MAC-Energy in Crailsheim baut Netzersatzanlagen (Notstromaggregate) und Blockheizkraftwerke (BHKW), die in die ganze Welt geliefert werden. Kunden sind die Industrie, aber auch Krankenhäuser, Einkaufszentren, Fußballstadien oder Rechenzentren. Das Unternehmen ist in den letzten sechs Jahren stark gewachsen und hat sich mit rund 100 Mitarbeitern verdreifacht. Es hat den Wandel vom handwerklichen Dienstleister zum Industrieunternehmen vollzogen und dazu gerade das Leitungsteam um einen kaufmännischen Geschäftsführer erweitert. Rund 20 Millionen Euro Umsatz macht MAC Energy im Jahr. Das Besondere der Crailsheimer: Sie bauen nicht nur die Kraftwerksanlagen, sondern bieten auch viel Know-how drum herum. Gerade wurde der größte Auftrag in der 15-jährigen Firmengeschichte abgewickelt: ein 7,8 Megawatt Kraftwerk für einen Produktionsbetrieb im sibirischen Tyumen. Rechnerisch produziert die Anlage, die in acht Containern verbaut ist, in einer Minute soviel Strom wie ein sechsköpfiger deutscher Haushalt im ganzen Jahr verbraucht. Das Business Lounge Magazin hat mit den drei Geschäftsführern über den Wandel des Unternehmens und die dazu nötigen finanziellen Herausforderungen gesprochen.

MAGAZIN: „Herr Clauß, Sie haben die Firma MAC Energy gegründet. Was war Ihre Gründungsidee?“

Manfred Clauß: „In der Firma, in der ich vorher angestellt war, hatte ich Angebote erarbeitet und Montagen von Netzersatzanlagen durchgeführt. Ich habe mir gedacht, das kann ich besser in eigener Regie, zumal ich schon Angebote von zwei, drei Firmen hatte. So habe ich mich zunächst als reiner Montagedienstleister für Netzersatzanlagen selbstständig gemacht.“

MAGAZIN: „Wie kam es dann zum Strategiewechsel, selbst Anlagen zu konstruieren und zu bauen?“

Manfred Claus: „Wir wollten aus dem letzten Kettenglied heraus und nicht mehr nur die reine Montage als Subunternehmer anbieten, sondern auch mehr am Markt teilnehmen. So kamen erst kleine Anlagen zur Ausführung, später größere. Irgendwann kamen auch die ersten BHKW-Anlagen hinzu.“

Christian Kotzschmar: „Wir wollten die Tugenden des Handwerks bewahren und dies aber industriell umsetzen, wo es sinnvoll ist. Ich selbst komme aus der Großindustrie, einer ganz anderen Welt. Zuvor war ich zehn Jahre bei Voith. Als ich hier bei MAC Energy einstieg, haben Herr Clauß und ich uns ein Jahr lang aneinander herangetastet, bis wir angefangen haben, Verzahnungen zwischen dem Engineering und dem Handwerk zu finden. Darin sehen wir heute unsere große Stärke. BHKW haben einen anderen Anspruch bei den Ingenieurleistungen als die Netzersatzanlage. Die Netzersatzanlage ist wegen gesetzlicher Vorgaben stark vorgeplant. Wir bekommen viel vorgegeben, unsere Entfaltung liegt nur noch in der Cleverness der Ausführung. Es ist aber kein Engineering mehr gefragt. Beim BHKW suchen wir komplexe Anwendungen, die der Kunde oft gar nicht kennt. Für einen Kunden in der Türkei haben wir so ein Gesamtkonzept entwickelt: Eigentlich suchte er nur eine Klärschlammtrocknung, jetzt baut er mit uns eine Biogasanlage und zwei BHKW. Den Klärschlamm kann er zuerst in der Biogasanlage nutzen und anschließend noch als Dünger verwenden. So haben wir ein Gesamtkonzept entwickelt. Der Kunde wollte eigentlich nur eine Kleinigkeit, hat aber erkannt, dass der etwas höhere Invest in der Summe viel effektiver ist.“

