REGENERATIVE ENERGIE BIETET GROßES POTENTIAL FÜR DIE REGION

Der Landkreis Ansbach ist auf dem Weg zur Energieunabhängigkeit. Schon jetzt werden 66 Prozent des Strombedarfes aus regenerativen Quellen selbst hergestellt. Es gibt viele Betriebe, die in diesem Bereich tätig sind, und für Politiker und Unternehmer ist es der Markt der Zukunft, vor allem für die Region Ansbach. Das Netzwerk erneuerbare Energie soll das Wissen besser verbreiten, denn es gibt schon viel, nur ist es noch nicht bekannt genug.

Die Idee kam aus der Unternehmerschaft: Dr. Friedrich Ossberger aus Weißenburg, selbst erfolgreich mit Wasserturbinen, gab den Impuls für das Netzwerk erneuerbarer Energie in Westmittelfranken. „Die Idee ist, Unternehmer, regionale Politik und die Hochschulen zusammenzubringen“, erklärt der Herrieder Bundestagsabgeordnete Josef Göppel (CSU). „Viele Menschen staunen, was es in der Nähe schon alles gibt.“ Das Besondere an der Konstellation: Es ist ein Netzwerk, keine Gesellschaft oder Verein. „Es funktioniert trotzdem seit sechs Jahren immer noch“, betont Göppel.

Es sind besonders zwei Aktionen des Netzwerkes: Der Energietag einmal im Jahr (in diesem Jahr findet er am 12. November 2011 in Triesdorf statt), und der Energiepreis, der bereits Mitte Oktober vergeben wurde. Gerade hier sollen positive Beispiele zeigen, was schon alles möglich ist. Für den Politiker ist die Zukunft kleinteiliger, das heißt: Es gibt nicht mehr so viele Großkraftwerke, die über aufwendige Stromtrassen die Energie zu den Verbrauchern bringen, sondern viele kleine Einheiten erzeugen vor Ort die nötige Energie. Göppels Ziel: Bis 2020 sollten die ländlichen Räume ihren Strom- und Wärmebedarf selbst decken, und zwar so, dass jedes Haus etwas mehr Energie erzeugt, als es selbst benötigt. Damit würden viele Menschen zu kleinen Unternehmern und viel Kapital bleibe in der Region. Und es gibt noch einen guten Nebeneffekt: In diesem System, wo die Energie vor Ort produziert wird, sind teure Leitungstrassen überflüssig. Der CSU-Politiker rechnet vor, dass sich in Landkreis und Stadt Ansbach ein Vermögen von jährlich 330 Millionen Euro ansammeln könnte. Damit wird die alte Raiffeisenregel wieder aktuell: Das Geld des Dorfes dem Dorfe. Bisher war es dagegen so, dass einige große Aktionäre am Energiemarkt verdient haben, das könnte dann der Vergangenheit angehören. Hier sieht Göppel ein großes Wertschöpfungspotenzial für die Region, er rechnet damit, dass die Hälfte der Wertschöpfung der ländlichen Regionen aus dem Energiesektor kommen wird. Für den Politiker der Siegeszug der erneuerbaren Energien. „Durch das Zusammenschalten wird die kleinteilige Energieerzeugung möglich“, erklärt er. „Die Energiewende ist vor allem eine technische Wende, die Politik zieht da nur nach.”

Daraus ergeben sich neue Marktmöglichkeiten auch im Landkreis Ansbach. Landwirte, Waldbesitzer und Hauseigentümer werden über Bürgerbeteiligungen zu Energielieferanten. Davon profitiert wieder die eigene Region, denn dazu wird Geld in Mittelfranken investiert. Hinzu kommt die momentane Unsicherheit bei den europäischen Geldanlagen, so dass schon heute viele Menschen ihr Geld lieber in regionale Projekte investieren. Langfristig wird sich dadurch auch der ländliche Raum stabilisieren, denn die erneuerbaren Energien bieten qualifizierte Arbeitsplätze.

Aprovis Energy Systems GmbH aus Weidenbach ist ein Unternehmen aus der Region, das auch im Bereich der erneuerbaren Energien tätig ist. Hier arbeiten fast 80 Mitarbeiter und das Unternehmen wächst kontinuierlich. Zwar hat das Ingenieurbüro seine Kunden eher überregional, doch für den Geschäftsführer Dr. Steffen Hauff hat gerade der ländliche Raum viele Standortvorteile. So sind vor allem die Kosten überschaubar und auch für die Mitarbeiter ist es leichter, Eigentum zu finanzieren. Außerdem wäre der Kampf um Fachkräfte in den Metropolen viel schwieriger, da der Konkurrenzkampf der Unternehmen zu groß sei. Besonders wichtig ist Hauff der Kontakt zu den beiden Hochschulen in unmittelbarer Nachbarschaft, „ohne die wären wir verloren“, so der Ingenieur. Fachkräfte in die ländliche Region zu bekommen ist nicht ganz einfach, aber die Studierenden in Ansbach und Triesdorf suchen frühzeitig Kontakt zu den Firmen. Aus diesen Kontakten entstehen oft langfristige Bindungen.„Für die jungen Menschen hier ist es gut, dass sowohl Hochschulen als auch Fachfirmen vor Ort sind“, meint Dr. Steffen Hauff. „So verwurzeln die Menschen in der Region.“ Deutschland ist seiner Meinung nach Vorreiter bei den erneuerbaren Energien. Das, was vor 10 – 15 Jahren in Deutschland angefangen wurde, sei jetzt erst Thema in Italien, Frankreich, Spanien oder England. Daraus ergibt sich für Deutschland eine Marktmacht, bei der der Landkreis Ansbach ganz vorne mitspielt. Hier gibt es viele Marktführer.

Auch für Steffen Hauff gehören große Kraftwerke der Vergangenheit an. „Großprojekte sind heute fast nicht mehr planbar, schauen Sie nur auf Stuttgart 21. Wie wollen Sie da ein Kohlekraftwerk planen“, meint der Ingenieur. Kleine Einheiten sind einfach leichter zu realisieren. Zum Zweiten kommt für ihn die Energie der Zukunft aus Wind, Sonne und Wasser. Das ist für Deutschland ein Vorteil, denn die Technologie an sich funktioniert schon, jetzt geht es um die Steuerung der kleinen dezentralen Kraftwerke, die flexibler zu handhaben sind.

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