magazin stellt dieses traditionelle Fest vor, bei dem sogar einige Betriebe geschlossen bleiben.

„Das Fränkische Volksfest ist die wichtigste Veranstaltung im Jahr“, sagt Susanne Kröper-Vogt, Stabsstellenleiterin Kultur in der Stadtverwaltung Crailsheim. „Die Einheimischen gehen jeden Tag auf ihr Volksfest – das wird bei uns gelebt.“ Wilhelm I. von Württemberg war es, der anlässlich seines Silbernen Krönungsjubiläums 1841 ein landwirtschaftliches Bezirksfest stiftete, um die Landwirtschaft in der Region Hohenlohe-Franken voranzubringen. Damals waren Tier- und Obstprämierungen neben allerlei Belustigungen und der Festzüge die Hauptzutaten der königlichen Festtage. Seit dem Jahr 1901 ist die Stadt Crailsheim Veranstalter und aus dem Bezirksfest wurde das Fränkische Volksfest. Prämierungen von Kühen, Pferden und Kleinvieh finden seit einiger Zeit nur noch in den Jahren statt, in denen die Landwirte die Festzüge gestalten. Das wechselt alle drei Jahre: Mal sind die Schulen dran, mal der Gewerbeverein und dann die Landwirte.

Crailsheim2Mitten in der Stadt sorgen 95 Schausteller mit ihren Fahrgeschäften, Buden, Ständen und Bierzelten dafür, dass das Fränkische Volksfest und der Vergnügungspark mit seinen 1.000 Metern Frontlänge zu einem besonderen Erlebnis werden. Aber zum Fränkischen Volksfest gehört noch mehr, zum Beispiel die Tagwache, die es mit Unterbrechungen seit den 1870er Jahren gibt: 6.15 Uhr am Volksfestwochenende in Crailsheim: Während die meisten Bewohner ihren Rausch ausschlafen oder die ganz Hartgesottenen gerade nachhause taumeln, treffen sich an der Jahnhalle putzmuntere Musikanten in schwarz-gelben Uniformen. Für sie geht es – bestückt mit zahlreichen Instrumenten – auf der Ladefläche eines LKWs los, um die Crailsheimer aus ihrem Dämmerzustand zu reißen. Rund 25 Mitglieder der Stadtkapelle fahren einmal quer durch die Stadt – eine bestimmte Route gibt es dabei nicht, nur der Wohnsitz des Oberbürgermeisters, das Krankenhaus oder Altenheim dürfen nicht fehlen. Für OB Rudolf Michl ist der musikalische Wecker kein Problem, da er sich selbst als „Lerche“ bezeichnet, also ein Frühaufsteher ist. „Für mich ist es eine schöne Gepflogenheit“, sagt er. „Und wenn es nach einer langen Volksfestnacht doch etwas zu beschwerlich wird, dann hilft der Kaffee, den ich dann auch versuche, den übernächtigten Musikern einzuflößen. Für die Hartgesottenen gibt es andere flüssige Helferlein.“

Das Fränkische Volksfest zählt mit zu den größten Heimat- und Brauchtumsfesten. Das hat sich schon vor Jahrzehnten unter den Schaustellern herumgesprochen. Die Inhaber neuester und attraktivster Fahr- und Schaugeschäfte finden Jahr für Jahr den Weg nach Crailsheim. Zum Vergnügen gehört auch Essen und Trinken. Dafür sorgen zwei große Bierzelte mit 10.000 Sitzplätzen, ein kleineres gemütliches Festzelt, Erlebnisgastronomie, Biergärten, zwei Cafés und eine Riesenauswahl an Imbissständen. „Ganz traditionell ist das Kuttelessen in den Bierzelten am letzten Tag des Festes“, sagt Susanne Kröper-Vogt. Aber auch bei den anderen Speisen wird viel Wert auf regionale Produkte gelegt, so die Kultur-Stabsstellenleiterin weiter, die berufsbedingt von früh morgens bis spät in die Nacht auf dem Volksfest anzutreffen ist. Die historischen Festzüge der Schulen unter dem Motto „Luuschd, Laad und Lait – Craalse in alter Zeit“ bewegen sich am Samstag und Sonntag jeweils ab 10.30 Uhr durch die Innenstadt, Zehntausende Besucher stehen dicht gedrängt auf den Straßen. „Die Schüler lassen die Geschichte der Stadt Crailsheim wieder aufleben“, erklärt Kröper-Vogt.

Crailsheim3Am Sonntag haben alle Läden in der Stadt offen und viele Geschäftsleute werben mit speziellen Volksfest-Angeboten. Wem der Sinn eher nach sportlicher Unterhaltung steht, ist beim 41. Draislaufradrennen am Sonntag vor dem Festzug oder im Schöneburgstadion bestens aufgehoben, denn sowohl die Herren- als auch die Damenmannschaft des TSV Crailsheim laufen bei Freundschaftsspielen auf. Ein Höhepunkt ist das Feuerwerk am Sonntagabend um 20.30 Uhr, das von den Crailsheimer Majoretten um 20 Uhr am Sportgelände mit einem Leuchtstabauftritt eingeläutet wird. Zum Engel-Oldtimer-Treffen lädt über die Volksfesttage die heimische Engel-Brauerei ein. Zum Ausklang des Festes am Montag haben dann alle Läden dicht. „Das kenne ich von Kindheitsbeinen an“, sagt Kröper-Vogt. „Fast alle Geschäfte ziehen mit, nur die großen Discounter-Ketten nicht.“ Modisch setzen sich immer mehr Dirndl und Lederhose durch, nur noch wenige kommen in der traditionellen Hohenloher Tracht. Ein absolutes Muss sind kleine Lebkuchenherzen als Anstecker, darauf steht „Fränkisches Volksfest“ und das dazu passende Jahr. „Die Plastikherzen werden gerne gesammelt“, so Kröper-Vogt weiter. In diesem Jahr wird es farblich quietschend-bunt, die Anstecker 2013 sind nämlich Neon Pink und Neon Grün. OB Michl geht mehrmals täglich auf das Volksfest, um Mitarbeiter, Helfer und Einsatzkräfte vor Ort zu besuchen. „Das Fränkische Volksfest ist ein Fest für die ganze Familie“, schwärmt er. „Es besteht nicht nur aus Abfüllstationen für die Biertanker, sondern hat ein breites Spektrum an Fahr- und Unterhaltungsgeschäften sowie äußerst qualitätsvollen Genussmittel für den schnellen und anspruchsvolleren Gaumen.“