MAGAZIN: „Machen die Konkurrenten so etwas nicht?“

Manfred Clauß: „Wir sind nicht die einzigen, aber wir kombinieren es dann wieder mit unserer Montageerfahrung und dem eigenen Containerbau. Diese Bandbreite bringt uns in eine sehr gute Position am Markt.“

MAGAZIN: „Wie wichtig ist dieses Drumherum — der Containerbau, Montageerfahrung und das Engineering vorweg?“

Christian Kotzschmar: „Das ist das A und O, weil der Markt, den wir bedienen, relativ stark von der mündlichen Empfehlung lebt. Wenn hinterher die Anlage in der richtigen Zeit, in der richtigen Funktion steht, ist der Kunde zufrieden und empfiehlt Sie weiter. Oder Sie können dem Interessenten sagen: Ruf den doch mal an. Da können wir viele Prospekte machen. Diese persönliche Referenz sagt dann mehr.“

MAGAZIN: „Wird Ihre Qualität „Made in Germany“ noch bezahlt und geschätzt?“

Manfred Clauß: „Je höherwertiger nachher die Ansprüche an die Anlage sind, etwa in Rechenzentren oder Kliniken, umso eher wird die Qualität bezahlt.“

Christian Kotzschmar: „Wenn das Ganze eine öffentliche Ausschreibung ist, führt das zu dem Irrsinn, dass es der billigste Anbieter bekommt. Nicht der Preiswerteste, sondern der Billigste. Damit wird ‚Made in Germany’ nicht geschätzt. In der Türkei zum Beispiel ist ‚Made in Germany’ noch ein Thema. Auch wenn man dort türkische Dienstleistungen, etwa beim Betonieren, in Anspruch nehmen muss, das Engineering und das Produkt kommen aus Deutschland und das wird in der Türkei sehr geschätzt und auch bezahlt.“

inhaltsbild_MAC-Energy-1MAGAZIN: „Was schätzen Sie am Wirtschaftsstandort Deutschland?“

Manfred Clauß: „Unsere Mitarbeiter müssen individuell sein, und wir haben hier in Deutschland ein duales Bildungssystem. Das ist ein Lieblings-thema von mir: Wann immer die Aussagen kommen, dass wir in Deutschland zu wenig Studenten haben, vergessen alle, dass die dann aber eine Lehre, ihren Meister oder eine Technikerausbildung absolvieren. In den USA suchen Sie vergeblich einen guten Schlosser. Den gibt es nicht, wenn er nicht zufällig aus Deutschland kommt. Wir brauchen gute ausgebildete Leute, die einfach wissen, um was es geht. Aber wir brauchen hier auch keine Fachidioten. Der muss elektromechanische Erfahrungen haben und flexibel sein. In Frankfurt haben wir eine Netzersatzanlage tatsächlich im 40. Stock eingebaut. Weil der Kran nicht die ganze Last heben konnte, musste die Anlage geteilt und oben zusammengebaut werden. Wir haben ausschließlich eigene, deutsche Montageteams. So eine Herausforderung wollen Sie nicht von einer Firma machen lassen, die nur die Montage macht und vielleicht auch noch aus einem Billiglohnland kommt.“

MAGAZIN: „Was halten Sie von der Energiewende in Deutschland?“

Christian Kotzschmar: „Ich glaube die Energiewende wäre relativ einfach zu gestalten, wenn man sie pragmatischer anginge. Energiestarke Firmen werden bei uns von der EEG-Umlage befreit. Das Ergebnis ist aber, dass die Restsumme auf immer weniger Haushalte oder Firmen umgelegt und immer höher wird. Das ist ein Problem, dass in der ganzen Energiewende viele Menschen mitreden, die lobbyistische Gedanken haben oder zu wenig verstehen, was los ist. Gas zieht kaum jemand in Betracht, dabei könnten Sie aus Windstrom, den Sie in Husum nicht benötigen, Wasserstoff erzeugen. Aus dem Wasserstoff können Sie Methangas herstellen, das ist der Bestandteil von Erdgas. Dieses könnte man in die vorhandene Erdgasleitung einleiten, und alle Erdgasanwendungen wären plötzlich regenerativ. Wir haben eine Erdgastraße, im Grunde muss man den Strom nur in ein speicherbares oder transportierbares Medium umwandeln und kann es dann dezentral wieder zurückwandeln – gekoppelt mit Wärme und Kälte. Dann hat man weniger Verluste. Der Strom kommt mit weniger als 20 Prozent Wirkungsgrad aus der Steckdose. Ein guter Erdgasmotor hat einen elek-trischen Wirkungsgrad von deutlich über 40 Prozent, und wenn man die entstehende Wärme gleich mit nutzt, bekommt man Gesamtwirkungsgrade von bis zu 90 Prozent. In Tunesien dürfen sie ein BHKW nur in Betrieb nehmen, wenn Sie mit einer Studie nachweisen können, dass Sie einen Gesamtwirkungsgrad von über 70 Prozent erreichen. Das ist Energieeffizienz, und nicht, wenn Sie irgendein Kernkraftwerk bauen, und am Schluss kommt der Strom subventioniert in einem furchtbaren Wirkungsgrad aus der Steckdose.“

MAGAZIN: „Um Ihre Anlagen bauen zu können, müssen Sie eine große finanzielle Lücke decken – vom Einkauf der Aggregatkomponenten bis zur Abnahme des fertigen Kraftwerks. Wie schaffen Sie das?“

Thomas Walz: „Schauen Sie sich allein das Sibirien-Projekt an: Das startete letztes Jahr im Oktober. Da laufen die ersten Kosten auf: Engineeringkosten, Einkauf von Aggregaten und Motoren. Für dieses Projekt haben wir für fünf Millionen Euro Material bestellt. Jetzt ist die Anlage gerade fertig geworden. Das muss man irgendwie vorfinanzieren. Klassischerweise ist dies ein Bankenthema. Das behandeln wir momentan sehr intensiv. Die Banken haben zu viel Geld und möchten so viel wie möglich natürlich verleihen. Die Zinssätze sind aber sehr hoch, und die Banken wollen immer Sicherheiten haben — das können Gebäude, das Warenlager oder Teile einer Forderung sein. Von daher ist das natürlich limitiert. Deshalb sind wir jetzt einen anderen Weg gegangen.“

MAGAZIN: „Wie sieht dieser Weg aus?“

Thomas Walz: „Über unsere neu gegründete Tochterfirma MAC Invest GmbH können wir stille Beteiligungen oder Anleihen mit relativ hohen Zinssätzen anbieten, die man momentan im Bankgewerbe nicht bekommt. Das ist ein hoher Anreiz, aber Interessierte gehen natürlich auch ein gewisses unternehmerisches Risiko ein. Dadurch bekommt MAC Energy über einen Kreditvertrag zusätzliche Liquidität bzw. zusätzliches Kapital. Das heißt, ich schlage zwei Fliegen mit einer Klappe: Ich erhöhe die Liquidität und Eigenkapitalquote, und damit verbessere ich auch mein Ranking bei der Bank. Das heißt, ich habe die Möglichkeit mehr Geld von der Bank zu bekommen.“

MAGAZIN: „War dieser Weg für Sie gut umzusetzen?“

Thomas Walz: „Es ist mit Sicherheit eine gute Idee, und wir haben auch die ersten Gelder akquiriert. Aber es steckt viel mehr dahinter, die ganzen Haft-ungen zum Beispiel. Da gibt es ja sehr viele Vorgaben, was zum Beispiel auch die Limits angeht. Das heißt, man kann das nicht in unbegrenzter Höhe ausschreiben und in unbegrenzter Höhe verteilen. Die Bundesaufsicht für Finanzen (BaFin) hält immer sehr schnell die Hand drauf. Wir haben eine Lösung gefunden, bei der wir unterhalb dieser BaFin-Auflagen bleiben. Trotzdem müssen gesetzliche Auflagen erfüllt werden, etwa umfangreiche Beratungsprotokolle. Ich sage mal, das ist der ganz normale Papierkrieg wie bei jeder Bank. Das haben wir ein bisschen unterschätzt, trotzdem würden wir es wieder machen.“

MAGAZIN: „Warum vermitteln Sie Ihre Anleihen nicht über die Hausbank?“

Thomas Walz: „Dann unterlägen wir wieder den BaFin-Auflagen. Dazu müssten wir vorher eine BaFin-Prüfung durchführen lassen, da sprechen wir gleich von einem sechsstelligen Betrag, den Sie da vernichten, bis alle Unterlagen geprüft sind. Das lohnt sich nur, wenn man wirklich in den hohen Bereich geht. Im Grunde genommen ist es eine Vorbereitung für den Gang zur Börse.“

MAGAZIN: „Die Bank war also nicht so begeistert, dass Sie diesen Weg gegangen sind?“

Thomas Walz: „Die Banken hätten natürlich am liebsten einen schnellen Weg. Das heißt, dass man einen großen Investor sucht, der in das Unternehmen einsteigt und viel Geld auf den Tisch legt. Unser Weg bedeutet für Herrn Clauß und Herrn Kotzschmar, dass sie ihre unternehmerischen Freiheiten behalten. Wenn sie den Investor reinholen, geben sie einfach ihre unternehmerischen Freiheiten ab, behalten aber die Pflicht. Der will mitreden, der will mitbestimmen, den Weg wollten wir ganz klar nicht gehen.“

MAGAZIN: „Sie sind sehr schnell gewachsen. Gehen Mitarbeiter das mit, oder sind Sie auch an Grenzen gestoßen?“

Christian Kotzschmar: „Die letzten fünf Jahre waren eine Zeit der permanenten Umstrukturierung. Wir glauben, dass wir jetzt auch mit dem Einstieg von Herrn Walz einen Punkt gefunden haben, der endlich anfängt zu skalieren. Wir bauen immer stärker den Unterbau auf, sodass das nicht mehr so extrem an Einzelpersonen hängt. Bei einigen Mitarbeitern konnten wir begeistert feststellen, dass sie zu Größerem berufen sind, und mancher bleibt auf der Strecke. Sie merken, dass manche mit einer anderen Struktur nicht mehr umgehen können. Am Anfang war Herr Clauß der uneingeschränkte Herr im Haus. Es war sein Unternehmen, alles lief über seinen Tisch mit der Folge, dass er einfach nicht mehr weiter konnte. Da mussten Sie sich schon an einen Zweiten gewöhnen, jetzt müssen Sie sich an einen Dritten gewöhnen. Dann hat sich eine Mannschaft gefestigt, die, glaube ich, in der Lage ist, auch den nächsten Schritt mitzugehen. Wenn einer sagt, ich will wachsen, ich will ins Ausland, dann braucht er Struktur. Und da muss er Leute ins Boot nehmen, die die Struktur kennen, so haben wir es auch gemacht.“

inhaltsbild_MAC-Energy-2MAGAZIN: „Was wird MAC Energy in zehn Jahren sein?“

Christian Kotzschmar: „Ein weltweit agierendes Unternehmen der Energiebranche mit mindestens 100 Millionen Umsatz, führend im Bereich von komplexen Energieanlagen.“

NETZWERKKONTAKT

logo-MAC-EnergyManfred Clauß (CEO) | Christian Kotzschmar (CEO) | Thomas Walz (CFO/COO)
MAC Aggregate GmbH
Sulzbrunnenstraße 18 | 74564 Crailsheim
Telefon 07951 / 29 797 – 0 | Fax 07951 / 29 797 – 263
t.walz@mac-energy.de | www.mac-energy.de

Neigenfind kleinAutor: Mathias Neigenfind
Chefredakteur Business Lounge Magazin

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